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Vom Pirat zum Zunftmeister von Aulendorf

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Vom Pirat zum Zunftmeister von Aulendorf

Von Simone Harr

Aulendorf Mit Augenklappe, Piratentuch, angeklebter Schnauzer und frisch verliebt. So erlebte Klaus Wekenmann 1967 seinen ersten gemeinsamen Fasnetsball in Aulendorf mit seiner späteren Frau Helga. „Ich war Hofnarr, als wir uns kennengelernt haben. Der damalige Zunftmeister hatte dann Angst, dass ich das nicht mehr mache“, erinnert sie Helga Wekenmann. Doch stattdessen begeistert sie ihren Klaus für das närrische Treiben in Aulendorf. „In Ravensburg hat es keine Straßenfasnet gegeben. Die Schwarze Veri wurde ja erst später gegründet“, sagt Klaus Wekenmann, der in Ravensburg aufgewachsen ist. Als er vor 44 Jahren verkleidet als Pirat mit seiner Helga getanzt hat, hatte er sicher niemals daran gedacht, dass er einmal der Zunftmeister der Narrenzunft Aulendorf werden würde. Im April wird der 69-jährige Klaus Wekenmann sein Amt weitergeben. Die diesjährige Fasnet war dann seine elfte Fasnet als Zunftmeister.

1965 war Wekenmann als Postler nach Aulendorf gekommen. 1967 lernt er Helga Wekenmann kennen. Ein Jahr später tritt er in die Narrenzunft Aulendorf ein – direkt als Zunftrat. „Am meisten hat mich fasziniert, dass die Fasnet für die Aulendorfer was ganz wichtiges ist. Das ist noch heute so. Es ist ein Brauchtum, der in Aulendorf tief verwurzelt ist. Die Kinder bekommen das von klein auf mit. Das ist toll“, sagt Klaus Wekenmann. Helga und Klaus Wekenmann erinnern sich daher gern an die Besuche zur Fasnet im Entbindungsheim. „Die Schwestern haben für die Säuglinge immer Kostüme genäht“, sagt Helga Wekenmann.

In der Narrenzunft ist Klaus Wekenmann von Anfang an aktiv. „Man hat gleich mein schauspielerisches Talent entdeckt. Seither bin ich auf der alten Stadthallenbühne daheim“, erzählt er. In vielen kleinen Fotoalben hat Wekenmann die Erlebnisse der Fasnet festgehalten. „Das sind inzwischen anderthalb Regalmeter“, sagt er. Von 1971 gibt es ein Foto mit einem Lanz in der Stadthalle. „Damals konnte man so was noch machen“, erzählt er. 1984 wird Wekenmann stellvertretender Zunftmeister. Viele Jahre ist er der Stellvertreter von Zunftmeister Hartmut Sczech. Im April 2011 wird Wekenmann schließlich selbst zum Zunftmeister gewählt.

„Die Zunft ist unwahrscheinlich groß geworden. Als wir angefangen haben, war es unter 1000 Mitgliedern. Man hat überlegt, ob man das deckeln soll. Aber dann haben wir beschlossen, dass wir eine Volksfasnet wollen und offen sind für alle Aulendorfer“, sagt Wekenmann. Das sei eine weitreichende Entscheidung gewesen. Denn inzwischen zählt die Narrenzunft rund 2000 erwachsene Mitglieder. „Der größte Erfolg war, dass wir mit Waldsee und Schussenried ein gutes freundschaftliches Verhältnis haben, dass die Sticheleien jetzt nur Spaß sind. Früher wurde das ernster genommen. Das freut mich am meisten, dass wir das hinbekommen haben“, sagt Wekenmann.

Gerne erinnern sich Wekenmanns auch an die Fahrt 2002 nach Berlin. Mit fünf Eckhexen war die Narrenzunft Aulendorf ins Kanzleramt eingeladen worden.

„Kanzler Schröder ist gekommen. Wir durften mit Masken ins Kanzleramt und das kurz nach dem 11. September“, erinnert sich Klaus Wekenmann. „Das sind Erlebnisse, die man nicht vergisst“, sagt er. Es sei schön gewesen, dass er in seiner Funktion als Zunftmeister so viele Menschen kennenlernen durfte.

Doch jetzt sei der richtige Zeitpunkt für den lang angekündigten Generationswechsel gekommen. „Es nützt nichts, dass es jemand machen will. Man braucht als Zunftmeister Fingerspitzengefühl und man braucht eine Mannschaft. Es sollte ein Freundeskreis sein mit Leuten, die gleich ticken“, sagt er.

Ein Zunftmeister müsse begeistert von seinem Amt sein, er muss es können und er brauche Partner, die ihn unterstützten. Wekenmann ist sich sicher, dass sie jetzt eine Konstellation gefunden haben, mit der es klappt. Wer im April zur Wahl stehen wird, möchte er jedoch noch nicht sagen. Es seien Leute, die aktiv in der Narrenzunft sind: „Er ist ja nicht aus der Welt. Er ist Zunftrat und kann beratend zur Seite stehen“, sagt Helga Wekenmann. Ihr Mann ergänzt: „Wichtig ist dabei, dass man nicht sagt: früher haben wir das aber so gemacht. Das habe ich nicht vor. Hartmut Sczech und ich haben uns auch nicht reinschwätzen lassen.“

Als Maskenmeister wird Klaus Wekenmann der Aulendorfer Narren weiter erhalten bleiben. „Das ist die Rolle, die mir am besten gefällt. Mir mach das echt Spaß“, sagt er. Für ihn schließe sich da der Kreis der Fasnet. Beim Häsrichten erkläre er den Zuschauern die Verbannung, bei der Maskenbefreiung löse er den Bann und in der Nacht zum Aschermittwoch verbanne er die Masken wieder. „Es gibt Maskenträger, wenn sie die Maske nach der Verbannung raufschieben, sieht man, dass sie geheult haben. Das ist der Kreis. Dann ist es aus,. Aber es goht dagegen“, sagt er.

(Erschienen: 22.02.2012 20:55)

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