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Eltern sehen ihr Engagement „mit Füßen getreten“

Hat sich mit ihrem Einsatz für die Schulhofgestaltung in Reute nicht nur Freunde gemacht: Eltern-Sprecherin Steffi Rist.
Hat sich mit ihrem Einsatz für die Schulhofgestaltung in Reute nicht nur Freunde gemacht: Eltern-Sprecherin Steffi Rist.

Reute / sz Kinderfeindlichkeit und Anwohnerprotest – die Gestaltung des Schulhofs in Reute schlägt weiter hohe Wellen. Die Eltern sind gefrustet und sehen ihr Engagement „mit Füßen getreten“. Rückendeckung bekommen sie vom Leiter der Durlesbachschule. Werner Geiss sagt: „Ein ‚Bestrafen‘ der Schulkinder durch die Verweigerung eines pädagogisch altersgerechten Pausenhofs löst das Problem nicht.“

Von unserem Redakteur  Michael Kaiser

In einem Schreiben an die Ortschaftsverwaltung nimmt Geiss Stellung zu den Einwänden der Nachbarn. Der Schulleiter sagt: „Wer neben eine bestehende Schule baut oder in deren Nähe zieht, muss sich einer gewissen Geräuschkulisse bewusst sein.“ Der von den „Reutener Schulkindern während der Schulzeiten erzeugte Lärm“ könne deshalb nicht das Problem sein – auch der Lärm nicht, der beim Spielen entstehe. Ortsvorsteher Grobe hatte Geiss vor den entscheidenden Sitzungen der Ortschaftsräte in Reute und Gaisbeuren um eine Stellungnahme gebeten.

In Sachen Schulhofgestaltung sieht Geiss dringend Handlungsbedarf. Aus Sicht des Schulleiters ist der „derzeitige Pausenhof in seiner Kargheit im Bereich des gesamten Schulamts Markdorf nahezu einzigartig“. Es müsse ja nicht gleich eine Anlage „nach dem Muster der privaten Eugen-Bolz-Schule oder manch anderer staatlichen Schule vor allem in Ravensburg“ sein, schreibt Werner Geiss, doch am Konzept der Eltern möchte er keine großen Abstriche mehr machen: „Die vom Elternbeirat vorgeschlagenen Spielgeräte halten wir für einen akzeptablen Mittelweg.“

Ausdrücklich lobt Geiss das „außergewöhnlich große Engagement“ der Eltern, das er „sehr begrüßt und unterstützt“. Gleichzeitig sei der Schule aber auch an einem „gedeihlichen Miteinander mit den Nachbarn“ gelegen. Weil der Pädagoge weiß, dass mit dem Aufstellen der Spielgeräte für Schulkinder aber nicht das grundsätzliche (Jugend-)Problem in Reute gelöst ist, macht er einen Vorschlag zur Güte: Nachbarn und Ortschaftsverwaltungen sollten sich gemeinsam Gedanken machen, wo und wie sie Jugendlichen und jungen Erwachsenen abends und an den Wochenenden „einen attraktiven Aufenthalt anbieten“ könnten. Auch Ortsvorsteher Grobe will am Ball bleiben.

Mittlerweile ist die Entscheidung über die Aufstellung der Spielgeräte gefallen (wir berichteten). In Elternkreisen hat das ganze Hickhack einen schalen Beigeschmack hinterlassen. Elternbeiratsvorsitzende Steffi Rist klingt frustriert, wenn sie sagt: „Wie kann es sein, dass die Elternschaft alle Vorgaben erfüllt und immer wieder mit Füßen getreten wird?“

Auch die Verwaltung bekommt ihr Fett ab. Gegenüber der SZ klagt Rist: „Es ist schon verwunderlich, dass Anwohner einen Plan zu sehen bekommen - und der Elternbeirat, der seit zwei Jahren hart an dem Projekt arbeitet, nicht. Warum müssen wir einen Plan zeichnen, wenn bereits einer vorhanden ist?“ Unterschiedliche Sichtweisen gibt es auch in anderen Fragen. So hält es die Eltern-Sprecherin für ein Unding, dass ausgerechnet sie (bzw. das Elterngremium) die Nachbarn über die Schulhofpläne informieren soll. Das sei doch wohl ureigene Aufgabe von Stadt und Ortschaftsverwaltung.

In einer „Gegendarstellung“, die die Elternbeiratsvorsitzende der „Schwäbischen Zeitung“ zukommen ließ, begründet Steffi Rist auch noch einmal ihren Vorwurf der „Kinderfeindlichkeit“. Dieser hatte, wie berichtet, unter den Nachbarn für große Aufregung gesorgt. Rist zufolge ist die „ganze Sache mit der Kinderfeindlichkeit“ bei einer Anlieger-Besprechung in der Ortschaftsverwaltung Ende Januar aufgekommen. Neben den Nachbarn nahmen daran zwei Elternvertreter sowie Ortsvorsteher Grobe und sein Kollege Bendel teil.

„Spenden besser nach Haiti“

Dass es dabei „sachlich“ zugegangen sein soll, wie Anwohner-Sprecher Franz Zembrot befand, kann Steffi Rist nicht bestätigen, im Gegenteil: „Da kann ich nur widersprechen. Wir wurden für viele Dinge in den vergangenen 20 Jahren angegriffen.“ Bei dem Termin habe sich eine Anliegerin zum Beispiel gegen das von ihr als „unerträglich“ empfundene Gekreische junger Mädchen verwahrt. Besonders mitgenommen hat die engagierte Eltern-Sprecherin aber der Spruch eines Anwohners, die vom Elternbeirat gesammelten Spenden seien „in Haiti besser aufgehoben als im Pausenhof“.

(Erschienen: 14.03.2010 13:45)

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