Stadtnachrichten Aulendorf
Ein junger Schulseelsorger und seine „SMS an Gott“

Von unserem Mitarbeiter Uli Coelius
Zur Schulzeit immer wieder freitags geht diese SMS an Gott – in Form einer kurzen Pausenandacht, abgehalten in der Aula der Aulendorfer Haupt- und Realschule. Stets mittendrin im, wenn man so will, segensreichen Getümmel: der junge evangelische Pfarrer z. A. (zur Anstellung) Johannes Unz. Mit kleinen Plakaten, angebracht an den Pfeilern in der Aula, macht der umtriebige Erfinder dieser SMS auf sein Wirken wie folgt aufmerksam: „SMS an Gott – Ich bin ganz Ohr. Feiern, Singen, Beten, Lachen. Immer freitags, große Pause. Treffpunkt in der Aula. Glg Gott.“
Das mit dem „Lachen“ blieb am vergangenen Freitag freilich außen vor in der Aula, wo Johannes Unz zur Fasnetszeit auch schon mal im Clownkostüm predigte. Aus gutem Grund: Auch in Aulendorf wurde dem Jahrestag des Amoklaufes von Winnenden gedacht. Still, ganz still, ist es geworden für einige Augenblicke vor dem schlichten Holzkreuz in der Aula.
Konfession spielt keine Rolle
Und wenn die Angst trotz allem nicht weichen will, dass Winnenden womöglich auch in Aulendorf passieren könnte, dann ist Pfarrer Unz schon zur Stelle. Nicht von ungefähr steht auf eigens für die Schulseelsorge in schlichter Aufmachung kreierten Visitenkarten: „Unz hört zu.“
Die Konfession spielt dabei keine Rolle, schon eher das gesetzlich geschützte Seelsorgegeheimnis. „Bei mir kann man über alles reden, ohne dass es jemand erfährt“, garantiert der 33-Jährige. Und wünscht sich, dass auch die Eltern sein Angebot verstärkt wahrnehmen. Angenommen, aber noch längst nicht angekommen, fühlt sich der junge, um neue Ideen nie verlegene Pfarrer in seiner Arbeit, in der er sich in und außerhalb der Schule nach eigenem Bekunden bestens mit Schulsozialarbeiter Jonathan Schütz, der katholischen Schulpastoral Angela Hirthammer und Betreuungslehrerin Imme Leiding versteht. Beispielsweise ist Unz regelmäßiger Gast in Jonathan Schütz‘ offenem Jugendtreff, wo er frühmorgens hinter der Theke steht.
Dass es Überschneidungen gibt, verhehlt der junge Pfarrer erst gar nicht, verzieht das Gesicht unter einer blitzblanken Glatze zu einem breiten Grinsen und fügt hinzu: „Ich bin halt eine Nischenerscheinung.“ Die er allerdings auszufüllen versteht nach Lesart von Schulleiter Albrecht Binder: „Johannes Unz ist eine Bereicherung für uns, ein wichtiger Baustein, der mit viel Dampf sein Ding macht.“
Sozialer Brennpunkt Aulendorf
Sein Ding macht mit (oder trotz) einer auf drei Jahre befristeten 75-Prozent-Stelle, zu Beginn des Vorjahres vom Aulendorfer Kirchengemeinderat befürwortet und abgesegnet (die SZ berichtete). 50 Prozent davon sind dem Dienst in der Schule, Religionsunterricht inklusive, gewidmet, 25 Prozent dem Dienst in den beiden Aulendorfer Kliniken. Dazu kommt noch die „normale“ Unterstützung von Gemeindepfarrer Gebhard Gauss. Und einen Krabbelgottesdienst (Mini-Kirche) will Unz, Vater einer eineinhalbjährigen Tocher, ins Leben rufen.
Das Projekt Schulseelsorge wurde als erstes seiner Art von der evangelischen Landeskirche ins Leben gerufen. Und warum Aulendorf? „Es wurde uns zugestanden, weil Aulendorf sozialer Brennpunkt ist“, hatte Pfarrer Gauss vor einem Jahr gegenüber der SZ dazu erklärt.
Sozialer Brennpunkt? „Es gibt für meinen Geschmack noch zu viele Jugendliche, vor allem mit Migrationshintergrund, die orientierungslos durchs Leben gehen und dann zum Alkohol greifen. Die meisten Kinder und Jugendlichen aber sind durch gute Angebote in den Schulen und in den Vereinen bestens aufgehoben“, findet Johannes Unz.
Und wie findet Herr Pfarrer – von der rauen Alb heruntergekommen nach Oberschwaben – Aulendorf, wenn die Arbeit mal Pause macht? Die Schwabentherme hat es ihm angetan. „Und wir lieben die Landschaft, radeln und wandern gerne.“ Auf Wanderschaft muss er dann in zwei Jahren von Berufs wegen wieder gehen. Und dann? „Vieles ist denkbar. Eine eigene Pfarrei wäre schön, vielleicht ins Ausland. Doch erstmal will ich hier noch viel bewegen, in meine Arbeit hineinwachsen und Entwicklungsarbeit für mich selbst leisten. Ich bin ja noch jung.“ Und sollte er zwischendurch mal alt aussehen – eine „SMS an Gott“ hilft ganz bestimmt, einem Seelsorger sowieso.
„SMS an Gott“ heißt die von Schulseelsorger Johannes Unz kreierte Kurzandacht in der Aula der Aulendorfer Haupt- und Realschule. Am vergangenen Freitag wurde auch dort dem Jahrestag des Amoklaufes von Winnenden gedacht. Schülerinnen und Schüler der neunten und zehnten Klasse hatten sich dazu ihre Gedanken gemacht, die Pfarrer Unz auf aus Papier gefertigte Fußstapfen schrieb und vortrug.
(Erschienen: 14.03.2010 15:25)

Von unserem Mitarbeiter Uli Coelius
Zur Schulzeit immer wieder freitags geht diese SMS an Gott – in Form einer kurzen Pausenandacht, abgehalten in der Aula der Aulendorfer Haupt- und Realschule. Stets mittendrin im, wenn man so will, segensreichen Getümmel: der junge evangelische Pfarrer z. A. (zur Anstellung) Johannes Unz. Mit kleinen Plakaten, angebracht an den Pfeilern in der Aula, macht der umtriebige Erfinder dieser SMS auf sein Wirken wie folgt aufmerksam: „SMS an Gott – Ich bin ganz Ohr. Feiern, Singen, Beten, Lachen. Immer freitags, große Pause. Treffpunkt in der Aula. Glg Gott.“
Das mit dem „Lachen“ blieb am vergangenen Freitag freilich außen vor in der Aula, wo Johannes Unz zur Fasnetszeit auch schon mal im Clownkostüm predigte. Aus gutem Grund: Auch in Aulendorf wurde dem Jahrestag des Amoklaufes von Winnenden gedacht. Still, ganz still, ist es geworden für einige Augenblicke vor dem schlichten Holzkreuz in der Aula.
Konfession spielt keine Rolle
Und wenn die Angst trotz allem nicht weichen will, dass Winnenden womöglich auch in Aulendorf passieren könnte, dann ist Pfarrer Unz schon zur Stelle. Nicht von ungefähr steht auf eigens für die Schulseelsorge in schlichter Aufmachung kreierten Visitenkarten: „Unz hört zu.“
Die Konfession spielt dabei keine Rolle, schon eher das gesetzlich geschützte Seelsorgegeheimnis. „Bei mir kann man über alles reden, ohne dass es jemand erfährt“, garantiert der 33-Jährige. Und wünscht sich, dass auch die Eltern sein Angebot verstärkt wahrnehmen. Angenommen, aber noch längst nicht angekommen, fühlt sich der junge, um neue Ideen nie verlegene Pfarrer in seiner Arbeit, in der er sich in und außerhalb der Schule nach eigenem Bekunden bestens mit Schulsozialarbeiter Jonathan Schütz, der katholischen Schulpastoral Angela Hirthammer und Betreuungslehrerin Imme Leiding versteht. Beispielsweise ist Unz regelmäßiger Gast in Jonathan Schütz‘ offenem Jugendtreff, wo er frühmorgens hinter der Theke steht.
Dass es Überschneidungen gibt, verhehlt der junge Pfarrer erst gar nicht, verzieht das Gesicht unter einer blitzblanken Glatze zu einem breiten Grinsen und fügt hinzu: „Ich bin halt eine Nischenerscheinung.“ Die er allerdings auszufüllen versteht nach Lesart von Schulleiter Albrecht Binder: „Johannes Unz ist eine Bereicherung für uns, ein wichtiger Baustein, der mit viel Dampf sein Ding macht.“
Sozialer Brennpunkt Aulendorf
Sein Ding macht mit (oder trotz) einer auf drei Jahre befristeten 75-Prozent-Stelle, zu Beginn des Vorjahres vom Aulendorfer Kirchengemeinderat befürwortet und abgesegnet (die SZ berichtete). 50 Prozent davon sind dem Dienst in der Schule, Religionsunterricht inklusive, gewidmet, 25 Prozent dem Dienst in den beiden Aulendorfer Kliniken. Dazu kommt noch die „normale“ Unterstützung von Gemeindepfarrer Gebhard Gauss. Und einen Krabbelgottesdienst (Mini-Kirche) will Unz, Vater einer eineinhalbjährigen Tocher, ins Leben rufen.
Das Projekt Schulseelsorge wurde als erstes seiner Art von der evangelischen Landeskirche ins Leben gerufen. Und warum Aulendorf? „Es wurde uns zugestanden, weil Aulendorf sozialer Brennpunkt ist“, hatte Pfarrer Gauss vor einem Jahr gegenüber der SZ dazu erklärt.
Sozialer Brennpunkt? „Es gibt für meinen Geschmack noch zu viele Jugendliche, vor allem mit Migrationshintergrund, die orientierungslos durchs Leben gehen und dann zum Alkohol greifen. Die meisten Kinder und Jugendlichen aber sind durch gute Angebote in den Schulen und in den Vereinen bestens aufgehoben“, findet Johannes Unz.
Und wie findet Herr Pfarrer – von der rauen Alb heruntergekommen nach Oberschwaben – Aulendorf, wenn die Arbeit mal Pause macht? Die Schwabentherme hat es ihm angetan. „Und wir lieben die Landschaft, radeln und wandern gerne.“ Auf Wanderschaft muss er dann in zwei Jahren von Berufs wegen wieder gehen. Und dann? „Vieles ist denkbar. Eine eigene Pfarrei wäre schön, vielleicht ins Ausland. Doch erstmal will ich hier noch viel bewegen, in meine Arbeit hineinwachsen und Entwicklungsarbeit für mich selbst leisten. Ich bin ja noch jung.“ Und sollte er zwischendurch mal alt aussehen – eine „SMS an Gott“ hilft ganz bestimmt, einem Seelsorger sowieso.
„SMS an Gott“ heißt die von Schulseelsorger Johannes Unz kreierte Kurzandacht in der Aula der Aulendorfer Haupt- und Realschule. Am vergangenen Freitag wurde auch dort dem Jahrestag des Amoklaufes von Winnenden gedacht. Schülerinnen und Schüler der neunten und zehnten Klasse hatten sich dazu ihre Gedanken gemacht, die Pfarrer Unz auf aus Papier gefertigte Fußstapfen schrieb und vortrug.
(Erschienen: 14.03.2010 15:25)


































