Stadtnachrichten Aulendorf
Amtstierarzt ermittelt jetzt nur noch im Roman
Von unserem Redaktionsmitglied Melanie Braith
Der Altersruhesitz steht bereits. Ein kleines Holzbänkchen in der Ecke seines Gartens in Tannhausen. Hier hat Norbert Promberger eine Vorrichtung für seinen Laptop gebastelt. Sobald er Zeit hat will er hier seinen vierten Roman schreiben. Zeit hat er ab morgen. Promberger ist Amtstierarzt beim Veterinäramt in Ravensburg. Zehn Jahre lang war er beim Staatlich Tierärztlichen Untersuchungsamt in Aulendorf, dann eine zweitlang in Wangen.
Im Rückblick will sich Promberger vor allem bei den Bauern bedanken, mit denen er zusammengearbeitet hat. „Es war eine tolle Zeit. Ich habe mich immer als Anwalt der Bauern gesehen und hoffe, dass das auch rübergekommen ist“, sagt der 60-Jährige. In all seinen Jahren als Amtstierarzt hat er Anekdoten und Erlebnisse gesammelt. Teilweise sind sie bereits aufgeschrieben. Manche in Buchform.
Wenn Promberger sich zurück erinnert, tut er das meist mit einem Lächeln. „Das hier ist ein Tollwutköder“, erklärt er beispielsweise und legt ein kleines Päckchen auf den Tisch. „Früher wurden die von Hand im Wald verteilt. Wenn die Füchse sie gefressen haben, waren sie gegen Tollwut geimpft.“ Als Promberger in Wangen war, erwies sich diese Methode als nicht besonders effektiv. Ein Stall mit 16 tollwütigen Kühen war die Folge. Daraufhin wurden die Köder aus Flugzeugen über dem Wald abgeworfen. Einem Tierarzt, der sich für die Methode interessierte, erzählte Promberger, dass die Füchse von den Ködern genau zwischen den Ohren getroffen werden müssen, damit sie wirken. „Das war nur ein Witz, aber der befreundete Tierarzt hat mir geglaubt. Ich habe mich dann nicht mehr getraut, zu gestehen, dass ich ihn veralbert habe. Vielleicht glaubt er es heute noch“, gesteht Promberger.
Seinen Humor hat der 60-Jährige nie verloren. Auch nicht, als er vor zehn Jahren an Parkinson erkrankte. „Man darf sich nicht aufgeben“, erklärt der Tierarzt. „Ich würde auch gerne noch weiter arbeiten, weil es mir so Spaß macht.“ Als Amtstierarzt hatte er drei Aufgabengebiete: Tierschutz, Lebensmittelüberwachung und Tierseuchenbekämpfung. Vor allem mit letzterem hatte Promberger in den vergangenen Jahren viel zu tun.
„Zum Beispiel BSE. Das war eine reine Hysterie-Sache“, sagt Promberger. Als der erste BSE-Fall im Landkreis aufgetreten sei, hätten die Bauern geweint. „Wenn ein Milchbetrieb seine Kühe verliert, dauert es mit neuen Kühen ei paar Jahre, bis alles wieder so läuft wie vorher“, erklärt Promberger. „Ich war da immer auf der Seite der Bauern. So sehr, dass ich schon einen schlechten Ruf bei der Tierseuchenkasse hatte.“ Die hätten fast immer etwas an seinen Schätzungen zu beanstanden gehabt.
Wichtige Pakete verwechselt
Als die Vogelgrippe die Bevölkerung und das Veterinärsamt beschäftigte, hat Promberger miterlebt, wie ein Bauer mit der Axt auf einen Kollegen losging. „Er wollte nicht, dass seine Tiere wegen der Krankheit getötet werden.“ Bei Kollegen in einem anderen Veterinärsamt ist die Vogelgrippe laut Promberger eine Woche zu spät angekommen. „Eine Sekretärin hat statt des Pakets mit dem infizierten Vogel ein Paket mit Gummistiefeln verschickt.“ Die Verwechslung habe dazu geführt, dass die Vogelgrippe zu spät bekannt wurde.
Geschichten wie diese kennt Promberger haufenweise. Er verarbeitet sie in seinen Büchern. Dafür hat er den Amtstierarzt Dr. Geitberg erschaffen. In der Figur steckt selbstverständlich viel von Promberger selbst. Es sind Krimis, in denen aber viele von Prombergers eigenen Erlebnissen und Anekdoten stecken. In seinem Ruhestand will Promberger den vierten Krimi schreiben beziehungsweise sprechen. Promberger nutzt einen Kopfhörer mit Mikrofon. Er spricht seine Bücher, ein Programm auf seinem Laptop tippt sie.
Wenn er genug vom Schreiben hat will Promberger segeln gehen. Oder er will basteln. Die ein oder andere kleine Erfindung hat er bereits gemacht. Zum Beispiel einen Kran, der für ihn sein Kanu von der hohen Halterung hebt.
„Dafür habe ich mir das Schweißen beigebracht“, sagt Promberger. Funktioniert habe der Lift leider nicht, das Kanu war zu schwer. Promberger warf den Lift weg und nahm’s mit Humor. Wie so vieles. Nur seinen Arbeitsplatz, den verlässt er heute, wie er sagt „mit gemischten Gefühlen“.
(Erschienen: 02.09.2010 18:20)
Von unserem Redaktionsmitglied Melanie Braith
Der Altersruhesitz steht bereits. Ein kleines Holzbänkchen in der Ecke seines Gartens in Tannhausen. Hier hat Norbert Promberger eine Vorrichtung für seinen Laptop gebastelt. Sobald er Zeit hat will er hier seinen vierten Roman schreiben. Zeit hat er ab morgen. Promberger ist Amtstierarzt beim Veterinäramt in Ravensburg. Zehn Jahre lang war er beim Staatlich Tierärztlichen Untersuchungsamt in Aulendorf, dann eine zweitlang in Wangen.
Im Rückblick will sich Promberger vor allem bei den Bauern bedanken, mit denen er zusammengearbeitet hat. „Es war eine tolle Zeit. Ich habe mich immer als Anwalt der Bauern gesehen und hoffe, dass das auch rübergekommen ist“, sagt der 60-Jährige. In all seinen Jahren als Amtstierarzt hat er Anekdoten und Erlebnisse gesammelt. Teilweise sind sie bereits aufgeschrieben. Manche in Buchform.
Wenn Promberger sich zurück erinnert, tut er das meist mit einem Lächeln. „Das hier ist ein Tollwutköder“, erklärt er beispielsweise und legt ein kleines Päckchen auf den Tisch. „Früher wurden die von Hand im Wald verteilt. Wenn die Füchse sie gefressen haben, waren sie gegen Tollwut geimpft.“ Als Promberger in Wangen war, erwies sich diese Methode als nicht besonders effektiv. Ein Stall mit 16 tollwütigen Kühen war die Folge. Daraufhin wurden die Köder aus Flugzeugen über dem Wald abgeworfen. Einem Tierarzt, der sich für die Methode interessierte, erzählte Promberger, dass die Füchse von den Ködern genau zwischen den Ohren getroffen werden müssen, damit sie wirken. „Das war nur ein Witz, aber der befreundete Tierarzt hat mir geglaubt. Ich habe mich dann nicht mehr getraut, zu gestehen, dass ich ihn veralbert habe. Vielleicht glaubt er es heute noch“, gesteht Promberger.
Seinen Humor hat der 60-Jährige nie verloren. Auch nicht, als er vor zehn Jahren an Parkinson erkrankte. „Man darf sich nicht aufgeben“, erklärt der Tierarzt. „Ich würde auch gerne noch weiter arbeiten, weil es mir so Spaß macht.“ Als Amtstierarzt hatte er drei Aufgabengebiete: Tierschutz, Lebensmittelüberwachung und Tierseuchenbekämpfung. Vor allem mit letzterem hatte Promberger in den vergangenen Jahren viel zu tun.
„Zum Beispiel BSE. Das war eine reine Hysterie-Sache“, sagt Promberger. Als der erste BSE-Fall im Landkreis aufgetreten sei, hätten die Bauern geweint. „Wenn ein Milchbetrieb seine Kühe verliert, dauert es mit neuen Kühen ei paar Jahre, bis alles wieder so läuft wie vorher“, erklärt Promberger. „Ich war da immer auf der Seite der Bauern. So sehr, dass ich schon einen schlechten Ruf bei der Tierseuchenkasse hatte.“ Die hätten fast immer etwas an seinen Schätzungen zu beanstanden gehabt.
Wichtige Pakete verwechselt
Als die Vogelgrippe die Bevölkerung und das Veterinärsamt beschäftigte, hat Promberger miterlebt, wie ein Bauer mit der Axt auf einen Kollegen losging. „Er wollte nicht, dass seine Tiere wegen der Krankheit getötet werden.“ Bei Kollegen in einem anderen Veterinärsamt ist die Vogelgrippe laut Promberger eine Woche zu spät angekommen. „Eine Sekretärin hat statt des Pakets mit dem infizierten Vogel ein Paket mit Gummistiefeln verschickt.“ Die Verwechslung habe dazu geführt, dass die Vogelgrippe zu spät bekannt wurde.
Geschichten wie diese kennt Promberger haufenweise. Er verarbeitet sie in seinen Büchern. Dafür hat er den Amtstierarzt Dr. Geitberg erschaffen. In der Figur steckt selbstverständlich viel von Promberger selbst. Es sind Krimis, in denen aber viele von Prombergers eigenen Erlebnissen und Anekdoten stecken. In seinem Ruhestand will Promberger den vierten Krimi schreiben beziehungsweise sprechen. Promberger nutzt einen Kopfhörer mit Mikrofon. Er spricht seine Bücher, ein Programm auf seinem Laptop tippt sie.
Wenn er genug vom Schreiben hat will Promberger segeln gehen. Oder er will basteln. Die ein oder andere kleine Erfindung hat er bereits gemacht. Zum Beispiel einen Kran, der für ihn sein Kanu von der hohen Halterung hebt.
„Dafür habe ich mir das Schweißen beigebracht“, sagt Promberger. Funktioniert habe der Lift leider nicht, das Kanu war zu schwer. Promberger warf den Lift weg und nahm’s mit Humor. Wie so vieles. Nur seinen Arbeitsplatz, den verlässt er heute, wie er sagt „mit gemischten Gefühlen“.
(Erschienen: 02.09.2010 18:20)
































