Meersburg
Schloss zeigt gewagte Akte
Von unserem Mitarbeiter Helmut Voith
Die Ausstellung „Leidenschaft & Leid – Kasia von Szadurska“, die zunächst in der Wessenberg-Galerie Konstanz zu sehen war, bringt Licht ins Leben einer ungewöhnlichen Künstlerin. Um 30 Exponate erweitert, zieht die Schau nun ins Neue Schloss Meersburg ein.
Bereits 2004 hatte Meersburgs Kulturamtsleiterin Brigitte Rieger-Benkel die Idee, endlich einmal eine größere Ausstellung zu der russisch-polnischen Malerin Kasia von Szadurska (1886-1942) zu arrangieren, von der einige Bilder in der Dauerausstellung hängen. Ihr Leben böte Stoff für mehrere Romane, nicht allein, weil drei verschiedene Geburts- und zwei Todesdaten kursieren.
Die unehelich in Moskau geborene, von einer Familie Sternberg adoptierte Adlige heiratete 1910 heimlich den Meersburger Juristen und Literaten Dr. Otto Ehinger, der nach dem Zweiten Weltkrieg einige Jahre Meersburger Bürgermeister war. 1935 ließ er sich von der lebenshungrigen Kasia scheiden, die schließlich verarmt in Berlin starb. Gerade ihre expressionistische Phase verdeutlicht ihre Kunstfertigkeit. Szardurska reiste vom Bodensee in die deutschen Kunstmetropolen, vor allem nach Berlin. Aus der Frühzeit stammen zahlreiche Buchumschläge für den Konstanzer Verlag Reuß & Itta. Kasia von Szadurska pflegte enge Beziehungen zur Bohème, zur Wissenschaft, wie zum berühmten Philosophen Fritz Mauthner, der im Meersburger Glaserhäusle lebte.Verfremdete Ansichten
Porträts machen einen Großteil ihres Werkes aus. Besonders stark sind die frühen, noch dem Expressionismus verpflichteten Arbeiten. Nach der Scheidung 1935 hielt sie sich mit Auftragsmalerei über Wasser. Dies führte zu einer radikalen Kehrtwende: Sie passte sich an den vom Dritten Reich geforderten Malstil an. Szadurska malte auch Landschaften. Bemerkenswert ist die künstlerisch verfremdete Ansicht des berühmten Meersburger Fürstenhauses der Droste. Für damalige Verhältnisse sehr gewagt ist eine Reihe von weiblichen Akten.
In Vitrinen erzählen Fotos von ihrem bewegten Leben und ergänzen die mit viel Liebe und Sachverstand von Brigitte Rieger-Benkel und Dr. Barbara Stark, Leiterin der Städtischen Wessenberg-Galerie Konstanz, zusammengestellte Ausstellung.
(Erschienen: 12.03.2010 21:00)
Von unserem Mitarbeiter Helmut Voith
Die Ausstellung „Leidenschaft & Leid – Kasia von Szadurska“, die zunächst in der Wessenberg-Galerie Konstanz zu sehen war, bringt Licht ins Leben einer ungewöhnlichen Künstlerin. Um 30 Exponate erweitert, zieht die Schau nun ins Neue Schloss Meersburg ein.
Bereits 2004 hatte Meersburgs Kulturamtsleiterin Brigitte Rieger-Benkel die Idee, endlich einmal eine größere Ausstellung zu der russisch-polnischen Malerin Kasia von Szadurska (1886-1942) zu arrangieren, von der einige Bilder in der Dauerausstellung hängen. Ihr Leben böte Stoff für mehrere Romane, nicht allein, weil drei verschiedene Geburts- und zwei Todesdaten kursieren.
Die unehelich in Moskau geborene, von einer Familie Sternberg adoptierte Adlige heiratete 1910 heimlich den Meersburger Juristen und Literaten Dr. Otto Ehinger, der nach dem Zweiten Weltkrieg einige Jahre Meersburger Bürgermeister war. 1935 ließ er sich von der lebenshungrigen Kasia scheiden, die schließlich verarmt in Berlin starb. Gerade ihre expressionistische Phase verdeutlicht ihre Kunstfertigkeit. Szardurska reiste vom Bodensee in die deutschen Kunstmetropolen, vor allem nach Berlin. Aus der Frühzeit stammen zahlreiche Buchumschläge für den Konstanzer Verlag Reuß & Itta. Kasia von Szadurska pflegte enge Beziehungen zur Bohème, zur Wissenschaft, wie zum berühmten Philosophen Fritz Mauthner, der im Meersburger Glaserhäusle lebte.Verfremdete Ansichten
Porträts machen einen Großteil ihres Werkes aus. Besonders stark sind die frühen, noch dem Expressionismus verpflichteten Arbeiten. Nach der Scheidung 1935 hielt sie sich mit Auftragsmalerei über Wasser. Dies führte zu einer radikalen Kehrtwende: Sie passte sich an den vom Dritten Reich geforderten Malstil an. Szadurska malte auch Landschaften. Bemerkenswert ist die künstlerisch verfremdete Ansicht des berühmten Meersburger Fürstenhauses der Droste. Für damalige Verhältnisse sehr gewagt ist eine Reihe von weiblichen Akten.
In Vitrinen erzählen Fotos von ihrem bewegten Leben und ergänzen die mit viel Liebe und Sachverstand von Brigitte Rieger-Benkel und Dr. Barbara Stark, Leiterin der Städtischen Wessenberg-Galerie Konstanz, zusammengestellte Ausstellung.
(Erschienen: 12.03.2010 21:00)

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