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Panne: Landwirt sät Genmais aus

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Kreis Sigmaringen / sz Einer ist am Ende immer der Dumme. Im Kreis Sigmaringen gibt es einen einzigen Landwirt, der unwissentlich gentechnisch verunreinigtes Maissaatgut gekauft und ausgesät hat. Jetzt musste der Landwirt 32,5 Hektar Anbaufläche umbrechen, was ihm im schlimmsten Fall einen Ertragsausfall von 50 000 Euro einbringen kann. Die Schadensregulierung ist nämlich noch offen.

Von unserer Redakteurin   Jennifer Kuhlmann

Der Landwirt, der der Redaktion bekannt ist, aber lieber anonym bleiben möchte, ist einer von 90 Landwirten in Baden-Württemberg, die das verunreinigte Saatgut eines in Niedersachsen ansässigen Produzenten erhalten haben. Aus Gründen, die man im Ministerium für Ländlichen Raum, Ernährung und Verbraucherschutz nicht nennen will, waren die bedenklichen Ergebnisse der jährlich im Februar vorgenommenen Saatgutkontrollen erst Anfang Mai nach Baden-Württemberg übermittelt worden. „Da war natürlich schon längst ausgesät“, so Denise Burgert von der Pressestelle des Ministeriums. „Und es dauerte eine Weile bis über die Händler die betroffenen Landwirte identifiziert wurden.“

Gerhard Gommeringer, Fachbereichsleiter Landwirtschaft im Landratsamt, hat am 17. Juni Post vom Ministerium bekommen. „Wir wurden darüber informiert, dass es im Kreis einen Landwirt gibt, der das verunreinigte Saatgut erhalten hat und wurden vom Ministerium angewiesen, dafür zu sorgen, dass die entsprechenden Maisflächen identifiziert und umbrochen werden“, so Gommeringer. Während andere Landratsämter, die sich um mehr als zehn Landwirte kümmern müssen, schriftlich an die betroffenen Landwirte herangetreten sind, haben Gerhard Gommeringer und sein Mitarbeiter Bernhard Mayer „ihren“ Landwirt persönlich in Kenntnis gesetzt.

„Ich dachte erst, dass es ein Witz ist“, erzählt der Landwirt. Der wurde dann aber schnell bitterer Ernst. Auf Flächen mit insgesamt 32,5 Hektar hatte er das verunreinigte Saatgut ausgesät. Weil der Landwirt als Betreiber einer Biogasanlage zwingend auf den Anbau von Mais angewiesen ist, musste er möglichst schnell handeln. „Wir hatten die Flächen am 22. Juni identifiziert“, so Gerhard Gommeringer. „Am 25. Juni hat der Landwirt bereits mit dem Umbruch begonnen.“ Zwei Tage lang hat er mittlerweile kniehohe Maispflanzen mit einem Grubber ausgerissen, zerkleinert und untergegraben. Ein Mitarbeiter des Landratsamtes hat den Vorgang dokumentiert.

„Um überhaupt noch eine Chance auf Ertrag auf diesen Flächen zu haben, musste ich sofort wieder aussäen“, so der Landwirt. Er hat sich für eine Maissorte entschieden, die in kürzerer Zeit reift. „Aber ob das noch klappt, ist fraglich“, gibt er zu. „Das ist mein persönliches Risiko, aber ich habe keine andere Wahl.“ Im schlimmsten Fall kann er die Ernte auf diesen Flächen vergessen und muss einen Ertragsverlust von umgerechnet 50 000 Euro verkraften. Das bringe seinen Hof zwar nicht ans Existenzminimum, wie er sagt, sei aber ärgerlich und habe ihm zusätzliche finanzielle und psychische Belastungen eingebracht. Die verunreinigten Flächen machen immerhin ein Viertel seiner Gesamtmaisflächen aus.

Damit er die Kapazitäten der Biogasanlage nicht herunterfahren muss, hat er bereits bei anderen Landwirten angefragt, ob er ihnen größere Mengen Mais abkaufen kann, um den eigenen Verlust auszugleichen. Wenn es wenig regnet und der Herbst warm wird, kann die Hälfte des verlorenen Ertrags doch noch gerettet werden.

Landwirt trägt die Kosten

Solange nicht genau geklärt ist, ob der Hersteller aus Niedersachsen wirklich für die Verunreinigung verantwortlich ist, bleibt der Landwirt auf den Kosten und dem Ertragsausfall sitzen. „Da wird es noch Prozesse geben und ich bekomme erst viel später eine Entschädigung“, beschwert sich der Landwirt. Er ist der Meinung, dass das Land in Vorleistung gehen müsse. „Kleinere Höfe als meiner leiden viel mehr unter dem Ausfall und könnten pleite gehen.“

Derweil ist Gerhard Gommeringer im Landratsamt froh, dem Ministerium einen erfolgreichen Umbruch übermitteln zu können. Damit ist die Aufgabe des Landratsamts abgeschlossen. „Wir stehen dem betroffenen Landwirt aber mit Ratschlägen zur Technik und zum Pflanzenanbau zur Seite“, so Gommeringer.

Der Landwirt hat sich einen Anwalt genommen, der seine Interessen gegenüber dem Hersteller vertritt.

(Erschienen: 30.06.2010 20:45)

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