Stadtnachrichten Bad Waldsee
BDM-Chef: „Oberschwaben ist ohne funktionierenden Milchmarkt nicht denkbar“

Neben vielen Landwirten waren auch der Bundesvorsitzende des BDM, Romuald Schaber, und die beiden Bundestagsabgeordneten Martin Gerster (SPD) und Agnieszka Malczak (Grüne) anwesend. Georg Wallner, Landkreis- und Landesvorsitzender des BDM eröffnete den Abend mit einem Rückblick auf das vergangene Jahr 2009 – dieses war geprägt von europaweiten Demonstrationen von Milchbauern, die gegen die viel zu niedrigen Milchpreise protestiert haben. „Die Demonstrationen waren (in Deutschland) gut besucht und auch erfolgreich“, so Wallner. Mit einem besonderen Applaus wurden die Milchbäuerinnen geehrt, die im Mai letzten Jahres das Bundeskanzleramt besetzt hatten.
Das Tief in der Milchpreispolitik sei jedoch noch lange nicht erreicht, mahnt der Landwirt. Deutschland müsse seine Milchpolitik ganz schnell ändern. „Sonst melken die Deutschen den ganzen europäischen Markt kaputt.“ Auf diese nicht besonders rosige Ansprache folgte die Wahl der Kreis- und Stellvertreter. Jeweils 22 und 23 Kandidaten stellten sich zur Wahl und wurden alle mit großer Mehrheit gewählt.
Darauf übergab Wallner das Mikrofon an Martin Gerster, Bundestagsabgeordneter der SPD. „Die Milchbauern verbindet etwas mit der SPD – Wir sind beide nicht gut weggekommen im Jahr 2009. Ich hoffe, dass es den Milchbauern bald wieder besser geht, die Bundesregierung tut schließlich auch alles, damit die SPD wieder auf die Beine kommt“, scherzt Gerster.
Auch Agnieszka Malczak, Bundestagsabgeordnete der Grünen, sympathisierte mit den Milchbauern. „Ich will mich auch nach dem Wahlkampf mit den Problemen der Milchbauern beschäftigen“ hob sie hervor. Malczak lobte mit dem „BDM Young“ vor allem die Jugendarbeit des BDM.
Schließlich kam der Hauptredner, der Bundesvorsitzende des BDM, Romuald Schaber zu Wort. Der BDM blicke auf ein „furioses Jahr 2009“ zurück. Auch Schaber lobte die Demonstrationen und die Geduld der Milchbauern. „Oberschwaben und das Allgäu sind ohne einen funktionierenden Milchmarkt nicht denkbar“, meint Schaber.
Besonders auf EU-Ebene waren die Proteste erfolgreich: „Die EU-Milchpolitik bewegt sich endlich zugunsten der Milchbauern und das gegen den Willen der EU-Kommission – das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.“
Auch wurde, unter anderem auf Druck der Milchbauern, das Amt des Agrarkommissars (mit dem Rumänen Dacian Ciolos als ersten Amtsinhaber) in Brüssel geschaffen.
„Wir sollten jedoch nicht glauben, dass wir eine Milchpolitik gegen die Interessen der Gesellschaft führen könnten“, so Schaber. Deshalb arbeitet man mit anderen Verbänden und Vereinen zusammen, wie zum Beispiel mit der Umweltschutzorganisation BUND.
Doch während man in Europa erfolgreich war, „hat auf nationaler Ebene vieles nicht geklappt.“
Schaber: „Wir haben unser Hauptziel, nämlich Kosten deckende Milchpreise durchzusetzen, noch immer nicht erreicht.“ Schuld daran sei vor allem die Marktliberalisierung, die die Existenz der Milchbauern bedrohe. Zitierte wurde ein Bericht des Bundesrechnungshofs, aus dem hervorgeht, dass die Verbraucherpreise letztes Jahr zwar gesunken, die Erzeugerpreise jedoch gestiegen sind. „Ich bin gespannt, wie wir das Jahr 2010 überstehen sollen.“
Doch es gab auch Lichtblicke an diesem Abend, dafür sorgte Norbert Niedermayer, der die Initiative „Faire Milch“ vorstellte.
Unter dem Markennamen „Faire Milch“ wird Milch vertrieben, bei der Milchbauer einen Kostendeckenden Milchpreis (40 Cent) erhält.
Niedermayer: „Die Initiative „Faire Milch ist allumfassend fair: Fair zum Erzeuger, der einen fairen Milchpreis erhält, fair zur Umwelt, da sie frei von Gentechnik ist und fair zum Verbraucher, da er ein sehr gesundes Produkt kauft, dass reich an wertvollen Omega-3-Fettsäuren ist und keinen Spekulationspreis bezahlen muss.“
Obwohl die „Faire Milch“ noch nicht lange auf dem Markt ist und bis jetzt auch nur als H-Milch erhältlich ist, kommt sie bei den Verbrauchern sehr gut an: „Wir kommen mit dem liefern kaum nach“, erzählt Niedermayer. „Die „Faire Milch“ ist der beste Weg aus der Misere“, fügt er hinzu.
Bleibt zu hoffen, dass so viel Eigeninitiative bei den Milchbauern Schule macht, denn von politischer Seite ist keine Lösung in Sicht.
(Erschienen: 08.02.2010 09:20)

Neben vielen Landwirten waren auch der Bundesvorsitzende des BDM, Romuald Schaber, und die beiden Bundestagsabgeordneten Martin Gerster (SPD) und Agnieszka Malczak (Grüne) anwesend. Georg Wallner, Landkreis- und Landesvorsitzender des BDM eröffnete den Abend mit einem Rückblick auf das vergangene Jahr 2009 – dieses war geprägt von europaweiten Demonstrationen von Milchbauern, die gegen die viel zu niedrigen Milchpreise protestiert haben. „Die Demonstrationen waren (in Deutschland) gut besucht und auch erfolgreich“, so Wallner. Mit einem besonderen Applaus wurden die Milchbäuerinnen geehrt, die im Mai letzten Jahres das Bundeskanzleramt besetzt hatten.
Das Tief in der Milchpreispolitik sei jedoch noch lange nicht erreicht, mahnt der Landwirt. Deutschland müsse seine Milchpolitik ganz schnell ändern. „Sonst melken die Deutschen den ganzen europäischen Markt kaputt.“ Auf diese nicht besonders rosige Ansprache folgte die Wahl der Kreis- und Stellvertreter. Jeweils 22 und 23 Kandidaten stellten sich zur Wahl und wurden alle mit großer Mehrheit gewählt.
Darauf übergab Wallner das Mikrofon an Martin Gerster, Bundestagsabgeordneter der SPD. „Die Milchbauern verbindet etwas mit der SPD – Wir sind beide nicht gut weggekommen im Jahr 2009. Ich hoffe, dass es den Milchbauern bald wieder besser geht, die Bundesregierung tut schließlich auch alles, damit die SPD wieder auf die Beine kommt“, scherzt Gerster.
Auch Agnieszka Malczak, Bundestagsabgeordnete der Grünen, sympathisierte mit den Milchbauern. „Ich will mich auch nach dem Wahlkampf mit den Problemen der Milchbauern beschäftigen“ hob sie hervor. Malczak lobte mit dem „BDM Young“ vor allem die Jugendarbeit des BDM.
Schließlich kam der Hauptredner, der Bundesvorsitzende des BDM, Romuald Schaber zu Wort. Der BDM blicke auf ein „furioses Jahr 2009“ zurück. Auch Schaber lobte die Demonstrationen und die Geduld der Milchbauern. „Oberschwaben und das Allgäu sind ohne einen funktionierenden Milchmarkt nicht denkbar“, meint Schaber.
Besonders auf EU-Ebene waren die Proteste erfolgreich: „Die EU-Milchpolitik bewegt sich endlich zugunsten der Milchbauern und das gegen den Willen der EU-Kommission – das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.“
Auch wurde, unter anderem auf Druck der Milchbauern, das Amt des Agrarkommissars (mit dem Rumänen Dacian Ciolos als ersten Amtsinhaber) in Brüssel geschaffen.
„Wir sollten jedoch nicht glauben, dass wir eine Milchpolitik gegen die Interessen der Gesellschaft führen könnten“, so Schaber. Deshalb arbeitet man mit anderen Verbänden und Vereinen zusammen, wie zum Beispiel mit der Umweltschutzorganisation BUND.
Doch während man in Europa erfolgreich war, „hat auf nationaler Ebene vieles nicht geklappt.“
Schaber: „Wir haben unser Hauptziel, nämlich Kosten deckende Milchpreise durchzusetzen, noch immer nicht erreicht.“ Schuld daran sei vor allem die Marktliberalisierung, die die Existenz der Milchbauern bedrohe. Zitierte wurde ein Bericht des Bundesrechnungshofs, aus dem hervorgeht, dass die Verbraucherpreise letztes Jahr zwar gesunken, die Erzeugerpreise jedoch gestiegen sind. „Ich bin gespannt, wie wir das Jahr 2010 überstehen sollen.“
Doch es gab auch Lichtblicke an diesem Abend, dafür sorgte Norbert Niedermayer, der die Initiative „Faire Milch“ vorstellte.
Unter dem Markennamen „Faire Milch“ wird Milch vertrieben, bei der Milchbauer einen Kostendeckenden Milchpreis (40 Cent) erhält.
Niedermayer: „Die Initiative „Faire Milch ist allumfassend fair: Fair zum Erzeuger, der einen fairen Milchpreis erhält, fair zur Umwelt, da sie frei von Gentechnik ist und fair zum Verbraucher, da er ein sehr gesundes Produkt kauft, dass reich an wertvollen Omega-3-Fettsäuren ist und keinen Spekulationspreis bezahlen muss.“
Obwohl die „Faire Milch“ noch nicht lange auf dem Markt ist und bis jetzt auch nur als H-Milch erhältlich ist, kommt sie bei den Verbrauchern sehr gut an: „Wir kommen mit dem liefern kaum nach“, erzählt Niedermayer. „Die „Faire Milch“ ist der beste Weg aus der Misere“, fügt er hinzu.
Bleibt zu hoffen, dass so viel Eigeninitiative bei den Milchbauern Schule macht, denn von politischer Seite ist keine Lösung in Sicht.
(Erschienen: 08.02.2010 09:20)

































