Nachrichten Tettnang
Bei Kochs Montfortgeschichten herrscht Mordsandrang

Von unserem Mitarbeiter Helmut Voith
Ingrid Koch verpasse dem Stoff neue Akzente, mit dichterischer Freiheit und augenzwinkernd gehe sie an die Montforter heran, begrüßt Cosima Kehle die Zuhörer im proppevollen Rittersaal. Regine Hoch-Shekov und Andreas Waadt haben mit ihren Instrumenten auf der Bühne Platz genommen. Mit höfischer Musik begleiten sie die Matinee, die auf eine Idee von Cosima Kehle zurückgeht.
Mit gemessenem Schritt steigt Ingrid Koch auf das Podest, geht zum Rednerpult, wirft vorsichtige Blicke in den Saal. Ihr Publikum weiß, dass sie immer noch vor jedem Auftritt ziemlich nervös ist, doch für Mitleid bleibt kein Platz. Zu sehr sind alle gespannt, wie sie sich dem Komplex Montfort genähert hat. „Sie sitzed hoffentlich bequem“, setzt sie an und wendet sich gleich direkt ans Publikum. Mit dem bequemen Zurücklehnen ist es gleich vorbei – aber nur im Geiste. Ingrid Koch bittet die Zuhörer hinunter auf den Platz vor dem Rathaus, wo sie dreihundert Jahre zurückversetzt und in barocke Kleidung gesteckt werden. Dann dürfen die Gäste in der Kutsche vors Portal fahren und bedächtig wieder zum Rittersaal hinaufgehen. Das Denken, die Bemerkungen bleiben in der Gegenwart. Wenn wir etwas neidisch den Prunk kritisieren... Immer wieder huscht ein schnelles Lächeln über Kochs Gesicht. Sie nennt die vielen, die ihr beim Zusammentragen des Stoffes geholfen haben. „I war von Montfort umzingelt, i hab schlaflose Nächte mit dene verbracht...“
Vor allem beschäftigte sie die Frage, „wo bei dene die schwäbische Geizkrage-Gene“ gewesen seien. Die Hofhaltung, die ausgedehnten Reisen, all das habe viel Geld verschlungen. Und die Mätressen? Es muss sie gegeben haben, doch bei allem Suchen seien auch die Historiker noch nicht fündig geworden. Dafür wissen sie, dass früher in der Stadt die jährlichen Bußgelder an alle ausgeschüttet wurden, in Form von kostenlosem Wein. Aber es gab auch Schattenseiten: die mangelnde Hygiene und in der Folge Flöhe und Wanzen. Vom großen Schlossbrand erzählt Koch, vom Grafen Ulrich, der die St.-Anna-Kapelle gestiftet und dennoch keinen Stammhalter bekam. Vieles bleibt offen. So die Frage, wie die Montforter wohl geschwätzt haben, wenn sie unter sich waren. Am Ende holt uns Ingrid Koch wieder in die Gegenwart zurück. Schade, man hätte ihr gerne noch lange zugehört.
(Erschienen: 24.10.2010 16:30)

Von unserem Mitarbeiter Helmut Voith
Ingrid Koch verpasse dem Stoff neue Akzente, mit dichterischer Freiheit und augenzwinkernd gehe sie an die Montforter heran, begrüßt Cosima Kehle die Zuhörer im proppevollen Rittersaal. Regine Hoch-Shekov und Andreas Waadt haben mit ihren Instrumenten auf der Bühne Platz genommen. Mit höfischer Musik begleiten sie die Matinee, die auf eine Idee von Cosima Kehle zurückgeht.
Mit gemessenem Schritt steigt Ingrid Koch auf das Podest, geht zum Rednerpult, wirft vorsichtige Blicke in den Saal. Ihr Publikum weiß, dass sie immer noch vor jedem Auftritt ziemlich nervös ist, doch für Mitleid bleibt kein Platz. Zu sehr sind alle gespannt, wie sie sich dem Komplex Montfort genähert hat. „Sie sitzed hoffentlich bequem“, setzt sie an und wendet sich gleich direkt ans Publikum. Mit dem bequemen Zurücklehnen ist es gleich vorbei – aber nur im Geiste. Ingrid Koch bittet die Zuhörer hinunter auf den Platz vor dem Rathaus, wo sie dreihundert Jahre zurückversetzt und in barocke Kleidung gesteckt werden. Dann dürfen die Gäste in der Kutsche vors Portal fahren und bedächtig wieder zum Rittersaal hinaufgehen. Das Denken, die Bemerkungen bleiben in der Gegenwart. Wenn wir etwas neidisch den Prunk kritisieren... Immer wieder huscht ein schnelles Lächeln über Kochs Gesicht. Sie nennt die vielen, die ihr beim Zusammentragen des Stoffes geholfen haben. „I war von Montfort umzingelt, i hab schlaflose Nächte mit dene verbracht...“
Vor allem beschäftigte sie die Frage, „wo bei dene die schwäbische Geizkrage-Gene“ gewesen seien. Die Hofhaltung, die ausgedehnten Reisen, all das habe viel Geld verschlungen. Und die Mätressen? Es muss sie gegeben haben, doch bei allem Suchen seien auch die Historiker noch nicht fündig geworden. Dafür wissen sie, dass früher in der Stadt die jährlichen Bußgelder an alle ausgeschüttet wurden, in Form von kostenlosem Wein. Aber es gab auch Schattenseiten: die mangelnde Hygiene und in der Folge Flöhe und Wanzen. Vom großen Schlossbrand erzählt Koch, vom Grafen Ulrich, der die St.-Anna-Kapelle gestiftet und dennoch keinen Stammhalter bekam. Vieles bleibt offen. So die Frage, wie die Montforter wohl geschwätzt haben, wenn sie unter sich waren. Am Ende holt uns Ingrid Koch wieder in die Gegenwart zurück. Schade, man hätte ihr gerne noch lange zugehört.
(Erschienen: 24.10.2010 16:30)

































