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Stadtnachrichten Aulendorf

Zum Tode Ihrer Erlaucht Stefanie Gräfin zu Königsegg-Aulendorf

Ihre Erlaucht Stefanie Gräfin zu Königsegg-Aulendorf
Ihre Erlaucht Stefanie Gräfin zu Königsegg-Aulendorf

Von Dr. Horst Boxler

Aulendorf Am Freitag, 13. Januar, verschied im Frieden ihrer Kirche Ihre Erlaucht Stefanie Gräfin zu Königsegg-Aulendorf, geborene Freiin von Waldbott-Bassenheim. Ihr Geburtshaus, in dem sie am 19. November 1929 das Licht der Welt erblickte, stand im ungarischen Sátoraljaújhely, am Fuße des Zempléngebirges, hart an der slowakischen Grenze, die wie auch anderswo nach dem Frieden von Trianon des Jahres 1920 auf Kosten des alten k.u.k. Ungarn tief in die Sprachgebiete der Madyaren eingeschnitten hatte.

Der einstige Sitz des Komitats Zemplén liegt in einem berühmten Weinbaugebiet und der Wein sollte auch das Erbe der Familie bleiben. Die Gräfin, deren Familie nicht nur loyale Bürger ihrer Heimat waren, stammte ursprünglich aus einem rheinfränkischen Uradelsgeschlecht, den Walpoten von Bassenheim, eines Ortes unweit von Koblenz, in dem sie das Walpotenamt als Vertreter der Zentralmacht der Grafen von Diez innehatten. Der erste, sehr berühmte Vertreter des Geschlechts war Heinrich I. Waldbott von Bassenheim, Ende des 12. Jahrhunderts der erste Hochmeister des Deutschen Ordens mit Sitz in Akkon.

Zu Ehren eines seiner Nachkommen erhielt die erste Stadt Masurens den Namen „Bassenheim“, das heute polnische Pasym. Was die Verheerungen des Ersten Weltkrieges eingeleitet hatten, vollendete der Zweite und schuf nach dem mörderischen Regime in Deutschland mit der Vertreibung nicht nur der Deutschen, sondern vieler Völkerschaften ethnische Ödlandschaften mit dem weitgehenden Verlust der reichen und so vielfältigen Kultur Osteuropas.

Die gerade erst fünfzehnjährige Freiin musste mit ihrer Familie Anfang 1945 nach Westen fliehen und fand im Wasserschloß Moos in Niederbayern ein neues Zuhause bei Ludwig Graf von und zu Arco-Zinneberg. Bis zu ihrer Heirat hatte die junge Frau die Gelegenheit, in einem Münchener Modesalon arbeiten zu können, führte aber auch den Eltern den Haushalt und versorgte ihren Bruder und die Kinder von Freunden und Verwandten.

Am 27. September 1955 schloss sie die Ehe mit S.E. Johannes Graf zu Königsegg-Aulendorf, der nach dem wenig zuvor erfolgten Tod seines Vaters in schwierigen Zeiten die Leitung des Königsegg’schen Familienunternehmens übernommen hatte. Ihr Gespür für die Nöte von Kranken und Bedürftigen, ihre große Gastfreundschaft und ihre Freude am Erblühen von Mensch und Pflanze zeichnete die Verstorbene aus.

Der Ehe entsprossen drei Kinder, Isabelle, vermählte Gräfin v. Schall-Riaucour, Erbgraf Maximilian, der heute die Geschäfte führt, und Graf Markus, mit dem sich auf eigenartige Weise nicht nur der Ring wieder schließt, da er mit Schloß Halbturn im österreichischen Burgenland das Erbe seiner mütterlichen Verwandtschaft antreten konnte, sondern weil er dort auch in hervorragender Weise das pflegt, was die Barone von Waldbott-Bassenheim wohl nicht nur im Mündungsgebiet der Mosel in den Rhein, sondern eben auch in Ungarn pflogen, den Anbau von hervorragenden Weinen.

(Erschienen: 19.01.2012 11:00)

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