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Stadtnachrichten Bad Waldsee

„Sonst schläft die Verwaltung ein“

Ausgezeichnet für die Storchenliebe: Hans Daiber (rechts), Storchenvater und GAL-Stadtrat, hat am Sonntag von Wolfgang Pfefferle, stellvertretender Bürgermeister, seine Ehrenamtsmedaille der Stadt Bad Waldsee erhalten.
Ausgezeichnet für die Storchenliebe: Hans Daiber (rechts), Storchenvater und GAL-Stadtrat, hat am Sonntag von Wolfgang Pfefferle, stellvertretender Bürgermeister, seine Ehrenamtsmedaille der Stadt Bad Waldsee erhalten.

Bad Waldsee / sz Er ist Nummer 37 und doch ein Unikat: Hans Daiber, Storchenvater und GAL-Stadtrat in Bad Waldsee. Daiber hat nach 36 anderen Ehrenamtlichen am Sonntag die Ehrenamtsmedaille der Stadt Bad Waldsee erhalten. Damit zeichnet die Stadt einen der schärfsten Kritiker der Verwaltung aus. Den Querkopf freuts.

Von unserer Redakteurin  Stefanie Järkel

Einmal wenigstens wollte er höflich sein. Die Ehrenamtsmedaille der Stadt Bad Waldsee wollte er nicht ablehnen. Die Flasche Wein für seine zehn Jahre Tätigkeit als Stadtrat hat er der Verwaltung im November wieder zurückgegeben. „Wenn man sonst so schlecht miteinander auskommt, dann sollte man nicht so tun, als ob alles toll wäre“, sagt der 58-Jährige. Die Medaille als Auszeichnung für seine Storchenpflege hat er dagegen behalten. Schadenfreude? „Ich? Nein, aber den BUND hats gefreut“, sagt Daiber und lächelt. Andere Umweltschützer seien nicht ausgezeichnet worden. Der BUND, Ortsgruppe Bad Waldsee, hatte Daiber wegen seiner Bemühungen um die Weißstörche vorgeschlagen. Die Verwaltung hat den Antrag geprüft. Der Verwaltungsausschuss hat alle Auszeichnungen im Dezember beschlossen.

Bürgermeister Roland Weinschenk und Hans Daiber sind immer wieder unterschiedlicher Meinung gewesen – so auch Anfang des Jahres, als sich Daiber auf seiner Storchenhomepage, www.stoerche-bw.de, über Themen aus nicht-öffentlicher Sitzung äußerte. Weinschenk schickte dem Stadtrat prompt einen Brief. Daiber sprach von „Zensur“. Über seine ganz eigene Art sagt Daiber: „Das brauchts auch in Bad Waldsee – sonst schläft die Verwaltung ein.“ Der Gemeinderat habe elf Wochen Sommerpause. „Da könnten wir uns einen neuen Bürgermeister zulegen.“ Weinschenk sagt über Daiber: „Er sieht sich manchmal als Kämpfer gegen bestimmte Dinge.“ Die Stadt prüfe die Ehrungen „ohne Ansehen der Person“.

Ursprünglich für die CDU im Gemeinderat, wechselte Daiber 2004 zur GAL. Zum Abschied für den scheidenden Bürgermeister Rudolf Forcher (CDU) wollte er keine 20 Euro spenden, außerdem „waren 20 000 Euro für den Naturschutz nicht finanzierbar – 190 000 Euro Mehrkosten beim Personal des Hauptamtes aber kein Problem“. Also wechselte er die Fraktion.

Seine Liebe zu den Störchen entdeckte der Vater von zwei Söhnen bereits vor seinem kommunalpolitischen Engagement: 1989 musste das Nest der Störche auf dem Dach des Gemeindehauses verschönert werden: Der Bischof kam zu Besuch. „Da habe ich das erste Nest gebaut“, sagt Daiber. „Das war schon kitzlig, weil die Störche das Nest auch hätten ablehnen können.“ Seither kümmert sich der Schreinermeister um die Weißstörche in Bad Waldsee. Von seinem Garten aus kann er den neuen Nistplatz auf dem Schornstein der Brauerei Steinach sehen. Seit 1999 nisten dort die Störche Waldsees.

Den schlimmsten Moment in seiner Storchenkarriere erlebte Daiber 2008, als Storch Willy an einem Leberschaden und den Folgen eines Flugunfalles starb. Daiber rettete Willys Küken und schob sie Störchen in Salem unter. „Mindestens drei sind im folgenden August in Richtung Afrika geflogen“, sagt Daiber zufrieden.

In diesem Jahr kann Daiber nun erneut das schwule Storchenpaar Sigi und Roy beim Landen und Starten beobachten – dank seiner Webcam auch vom Schreibtisch aus. 2000 hat Daiber seine Internetseite eingerichtet, 2006 hat er die Spende für eine Webcam organisiert. Seither pflegt er täglich eine Stunde sein Internetangebot. Durch die Webcam haben Daiber und seine Störche auch einen Fanclub gewonnen. Der Club mit Mitgliedern unter anderem in Kanada, Frankreich und Südamerika hat sich am Sonntag bei Daiber am 180 Jahre alten Familienhaus getroffen. Das war für Daiber auch der passende Anlass für die Übergabe der Ehrenamtsmedaille.

Im Frühjahr und im Herbst übernimmt Daiber die Nestpflege für seine Störche. Dafür muss er die Feuerwehrleiter bei der Stadt beantragen, was er „lächerlich“ findet. Doch anders kommt er nur schwer auf den 26 Meter hohen Turm. Sonst muss er sich um seine Störche nicht besonders kümmern. Nachwuchs gibt es derzeit keinen. Dafür geht es für ihn nach dem Zeitungsinterview gleich weiter mit dem nächsten Journalisten: das überregionale Fernsehen wartet. Der Storchenvater sagt stolz: „Schwule Störche hat eben nicht jeder.“

(Erschienen: 25.05.2010 20:30)

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