Stadtnachrichten Aulendorf
„Pfarrer Utz war wesentlicher Informant“
„Pfarrer Utz war einer der wesentlichen Informanten für mich“, sagte Werle gestern. Werle hatte nach den ersten Meldungen über sexuellen Missbrauch in katholischen Bildungseinrichtungen einen Brief an alle Ordensbrüder geschickt. „Wer etwas weiß, sollte sich melden“, sagte Utz gestern. Der Aulendorfer Pfarrer schrieb daraufhin einen Bericht.
Utz wechselte 1971 als Internatsleiter nach Blönried. Früher war er dort bereits Schüler gewesen. Der damals 33-Jährige kam im August nach Blönried. „Da war die eine Sache gerade gelaufen.“ Ein Pater hatte in einem Fall mehrere Jungen missbraucht. Als dies bekannt geworden war, war er nach Tirschenreuth (Oberpfalz) ins Kloster versetzt worden. Werle hatte am Donnerstag berichtet, dass es in Blönried drei Pater gegeben hatte, die sich in den 60er Jahren, 1974 und 1981 an Schülern vergangen haben sollen. Dabei hatte er allerdings die Jahre 1981 und 1971 verwechselt. „Mit dem Fall 1974 waren die Fälle in St. Johann Blönried abgeschlossen“, sagte Werle. 1981 ist der letzte ihm derzeit bekannte Fall von sexuellem Missbrauch bei den Steylern in Deutschland gewesen. Utz wurde 1980 als Internatsleiter ebenfalls nach Tirschenreuth versetzt. „Durch die falsche Jahreszahl gab es die Gefahr einer Verwechslung“, sagte Utz.
Als Utz Internatsleiter war, kamen 1974 drei bis fünfJungen zu ihm. Sie erzählten ihm, dass sich ein Pater an einigen von ihnen mehrfach vergangen hatte. „Ich habe gleich den Rektor des Hauses informiert“, sagte Utz. Dieser habe dann den Provinzial informiert. Der Ordensbruder hatte zuvor eine Gruppe mit 25 Schülern betreut. „Man hat ihm vertraut“, sagte Utz. „Ich habe vorher nichts mitbekommen.“ Der Mann sei sofort nach England versetzt worden. Der Vater eines Schülers erstattete Anzeige. „Es war bei uns allgemein nicht üblich, jemanden direkt anzuzeigen“, sagte Utz. 1975 kam es zum Prozess. Der Ordensbruder wurde verurteilt. Der Schüler blieb laut Utz auf der Schule. Später hörte der Pfarrer noch von einem Pater, der sich in den 60er Jahren an Schülern vergangen haben soll.
Gestern informierte indes Schulleiter Klaus Schneiderhan seine Lehrer über die Vorfälle. „Die Kollegen sind natürlich schockiert“, sagte Schneiderhan gestern. „Aber die Offenheit wird als sehr wohltuend empfunden.“ Am Morgen habe er zudem mit einer elften Klasse über das Thema diskutiert. „Eine Schülerin hat gesagt, dass es doch etwas anderes sei, wenn es die eigene Schule trifft“, sagte der Schulleiter. „Ein anderer meinte allerdings: Es sei trotzdem weit weg, für uns nicht vorstellbar.“ Aufgrund der SZ-Berichterstattung haben sich laut Schneiderhan gestern keine Eltern oder ehemalige Schüler mit Fragen an ihn gewandt. Auch bei Werle hatte sich bis gestern gegen 18 Uhr niemand wegen der Missbrauchsfälle in Blönried gemeldet.
(Erschienen: 12.03.2010 18:15)
„Pfarrer Utz war einer der wesentlichen Informanten für mich“, sagte Werle gestern. Werle hatte nach den ersten Meldungen über sexuellen Missbrauch in katholischen Bildungseinrichtungen einen Brief an alle Ordensbrüder geschickt. „Wer etwas weiß, sollte sich melden“, sagte Utz gestern. Der Aulendorfer Pfarrer schrieb daraufhin einen Bericht.
Utz wechselte 1971 als Internatsleiter nach Blönried. Früher war er dort bereits Schüler gewesen. Der damals 33-Jährige kam im August nach Blönried. „Da war die eine Sache gerade gelaufen.“ Ein Pater hatte in einem Fall mehrere Jungen missbraucht. Als dies bekannt geworden war, war er nach Tirschenreuth (Oberpfalz) ins Kloster versetzt worden. Werle hatte am Donnerstag berichtet, dass es in Blönried drei Pater gegeben hatte, die sich in den 60er Jahren, 1974 und 1981 an Schülern vergangen haben sollen. Dabei hatte er allerdings die Jahre 1981 und 1971 verwechselt. „Mit dem Fall 1974 waren die Fälle in St. Johann Blönried abgeschlossen“, sagte Werle. 1981 ist der letzte ihm derzeit bekannte Fall von sexuellem Missbrauch bei den Steylern in Deutschland gewesen. Utz wurde 1980 als Internatsleiter ebenfalls nach Tirschenreuth versetzt. „Durch die falsche Jahreszahl gab es die Gefahr einer Verwechslung“, sagte Utz.
Als Utz Internatsleiter war, kamen 1974 drei bis fünfJungen zu ihm. Sie erzählten ihm, dass sich ein Pater an einigen von ihnen mehrfach vergangen hatte. „Ich habe gleich den Rektor des Hauses informiert“, sagte Utz. Dieser habe dann den Provinzial informiert. Der Ordensbruder hatte zuvor eine Gruppe mit 25 Schülern betreut. „Man hat ihm vertraut“, sagte Utz. „Ich habe vorher nichts mitbekommen.“ Der Mann sei sofort nach England versetzt worden. Der Vater eines Schülers erstattete Anzeige. „Es war bei uns allgemein nicht üblich, jemanden direkt anzuzeigen“, sagte Utz. 1975 kam es zum Prozess. Der Ordensbruder wurde verurteilt. Der Schüler blieb laut Utz auf der Schule. Später hörte der Pfarrer noch von einem Pater, der sich in den 60er Jahren an Schülern vergangen haben soll.
Gestern informierte indes Schulleiter Klaus Schneiderhan seine Lehrer über die Vorfälle. „Die Kollegen sind natürlich schockiert“, sagte Schneiderhan gestern. „Aber die Offenheit wird als sehr wohltuend empfunden.“ Am Morgen habe er zudem mit einer elften Klasse über das Thema diskutiert. „Eine Schülerin hat gesagt, dass es doch etwas anderes sei, wenn es die eigene Schule trifft“, sagte der Schulleiter. „Ein anderer meinte allerdings: Es sei trotzdem weit weg, für uns nicht vorstellbar.“ Aufgrund der SZ-Berichterstattung haben sich laut Schneiderhan gestern keine Eltern oder ehemalige Schüler mit Fragen an ihn gewandt. Auch bei Werle hatte sich bis gestern gegen 18 Uhr niemand wegen der Missbrauchsfälle in Blönried gemeldet.
(Erschienen: 12.03.2010 18:15)
































