Stadtnachrichten Bad Waldsee
Hymer ist wieder in der Gewinnzone
Die Aktionäre besetzten weniger als ein Drittel der Plätze im Saal. Aktuell hält die Familie Hymer 98,11 Prozent der insgesamt vier Millionen Aktien. Nur 1,89 Prozent entfallen also noch auf die Minderheitsaktionäre. Auch diese Aktien müssen noch in den Besitz der Familie Hymer übergehen, damit das Unternehmen von der Börse kann.
Der Schritt sei zum Vorteil des Bad Waldseer Unternehmens, sagte der Vorstandsvorsitzende Josef Spichtig: „Die Effekte der Börsenpräsenz sind deutlich unter den Erwartungen.“ Siegfried Pfündl von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) widersprach. Es sei falsch, dass der Wohnmobil- und Caravan-Hersteller nur ohne Minderheitsaktionäre ein Familienunternehmen sein könne. Sein Vorwurf: Die Familie Hymer wolle die zu erwartende Wertsteigerung mit dem Schritt für sich allein kassieren, die Minderheitsaktionäre seien „zum Rauswurf verurteilt“.
Das Unternehmen sieht dagegen mehrere Vorteile des sogenannten De-Listings, des Verlassens der Börse: So betragen die Kosten der Börsennotierung laut Spichtig rund eine Million Euro jährlich, etwa weil das Unternehmen weniger Berichte veröffentlichen muss. Und das Unternehmen habe den Kapitalmarkt bisher nicht zur Finanzierung der Gesellschaft genutzt.
Sprich: Es sind keine neuen Aktien ausgegeben worden. Letztlich sei es eine Entscheidung des Hauptaktionärs, sagte Johannes Stegmaier, der stellvertretende Vorsitzende des Aufsichtstrats: „Das ist eine Familienentscheidung, die wir akzeptieren müssen.“
Mit 98,11 Prozent der Aktien ist ein sogenannter „Squeeze-out“ möglich, also der zwangsweise Ausschluss der Minderheitsaktionäre. Vom 9. September bis 14. Oktober 2011 konnten diese ihre Aktien zum Preis von 45,50 Euro pro Stück verkaufen – 17 Prozent über dem Marktpreis. Ab einer 95 Prozent-Mehrheit hat ein Hauptaktionär die Möglichkeit, die Minderheitsaktionäre zwangsweise auszuschließen. Einen Termin gibt es hierfür noch nicht. Spichtig hielt sich bedeckt: „Informationen zu einem Squeeze-out liegen nicht vor.“
Das Ergebnis nach Steuern ist erstmals nach der Finanzkrise wieder im Plus: 14,9 Millionen Euro beträgt der Gewinn, im Vorjahr waren es noch 4,9 Millionen Euro Verlust. Eine Dividende gibt es trotz der positiven Entwicklung in diesem Jahr nicht, sagte Spichtig: „Wir müssen uns für langfristige Herausforderungen positionieren.“ Der Wettbewerb werde härter. Hymer wolle trotzdem wieder Marktanteile zurückgewinnen – etwa mit Modellen unter 3,5 Tonnen, die auch jüngere Kunden fahren dürfen. Außerdem will Hymer in Zukunft außereuropäische Märkte entwickeln.
Im Kern gehe es darum, erklärte Spichtig, profitabler zu werden. Die Führungsstruktur baue das Unternehmen gerade um: „Wir schauen uns alle Unternehmensbereiche an.“ Dieses Jahr und die folgenden seien entscheidend. Auf jeden Fall wolle man den Weg „für alle und mit allen Mitarbeitern“ gehen und diesen „optimieren“. Das heißt: „Wir wollen mit gleich vielen Mitarbeitern doppelt so viele Fahrzeuge bauen.“
(Erschienen: 07.02.2012 19:10)
Die Aktionäre besetzten weniger als ein Drittel der Plätze im Saal. Aktuell hält die Familie Hymer 98,11 Prozent der insgesamt vier Millionen Aktien. Nur 1,89 Prozent entfallen also noch auf die Minderheitsaktionäre. Auch diese Aktien müssen noch in den Besitz der Familie Hymer übergehen, damit das Unternehmen von der Börse kann.
Der Schritt sei zum Vorteil des Bad Waldseer Unternehmens, sagte der Vorstandsvorsitzende Josef Spichtig: „Die Effekte der Börsenpräsenz sind deutlich unter den Erwartungen.“ Siegfried Pfündl von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) widersprach. Es sei falsch, dass der Wohnmobil- und Caravan-Hersteller nur ohne Minderheitsaktionäre ein Familienunternehmen sein könne. Sein Vorwurf: Die Familie Hymer wolle die zu erwartende Wertsteigerung mit dem Schritt für sich allein kassieren, die Minderheitsaktionäre seien „zum Rauswurf verurteilt“.
Das Unternehmen sieht dagegen mehrere Vorteile des sogenannten De-Listings, des Verlassens der Börse: So betragen die Kosten der Börsennotierung laut Spichtig rund eine Million Euro jährlich, etwa weil das Unternehmen weniger Berichte veröffentlichen muss. Und das Unternehmen habe den Kapitalmarkt bisher nicht zur Finanzierung der Gesellschaft genutzt.
Sprich: Es sind keine neuen Aktien ausgegeben worden. Letztlich sei es eine Entscheidung des Hauptaktionärs, sagte Johannes Stegmaier, der stellvertretende Vorsitzende des Aufsichtstrats: „Das ist eine Familienentscheidung, die wir akzeptieren müssen.“
Mit 98,11 Prozent der Aktien ist ein sogenannter „Squeeze-out“ möglich, also der zwangsweise Ausschluss der Minderheitsaktionäre. Vom 9. September bis 14. Oktober 2011 konnten diese ihre Aktien zum Preis von 45,50 Euro pro Stück verkaufen – 17 Prozent über dem Marktpreis. Ab einer 95 Prozent-Mehrheit hat ein Hauptaktionär die Möglichkeit, die Minderheitsaktionäre zwangsweise auszuschließen. Einen Termin gibt es hierfür noch nicht. Spichtig hielt sich bedeckt: „Informationen zu einem Squeeze-out liegen nicht vor.“
Das Ergebnis nach Steuern ist erstmals nach der Finanzkrise wieder im Plus: 14,9 Millionen Euro beträgt der Gewinn, im Vorjahr waren es noch 4,9 Millionen Euro Verlust. Eine Dividende gibt es trotz der positiven Entwicklung in diesem Jahr nicht, sagte Spichtig: „Wir müssen uns für langfristige Herausforderungen positionieren.“ Der Wettbewerb werde härter. Hymer wolle trotzdem wieder Marktanteile zurückgewinnen – etwa mit Modellen unter 3,5 Tonnen, die auch jüngere Kunden fahren dürfen. Außerdem will Hymer in Zukunft außereuropäische Märkte entwickeln.
Im Kern gehe es darum, erklärte Spichtig, profitabler zu werden. Die Führungsstruktur baue das Unternehmen gerade um: „Wir schauen uns alle Unternehmensbereiche an.“ Dieses Jahr und die folgenden seien entscheidend. Auf jeden Fall wolle man den Weg „für alle und mit allen Mitarbeitern“ gehen und diesen „optimieren“. Das heißt: „Wir wollen mit gleich vielen Mitarbeitern doppelt so viele Fahrzeuge bauen.“
(Erschienen: 07.02.2012 19:10)



































