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„Es wird einen nächsten Amoklauf geben“

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„Es wird einen nächsten Amoklauf geben“

ÜBERLINGEN / min In einem voll besetzten Klassenraum in der Gewerbeschule Überlingen hat am Montag ein Pressegespräch zum Thema Amok stattgefunden. Eingeladen dazu hatte der SPD-Landtagsabgeordnete Norbert Zeller. Auch viele Lehrer und Schüler nahmen an dem Gespräch teil.

„Ich bin an eurer Meinung interessiert“, begann Norbert Zeller seinen Vortrag. Der Landtagsabgeordnete war nach Überlingen gekommen, um die bisherigen Ergebnisse des Sonderausschusses Winnenden mit den Schülern zu besprechen. Der im April diesen Jahres gegründete Sonderausschuss beschäftigt sich mit den Konsequenzen aus dem Amoklauf in Winnenden und Wendlingen. Norbert Zeller ist stellvertretender Vorsitzender dieses Sonderausschusses.

Hinschauen ist wichtig

Zeller versuchte, mögliche Amokläufer zu charakterisieren: „Bisher sind alle Amokläufer auffällig unauffällige junge Männer gewesen.“ Die Frage, ob ein potentieller Amokläufer überhaupt im Vorfeld zu erkennen ist, sei einer der Schwerpunkte, mit dem sich der Sonderausschuss beschäftigt. „Deshalb ist es sehr wichtig, genau hinzuschauen“, sagte der Abgeordnete weiter. „Alle Amokläufer haben ihre Tat angekündigt. Alle weisen eine Vorliebe für das Militär und für Waffen auf. Und alle haben Gewaltspiele gespielt.“ Damit hatte Zeller den Überlinger Schülern Diskussionsstoff gegeben.

Computerspiele zu verbieten, wie es zum Beispiel das Aktionsbündnis Winnenden fordert, stößt bei vielen Schülern auf Unmut. „Ich sehe ein Verbot von solchen Computerspielen sehr kritisch“, meldete sich prompt ein Schüler zu Wort. „Wenn Sie Gewaltspiele verbieten, wird das viele Jugendliche nicht daran hindern, sich die Spiele illegal runterzuladen. Was verboten ist, ist ja gerade so spannend“, sagte er. Umgehend ging Norbert Zeller auf das Argument des Schülers ein: „Ich teile diese Meinung. Aber ich kann auch die Eltern verstehen, die am 11. März in Winnenden ein Kind verloren haben. Ich finde, man muss das Verbot realistisch umsetzen.“

Er selbst habe schon öfter seinem Sohn beim Computerspielen über die Schulter geschaut. „Ich als Kriegsdienstverweigerer finde es schrecklich, wie da das Blut spritzt.“ Es sei pädagogisch völlig falsch, wenn Jugendliche, wenn auch nur im Spiel, für das Töten anderer Menschen belohnt würden.

„Die Aufgabe des Sonderausschusses ist, die Situation richtig zu bewerten.“ Um das sicherzustellen und sich ein umfassendes Bild zu machen, will Norbert Zeller demnächst eine Lan-Party besuchen. „Es wird nie die eine richtige Lösung geben“, so Zeller. „Wir werden nie sagen können: `Wir haben jetzt das und das gemacht und jetzt kommt es nie wieder zu einem Amoklauf‘. Es wird einen nächsten Amoklauf geben.“

Dennoch sehe er es als seine Aufgabe, es potentiellen Tätern unmöglich zu machen, einen Amoklauf durchzuführen. „Und da sprechen wir nicht nur über Gewaltspiele. Da gehört ein Mosaikbild von Maßnahmen dazu.“

Unter anderem plädiert Zeller für eine Verschärfung des Waffenrechts und bessere Sicherheit an Schulen. Es sei ein Unding, dass man viele Klassenzimmer nicht einmal von innen abschließen könne.

(Erschienen: 23.11.2009 19:50)

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