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Stadtnachrichten Bad Waldsee

„Grün denken, Schwarz wählen war gestern“

Bad Waldsee / sz Bernd Zander aus Mittelurbach ist zum grünen Landtagskandidaten im Wahlkreis 68 (Wangen) nominiert worden (SZ berichtete), zu dem neben Bad Waldsee neuerdings auch Aulendorf gehört. Damit tritt der 59-Jährige bei der Landtagswahl am 27. März gegen CDU-Platzhirsch Paul Locherer an. SZ-Redakteurin Sabine Ziegler sprach mit dem Ergotherapeuten über seine Motive.

SZ: Herr Zander, Ihre Kandidatur für einen Sitz im Landtag kommt etwas überraschend. Hatten Sie keine andere Idee für Ihren anstehenden Ruhestand?

Zander: Ich sage es mit Herbert Grönemeyer: ‘Jetzt oder nie!‘ Ab 1. November tauschen meine Frau und ich die Rollen, ich bin daheim für Haushalt und Familie zuständig und sie wird voll berufstätig sein. Dann habe ich mehr Luft als bislang für die politische Arbeit, bleibe durch die Kinder dabei aber ‘geerdet’, was im politischen Alltagsgeschäft gewiss nicht von Nachteil ist.

SZ: Für den Waldseer Gemeinderat konnten Sie nie kandidieren, weil die Rehakliniken der Stadt Ihr Arbeitgeber sind. Daher nun also die Landespolitik?

Zander: Ja, da ist was dran! Dass man als städtischer Mitarbeiter nicht für das Kommunalparlament gewählt werden kann, war herb für mich. Im Gemeinderat immer nur mit dickem Hals auf der Zuschauerbank Platz nehmen zu dürfen oder sich in der Lokalzeitung mit Leserbriefen zu Wort melden können, ohne eingreifen zu können, ist mir auf Dauer einfach zu unbefriedigend. Ich möchte gestalten. Und nachdem nun Landtagswahlen anstehen, greife ich zu!

SZ: Dann ist die Kommunalpolitik also weiter ein Thema für Sie?

Zander: Mit Sicherheit.

SZ: Wofür stehen Sie als „Grüner im Land“ und wo setzen Sie im Wahlkampf Ihre Schwerpunkte?

Zander: Bei Bürgerbeteiligung, Bürgerrechten und bei der Bildung. Ich versuche mit kreativem Querdenken die Anliegen der Bürger vor Ort mit denen der Landespolitik zu verknüpfen. Denken wir etwa an die Rehakliniken am Ort, wo man im Bereich der Anreise mit umweltverträglichen Verkehrsmitteln längst hätte eine Duftmarke setzen können. Wichtig für mich sind auch die Bereiche Energie und Umwelt, außerdem werde ich mich dafür einsetzen, dass die Landwirtschaft gesellschaftlich besser eingebunden wird. Warum sollten die örtlichen Betriebe nicht die Schulen mit Milch beliefern dürfen? Und bei all dem möchte ich auch das Lachen nicht verlernen - trotz all des Irrsinns, der jeden Tag auf dieser Welt geschieht.

SZ: Welche Chancen rechnen Sie sich angesichts der schwarzen Dominanz aus für Sitz und Stimme bei den Grünen im Landtag?

Zander: Lassen wir uns überraschen! Ich stehe für starke Grüne im Landtag. Gesellschaftlich ist man hier im Land doch längst viel grüner als sich das im Parlament widerspiegelt. Grün denken, aber Schwarz wählen, das war gestern. Ich kandidiere für den Wechsel. Und ‘Schwarz‘ hat Opposition und innere Einkehr verdient.

Infohinweis:

Der fünffache Familienvater Bernd Zander ist seit 13 Jahren bei den städtischen Rehakliniken Bad Waldsee als Ergotherapeut beschäftigt und tritt am 1. November seinen Ruhestand an. Zander engagiert sich seit Jahren im Personalrat der Kliniken und ist Vorsitzender des Ortsvereins Bündnis 90/Die Grünen.

(Erschienen: 03.08.2010 21:15)

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