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Wenn der Hauptamtsleiter nach Guantanamo muss

Die Wiezuber-Schwätzer( hier :Leo Brugger) halten Stadt und Personen des öffentlichen Lebens den Spiegel vor.
Die Wiezuber-Schwätzer( hier :Leo Brugger) halten Stadt und Personen des öffentlichen Lebens den Spiegel vor. (Foto: mw)

Von Martina Wolters

Meersburg Zwar sind es zum 60. Jubiläum des Wiezuber-G’schwätzes nur vier Mannsbilder, die der fasnachtsheisere Narrenpolizist Thomas Pfau in die Bütt geleitet, dafür fallen deren Beiträge umso länger und bissiger aus. Peter Schmidt macht sich jedenfalls keine Sorgen um den Fortbestand der traditionellen Herrenrunde am Fasnetsonntag. „Die 100 machen wir hier drin auf jeden Fall voll“, spekuliert der Zunftmeister zuversichtlich auf den weiteren Verbleib der Narrenzunft im Ratskeller, nachdem das Zubergeschwätz seit der ersten Sitzung in der Bärenstube zwischenzeitlich sogar im Neuen Schloss residiert habe. Der Ratskeller sei gemütlicher und nicht so kalt. Die schunkelnden Frühschöppler geben ihm Recht. Vergnügt folgen sie dem diesjährigen Jubiläums- Kellertratsch, angeheizt von närrischen Klängen der Stadtkapelle.

Dem vermeintlichen Oberstaatsanwalt Hans Kurray, schon zwanzig Jahre als närrischer Redner dabei, missfallen die Unstimmigkeiten zwischen Hauptamtsleiter und Bürgermeister. Das männliche Publikum feixt ob seinem Vergleich von Schultes und Hauptamtsleiter mit zwei Panzerfahrern. „Da hat der eine die eingetretenen Pfade des anderen Panzerfahrers niedergetreten, damit eigene Spuren besser sichtbar werden“, unkt der Narr mit gelber Fliege und Melone.

In ein ähnliches Horn stößt das närrische Geschwätz von Thomas Eichberger. Das neue Hauptamtsleiter-Domizil im Bürgeramt bezeichnet der Narr mit der aufgesetzten Nase gar als „ Guantanamo für unangenehme Mitarbeiter“. Das entstehende Seniorenwohnstift Augustinum nennt er einen „hochbedrohlichen Bunker“. Den würde der Schelm lieber in Stetten sehen. Schließlich könnten die Fahrzeuge der Miniwehr aus dem Nachbarort dort locker mituntergebracht werden und „die Stettener hätten das neue Feuerwehrhaus eingespart“, witzelt er. Auch zum ewigen Hexenstreit der Schnabelgierezunft mit der Vereinigung schwäbisch-alemannischer Narrenzünfte (VSAN) hat er eine Meinung. Falls die Welt nicht untergehe, wie von den Mayas vorausgesagt, werde sie sich weiterdrehen, ob Meersburg in der VSAN sei oder nicht. Sollte sie doch im Untergehen begriffen sein, „hält Tourismus-Iris unaufgefordert ein Überlebenspaket für Meersburger parat“, ein Konterfei vom Stadtpfarrer inbegriffen, da ist er sich sicher.

Hellseher Klaus Peter Pfau, zum zehnten Mal im Zuber, gibt seinen ausgeschlafenen Zuhörern Tipps, wie die B31-Verkehrsberuhigung in der Ortsdurchfahrt am besten umfahren werden kann. „Bist du hell und bei Verstand, nimm den Weg durchs Hinterland“, reimt er alefanzig. In seiner Zukunftsvision sind die TuS-Fußballer 2025 zwar nicht mehr im Bezirksliga-Rennen, wohl aber die Mannschaft um Sebastian Schmäh. Mit seinem „FC – So sehen Sieger aus“, nimmt er das Riesen-Werbeplakat des Handwerksbetriebes aufs Korn.

Vom Narrenpolizist quasi in die Bütt gezwungen, schwätzt Leo Brugger sich zum großen Vergnügen der Kellerbesucher mit dem ein oder anderen Schwank aus seiner Jugend um Kopf und Kragen. Die Herren der Schöpfung genießen den Mix aus närrischem Spott und derben Witzen und schunkeln sich durch einen gelungenen Frühschoppenmorgen.

(Erschienen: 20.02.2012 10:40)

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