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Den Kunden sind regionale Produkte wichtig

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Von Simone Harr

Aulendorf Edmund Günther betritt den Verkaufsraum von Nicole Reisch. Er ist von Rugetsweiler nach Tannhausen spaziert. „Wenn ich Zeit habe laufe ich Donnerstags hier raus und kaufe Brot und Dinnete“, sagt er. Seit einem Jahr verkaufen Nicole Reisch und Alexander Szabo Eier, Fleisch, Wurst und Backwaren. „Es ging ganz klein los. Mein Mann hatte die Marktstände von seinem Onkel übernommen. Wenn er den Wagen gepackt hat, kamen die Leute und haben gefragt, ob sie kurz Eier oder Fleisch kaufen können“, erzählt Reisch.

Das Packen des Wagens habe dadurch fast anderthalb Stunden länger gedauert als sonst. Szabo habe daher vorgeschlagen an einen fixen Tag in der Woche den Marktstand in Tannhausen zu öffnen. „Das ist super angenommen worden. Von Woche zu Woche sind es immer mehr Kunden geworden“, erinnert sich Reisch. Zunächst haben die Beiden bei den Eltern von Reisch die Waren verkauft. „Dann kamen so viele Leute, dass es nicht mehr gegangen ist“, sagt Reisch. Inzwischen hat das Paar den Hof von Reischs Oma übernommen. Dort wo einst die Garage war, ist jetzt ein noch provisorischer Verkaufsraum entstanden. Ursprünglich wollten Reisch und Szabo den Raum auch weiterhin als Garage nutzen. Doch nachdem der Verkauf so gut angenommen wurde, haben sie sich umentschieden.

Auf Biertischen stehen jetzt Körbe mit Seelen, Laugenbrötchen und Bauernbroten. Auf einem Tablett gibt es Dinnete, daneben stehen Kuchen, Schokobananen und Nussschnecken. Außerdem gibt es die Möglichkeit sich gemütlich hinzusetzten und Kaffee zu trinken und Kuchen zu essen.

„Es ist ein Treffpunkt, gerade für ältere Leute. Wir haben auch Kunden, die nicht mehr Auto fahren oder gar keinen Führerschein haben“, sagt Reisch. Zu den Kunden gehören hauptsächlich Tannhauser, aber auch aus Aulendorf und den umliegenden Ortschaften kommen die Menschen zum einkaufen. „Manche Kunden haben eine Allergie. Ich mache in meinen Teig nur Mehl und Gewürze“, sagt sie. Das Mehl komme von der Vogel Herrenmühle aus Aulendorf. „Es ist uns wichtig, dass die Ware aus der Region kommt“, sagt Reisch. Um 5 Uhr morgens fängt sie mit dem Backen an. „Das geht dann nonstop bis halb drei“, sagt sie. Waren es zu Beginn noch zehn Kilo Teig, den sie allein für das Brot verarbeitet hat, seien es inzwischen 30 bis 40 Kilo. Reisch ist gelernte Schreinerin. „Ich habe aber schon immer gerne gebacken. Mit dem Dinnete-Backen ging es los. Seit dem probiere ich immer gerne was neues aus“, sagt sie.

Während Reisch innen ihre Backwaren verkauft, steht Szabo draußen in seinem Wagen. Hier gibt es Eier, Geflügel, Teigwaren und Fleisch vom Schwäbisch-Hällischen Landschwein. Ines Plamper ist von Aulendorf nach Tannhausen gefahren. „Ich finde es super, dass es den Verkauf gibt. Ich kaufe hier immer Wurst, Eier und Brot“, sagt sie. Auch Rita Hirschmann aus Tannhausen kauft gerne hier ein. „Besonders für ältere Leute ist es super. Man hat es nicht soweit“, sagt sie.

Bis zum Frühjahr möchten Szabo und Reisch in der ehemaligen Garage ein kleines Café eröffnen. „Wir möchten eine Küche mit einem Holzbackofen einbauen“, sagt Szabo. Auch Toiletten, ein Verkaufstresen und Brotregale seien geplant. Reisch freut sich, dass ihre Pläne von den Nachbarn mitgetragen werden. „Ich hatte am Anfang Sorge, dass ihnen beispielsweise der zusätzliche Verkehr lästig ist. Aber ich bin dankbar, dass es ein schönes Miteinander ist. Sie unterstützen uns wo sie können“, sagt Reisch. Der Verkauf soll zunächst weiterhin am Donnerstagnachmittag stattfinden. „Wir fahren ja auch noch auf die Wochenmärkte“, sagt Reisch. Je nach Ressonanz könne sie sich einen weiteren Tag vorstellen.

Neben dem Verkauf von Szabo und Reisch gibt es in Tannhausen seit Juli eine weitere Einkaufsmöglichkeit. Andrea Seifert hat in einer Holzhütte ihre Hoflädle eingerichtet, das mittwochs und samstags geöffnet ist. „Ich habe seit Jahren eigene Eier und Dosenwurst von eigenen Schweinen am Haus verkauft. Daraus ist dann die Idee entstanden das Hoflädele zu eröffnen“, erzählt sie. In der Mitte des Ladens stehen Körben mit Salat, Brokkoli, Blumenkohl, Karotten, Kürbissen sowie Äpfel, Orangen und Zitronen. Die konventionellen Lebensmittel bezieht Seifert vom Dornahof aus Altshausen. Die Biolebensmittel kommen vom Deissenhof aus Boos. In den Regalen stehen unter anderem Marmelade, Rapsöl, Mehl und Nudeln „Ich lasse die Nudeln mit meinen eigenen Eiern in Musbach herstellen“, sagt sie. Die Milchprodukte wie Joghurt, Quark und Käse, die sie aus Mittelurbach bezieht, kämen bei den Kunden sehr gut an. Auch Seifert ist es wichtig, dass ihre Waren aus der Region kommen. „Es macht mir Spaß immer neue Produkte zu entdecken“, sagt sie. Am Samstag verkauft Seifert auch Kleingebäck wie Brezeln, Seelen und Brötchen, die sie von der Bäckerei Manz bekommt. Am Anfang musste der Laden erst anlaufen, sagt Seifert. Aber inzwischen kämen immer mehr Kunden. „Es sind vor allem Menschen, die Wert auf Bio und regionale Produkte legen“, sagt sie. Überwiegend kämen sie aus Tannhausen. Vor ihrem Hoflädele hat Seifert Holztische und Stühle stehen. „Im Sommer kann man hier Kaffee trinken“, sagt sie.

Den Verkauf von Reisch und Szabo sieht sie als gute Kombination zu ihrem Angebot. „Wir haben nicht das gleiche Sortiment. Es ist keine Konkurrenz, sondern viel mehr eine Ergänzung“, sagt sie. So sieht es auch Reich. „Ich höre viel Positives . Wir ergänzen uns schön“, sagt sie. Jutta Müller freut sich, dass es die beiden Angebote gibt. Denn seit Sommer letzten Jahres komme Bäcker Manz nicht mehr mit seinem Wagen nach Tannhausen. „Es ist toll, dass es die Läden gibt. Die Produkte kommen aus der Region. Ich finde es wichtig, die Leute zu unterstützen, die am Ort sind“, sagt Müller. Auch Angela Siering findet essuper, dass es das Angebot jetzt in in ihrer Nachbarschaft gibt.

Ortsvorsteher Volker Gorsler ist dankbar, dass es Seifert's Hoflädele und den Verkauf von Nicole Reisch und Alexander Szabo gibt „Wir haben lange Zeit um einen Dorfladen gekämpft. Die Bevölkerung hat sich immer einen gewünscht“, sagt er.

Seifert's Hoflädele hat am Mittwoch von 9.30 bis 12 Uhr und von 15 bis 18 Uhr sowie am Samstag von 9 bis 13 Uhr geöffnet. Nicole Reisch und Alexander Szabo verkaufen donnerstags ab 15 Uhr ihre Waren.

(Erschienen: 09.02.2012 19:15)

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