Südfinder
Südfinder JOB
Südfinder AUTO
Südfinder IMMO
Südfinder TICKET
Südfinder HANDWERK
bodensee
Lakeparty
Regio-TV
inserieren
abo
e-paper
Schwäbisch.Media

Stadtnachrichten Bad Waldsee

Bethas Geburtshaus stand da, wo jetzt der Bagger steht

Stadtarchivar Michael Barczyk: Die Gute Beth kam nicht im abgerissene Haus an der Stadtmauer zur Welt
Michael Barczyk deutet auf das Gebäudeensemble an der Stadtmauer. Zwischen den Gebäuden verläuft der kurze Wehrgangs-Abschnitt.
Michael Barczyk deutet auf das Gebäudeensemble an der Stadtmauer. Zwischen den Gebäuden verläuft der kurze Wehrgangs-Abschnitt. (Foto: Nicolai Kapitz)

Von Nicolai Kapitz

Bad Waldsee Am Gut-Betha-Platz vollzieht sich derzeit der Teilabriss des Areals um die ehemalige Ströbel-Bäckerei. In Absprache mit dem Denkmalamt sollen die Gebäude abgerissen und ein Neubau erstellt werden. Der integrierte Teilabschnitt der Stadtmauer soll erhalten bleiben. Um den Abriss hatte es in der Vergangenheit Diskussionen gegeben. Vor allem, weil das sensible und historisch interessante Gebäudeensemble als Geburtsort von Elisabeth Achler, der „Guten Beth“, gilt.

Der Bagger greift dieser Tage beherzt zu an der Ecke zur Bleichestraße. „Es hält sich in Bad Waldsee hartnäckig das Gerücht, dass das abgerissene Gebäude das Geburtshaus der ‚Guten Beth‘ sei. Das ist Mumpitz“, erklärt Stadtarchivar Michael Barczyk. Der Archivar weiß, dass das Geburtshaus der Elisabeth schon lange nicht mehr steht. „Schon 1625 wurde auf den Grundmauern des Hauses eine Kapelle zu Ehren der ‚Guten Beth‘ errichtet“, sagt Michael Barczyk. Damals sei ein erster Anlauf zur Seligsprechung der Elisabeth unternommen und deshalb ein Gotteshaus gebaut worden.

„Diese Kapelle und damit das Geburtshaus standen genau da, wo jetzt der Bagger steht“, sagt Michael Barczyk. Auf einem Gemälde von 1724 ist das Ensemble mit Kapelle am rechten Bildrand gut zu erkennen. Zum Areal gehörten damals noch der Pulverturm im äußeren Mauerring, das Biberacher Tor und das Burgtor. 1788 wurde die Kapelle abgerissen, Biberacher Tor und Pulverturm fielen um 1833 der Stadtexpansion zum Opfer.

Dort wo die Guth-Beth-Kapelle stand ist nun ein Parkplatz, auf dem aktuell der Bagger rumort. Michael Barczyk erinnert sich, dass der Parkplatz vor ein paar Jahren neu gepflastert wurde. Seinerzeit kamen die Grundmauern der Kapelle und damit des Geburtshauses zum Vorschein. Barczyks Vorschlag, den Grundriss durch farbige Pflastersteine für die Nachwelt im Gedächtnis zu bewahren, wurde damals nicht verwirklicht. „Das hat mich sehr geärgert“, erinnert er sich. „Auch daran liegt es, dass die Kapelle aus dem Gedächtnis der Waldseer verschwunden ist und jetzt viele glauben, das Nachbarhaus sei das Geburtshaus“.

Wehgang kommt weg

Auf dem Areal finden sich aber noch weitere Spuren, bei deren Betrachtung der Abriss zumindest Wehmut hervorruft. Auf der südwestlichen Seite werden die Gebäude von der ehemaligen inneren Stadtmauer begrenzt. Diese steht unter Denkmalschutz und muss in ihrer Form bewahrt werden und in den Neubau integriert werden. Auf der Stadtmauer entlang führte traditionell der so genannten Wehrgang. Dieser wurde im Bedrohungsfall bemannt und war eins der wichtigsten Verteidigungsmittel der Stadt.

Archivar Barczyk weiß: Ein mehrere Meter langes Teilstück des Wehrgangs findet sich noch zwischen den beiden im Abriss begriffenen Gebäuden. Im südlichen Gebäudeteil war der Wehrgang sogar in das Gebäude integriert. „Aber weil der Wehrgang oder Umlauf auf der Stadtmauer lag, glaube ich nicht, dass er auch denkmalgeschützt ist und daher auch weggerissen wird“, sagt Michael Barczyk. Peter Natterer, Leiter des städtischen Baurechtsamts, bestätigt das: „Da der Wehrgang so klein ist, hat die Fachdenkmalpflege dem Abbruch zugestimmt.“ Stehen bleibe aber die Stadtmauer, die von zwei Seiten zu sehen ist: von der Bleichestraße aus mit dem Rücken zur Hofgartenklinik und ein Stückchen weiter um die Kurve ebenfalls.

Zumindest die Mauer samt Wehrgang stammt laut Stadtarchivar aus dem frühen 15. Jahrhundert. Die Wohngebäude dagegen seien eher später dazugekommen. Auf dem Bild von 1724 jedenfalls ist das westliche der beiden Randgebäude noch nicht zu sehen. „Aus kunsthistorischer Sicht finde ich, dass mit dem Areal nicht sensibel umgegangen wird“, sagt Stadtarchivar Michael Barczyk. Damit ein Investor sich dem Ensemble widmet, müsse man allerdings logischerweise Zugeständnisse machen.

Die „Gute Beth“

Der Kirchenführer zur „Pfarr und Wallfahrtskirche Reute“ erzählt folgende Geschichte: Elisabeth Achler, bekannt als „Gute Beth“, wurde 1386 im Achlerhaus geboren. Sie wohnte ab 1403 im damals neuen Kloster Reute, das sie mitbegründete. Unmittelbar nach Elisabeths Tod verfasste der Chorherr Konrad Kügelin vom Franziskanerkloster St. Peter eine lateinische Vita, die in der Folgezeit in mehreren Fassungen verbreitet wurde. Aus den Aufzeichnungen geht folgendes hervor: Ab 1405 gab es Anzeichen dafür, dass der Heilige Geist ihr „inspreche“, von 1408 bis zu ihrem Tod 1420 lebte sie der Legende nach ohne leibliche Nahrung. Ebenso hätten sich die Wundmale Christi auf ihrem Körper gezeigt. Beerdigt wurde Elisabeth in einem Hochgrab im Kirchlein zu Reute, das in der Folge Ziel vieler Wallfahrten wurde. 1623 wurde Elisabeth exhumiert, seit 1625 gab es Versuche zur Seligsprechung, die erst 1766 Erfolg hatten. Sichtbare Spuren der „Guten Beth“ zeigen sich in der Kirche in Reute sowie in Bad Waldsee am „Gut-Betha-Platz“ mit dem dazugehörigen Brunnen. Ebenso tragen Institutionen wie Kindergärten und Sozialstationen ihren Namen.

(Erschienen: 03.02.2012 16:40)

- Anzeige -
Artikelfunktionen
drucken
Bewertungen
3.7
3,7 (6 Stimmen)
Das könnte Sie auch interessieren
- Anzeige -
Festliches
Trauer
FESTLICHES





Das Wetter in Bad Waldsee
WEBCAM: Blick auf den Rathausplatz in Bad Waldsee
Webcam
Vormittags
16 °
Nachmittags
21 °
Abends
18 °
Nachts
7 °
- Anzeige -
Storchen Webcam
Mit freundlicher Unterstützung von www.stoerche-bw.de
Webcam
- Anzeige -
Facebook
Alle Facebook-Seiten von Schwäbische.de finden Sie hier


- Anzeige -