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Nur die Hexen kennen die Wahrheit

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Nur die Hexen kennen die Wahrheit

Von Martin Samland

Meersburg Im Mittelalter hat man sie verfolgt, in der Fasnet hat man sie vergeblich verbannt, jetzt urteilten die Burghexen selber: Das Hexengericht 2012 war unbarmherzig und machte nicht nur den Meersburger Narren Spaß.

Bevor sich das hohe Gericht allerdings mit den neuen Angeklagten beschäftigen konnte, wurde überprüft, ob die im vergangenen Jahr Verurteilten ihre auferlegten Strafen auch verbüßt hatten. Über drei der vier verurteilten Missetäter konnte Gutes berichtet werden. Lediglich einer fiel aus dem Rahmen und bekam eine zweite Chance. Er muss seine Strafe als Märchenonkel verkleidet auf dem Kinderball einlösen. Viel spannender war allerdings die Frage, wen die Hexen in diesem Jahr anklagen würden.

„Zur Anklage vor dem ehrbaren Tribunal des furchtlosen Hexengerichts soll nun erscheinen ein Mann“, forderte die Anklage. Und nach ein paar weiteren Erklärungen stand der SPD-Kreis- und Stadtrat Boris Mattes am Pranger der Hexen. Ihm wurde nicht nur vorgeworfen, dass er nur unregelmäßig an den Sitzungen des Gemeinderates teilnehme, sondern auch, dass er den Vorschlag brachte, die Sitzungen künftig per Videokonferenz aus dem heimischen Wohnzimmer verfolgen zu wollen.

Die Strafe ließ nicht lange auf sich warten: So darf der Verurteilte im nächsten Jahr beim Besuch der Narrenzunft im Kindergarten das Schnabelgiere-Lied singen und das in Vergessenheit geratene Zunft-Grillfest wieder ins Leben rufen.

Als Zweite musste die „geschwätzige Obstverkäuferin“ und stellvertretende Bürgermeisterin von Hagnau, Hedwig Meichle, vor Gericht erscheinen. Besonders schwer wog bei ihr der Vorwurf, sie habe nichts gegen die jüngst eingeführte 30er-Zone in Hagnau unternommen. „Ist dir eigentlich bewusst, dass die Bauern ihr Obst nun früher ernten müssen, weil sie durch die Staukolonnen nicht mehr über die B31 kommen?“, fragte die Anklage, freilich ohne eine Antwort abzuwarten.

Die Strafe folgte sogleich: Unter dem Jubel der Meersburger Bevölkerung wurde die Angeklagte dazu verurteilt, auf einen Umtrunk in ihren Hofladen einzuladen und im nächsten Jahr die Allerlei-Bühne mit einem eigenen Programmpunkt zu bereichern.

Auch der Zimmermann Sebastian Schmäh entging als dritter Angeklagter nicht seiner gerechten Strafe. Ihm warfen die Hexen unter anderem vor, dass er keine Aufträge für Einfamilienhäuser mehr annehme, weil bei diesen Objekten sein Gerüst für die überdimensionalen Werbebanner nicht ausreiche. Zur Strafe muss er nun eine exklusive Kirchturmführung für die Burghexen geben und als Schülerlotse für die Kinder der Sommertalschule für Sicherheit sorgen.

Nachdem der Zimmermann zehn Besenhiebe erhalten hatte, verabschiedete sich das hohe Gericht: „Die Strafen wurden ausgesprochen, das Urteil ist vollzogen. Bestimmt hat‘s mal wieder die richtigen Getroffen, es war fast nichts gelogen.“

(Erschienen: 21.02.2012 15:10)

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