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Stadtnachrichten Bad Waldsee

"150 Euro Betreuungsgeld sind ein reines Nasenwasser"

SZ-Interview mit CDU-Stadtrat Wolfgang Pfefferle zur Kindertagesstätte im Waldseer Schulzentrum
Wolfgang Pfefferle: „Unsere Gesellschaft muss doch auch endlich den Wert wieder neu definieren, den Kinder für uns alle darstellen.“
Wolfgang Pfefferle: „Unsere Gesellschaft muss doch auch endlich den Wert wieder neu definieren, den Kinder für uns alle darstellen.“ (Foto: privat)

Bad Waldsee / sz Auf dem Döchtbühl nimmt im Herbst 2014 eine Kindertagesstätte zur Betreuung von Kleinkindern ihren Betrieb auf (SZ berichtete). Stadtrat Wolfgang Pfefferle (CDU) machte im Gemeinderat jedoch keinen Hehl aus seiner ablehnenden Haltung gegenüber diesem Projekt. Der Kommunalpolitiker ist der Ansicht, dass Kleinkinder in der Familie besser aufgehoben sind als in solchen „Kitas“. SZ-Redakteurin Sabine Ziegler sprach mit dem Familienvater darüber.

SZ: Herr Pfefferle, Sie votierten gegen die „Kita“ und wandten sich im Rat gegen eine „außerfamiliäre Totalbetreuung“. Haben Sie bewusst so scharf formuliert?

Pfefferle: Diese Formulierung stammt nicht aus meinem Mund, sondern aus einem Beitrag der „Würzburger Tagespost“ zu diesem Thema. Aber ich stehe voll und ganz dazu!

SZ: Eine „heile Welt“ in Sachen Familie gibt’s aber doch auch in Bad Waldsee nicht mehr mit Blick auf die Scheidungsquote?

Pfefferle: Da muss ich Ihnen leider zustimmen. Wir entwickeln uns bedauerlicherweise immer mehr hin zu Individualisten - weg von der Familie und von christlichen Werten wie Treue, Barmherzigkeit und Demut, wie sie in der Bibel zu finden sind. Aber ich heiße das nicht gut und gebe mich diesem „Trend“ nicht willenlos hin. Auch wenn ich damit einer Minderheit angehöre und vielleicht als „Tagträumer“ angesehen werde.

SZ: Die Familie steht für Sie also über allem?

Pfefferle: Ja, weil wir sie brauchen. Sie ist die Keimzelle einer jeder Gesellschaft. Durch die aktuelle Familienpolitik der Bundesregierung werden Familien jedoch geschwächt und dies halte ich gesellschaftspolitisch gesehen für falsch. Wir können Familienfreundlichkeit doch nicht alleine über neue „Kita“-Angebote definieren. Und deshalb erhebe ich meine Stimme!

SZ: Die meisten Eltern können es sich heute aber finanziell gar nicht mehr leisten, dass einer daheim bleibt und die Kinder betreut. Trägt die Kommune da nicht Verantwortung im Hinblick auf Chancengleichheit?

Pfefferle: In diesem Punkt treffen Sie mich direkt! Ich weiß, dass viele Eltern Schwierigkeiten haben, den Lebensunterhalt für ihre Familie sicherzustellen. Trotzdem plädiere ich anstelle eines flächendeckenden Ausbaus von Kindertagesstätten für eine Wahlfreiheit der Familien zwischen staatlicher Betreuung und einem „Kindergrundeinkommen“. Dies wäre eine politische Lösung, wie wir das aus skandinavischen Ländern kennen. Dadurch würde es im Ermessen der Eltern liegen, ob sie ihre Kinder daheim betreuen oder außer Haus geben. Und mir geht es in dieser Diskussion auch nur um Kleinkinder zwischen O bzw. ein und drei Jahren und nicht um das Kindergartenalter.

SZ: Dann wäre aus Ihrer Sicht das viel diskutierte „Betreuungsgeld“ also die politisch bessere Lösung als der vom Bund geforderte Ausbau von „Kitas“?

Pfefferle: Ja, aber nicht in der geringen Höhe, wie es in der Diskussion ist. Mir gefällt auch der Begriff „Betreuungsgeld“ nicht sonderlich. Ich denke, „Kindergrundeinkommen“ ging in die richtigere Richtung. Diese geplanten 150 Euro sind doch ein reines „Nasenwasser“ und damit wäre den meisten Familien finanziell nicht geholfen.

SZ: Und wer soll das bezahlen?

Pfefferle: Wenn wir die vielen Millionen von Euro betrachten, die bundesweit für den Bau und die Folgekosten dieser neuen „Kitas“ ausgegeben werden, dann sollte man dieses Geld lieber anlegen und damit die Familien direkt besser ausstatten. Unsere Gesellschaft muss endlich den Wert wieder neu definieren, den Kinder für uns alle darstellen. Dann werden sich mehr Eltern für Nachwuchs entscheiden. Es ist aus meiner Sicht jedenfalls nicht Aufgabe des Staates, Kleinkinder zu betreuen. Die negative Seite einer solch staatlichen, ideologisch motivierten „Daseinsvorsorge“ kennen wir inzwischen ja alle aus der ehemaligen DDR.

SZ: Es gibt aber immer mehr sehr gut qualifizierte Frauen, die „Ja“ zum Kind sagen, aber im Job bleiben möchten?

Pfefferle: Das ist einerseits ja richtig. Aber diese „Krippenoffensive“ wird vor allem von Wirtschaftsverbänden gefordert, denen es um reines Profitdenken geht. Hier sind aber auch die Unternehmen gefordert, intelligente Lösungen zu finden, damit ihre Mitarbeiter Familie und Beruf besser vereinbaren können. Bei Omnibus Müller kehren die Mütter seit Jahren wieder zurück an ihre Arbeitsplätze im gewünschten zeitlichen Umfang. Für den Arbeitgeber sind solche Arbeitszeitmodelle zwar schwieriger zu koordinieren, aber es funktioniert!

(Erschienen: 18.05.2012 10:35)

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