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Narren entern die Fasnetshochburg Markdorf

Narren entern die Fasnetshochburg Markdorf
Narren entern die Fasnetshochburg Markdorf

VonMatthew Ohneschopf

Markdorf Die Narren haben Markdorf überfallen – getreu dem Motto „Markdorf total verruckt“. Erstes Opfer war die Schwäbische Zeitung: Die Redaktionsräume wurden von Piraten geentert. Unter ihrem Kommando wurde am frühen Morgen noch ein Extrablatt gedruckt: Die „Schäbige Zeitung“ (siehe dritte Lokalseite). Diese verteilten die SZ-Piraten in der Innenstadt an das bunte Narrenvolk.

Denn der Fastnachtsmontag gehört in Markdorf traditionell den freien Narren: In bunten Gruppen erobern sie die Altstadt. Zwischen Rathausplatz und Untertor hat der Frohsinn am Rosenmontag seine Heimat. Spaßige Ideen, humoristische Einfälle und einige Seitenhiebe auf aktuelle Bundes- und Kommunalpolitik sind auf der Straße verpackt in Kostüme zu finden. Da tummelt sich beispielsweise der Trupp vom Kirchenchor St. Nikolaus: Sie haben sich zur Debatte um die Ansiedlung von Windrädern auf dem Gehrenberg lustige Windrädchen auf den Kopf gesetzt und singen vor dem Rathaus von Sturm und Wind. Narrenbüttel Dietmar Bitzenhofer hat sich als Henry Maske unter das Narrenvolk gemischt: Er haut den Leuten aber keine auf die Nase, sondern setzt ihnen lustige Masken auf dieselbe, um sie darin sofort zu fotografieren.

Wirklich eindrucksvoll: Albträume des Karnevals in Venedig. Bis zu zwei Jahre hatten die Narren an diesen Kostümen gearbeitet. Aufwendige Pappmaschee-Figuren wie Drachen und andere Sagengestalten hatten sich auf den Schultern der Akteure niedergelassen, um das umstehende Volk in Schrecken zu versetzen.

Am Rosenmontag spielt Markdorf total verruckt
Fotos:
Am Rosenmontag spielt Markdorf total verruckt

Eines ist ganz klar: Der Spaß steht bei „Markdorf total verruckt“ natürlich im Vordergrund. So erklärt sich auch das improvisierte Dixie-Klo direkt vor dem Rathaus. Die resoluten Klodamen verabreichen zunächst „Verdauungsmittel“ in Form von Bonbons oder Pralinen, anschließend darf sich der Narr auf den Porzellan-Thron setzen. Auch wenn er kein wirkliches Geschäft verrichtet, wird ihm dennoch Papier gereicht - in Form von zerrissenem Zeitungspapier...

Richard Gratwohl, angesehener Frisör aus dem Hinterhof der Ulrichstraße, kümmert sich diesmal nicht um die Haarpracht der Narrenschar, sondern hat sein Augenmerk auf tiefere Gefilde gelegt: die Schuhe. Als Schuhputzer verdingt er sich am Nachmittag und ist der Grund dafür, dass die Narren anschließend nicht nur eine flotte sondern auch eine glänzende Sohle auf das Kopfsteinpflaster legen können. Schlüpfrig geht es an der Kirchenmauer zu: Dort wird gezeigt, was Bürgermeister, Büttel und Narreneltern „drunter“ tragen.

Ein Hauptquartier der Narren ist traditionell das Pfarrheim. Mit Most und Brezeln versorgt schunkelt die Narrenschar und singt gemeinsam die alten Fastnachtsknaller – der Pfarrer natürlich immer mittendrin. Aber gesungen wird auch vor dem Pfarrheim: Der „Narrenchor“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, das alte Liedgut wieder unter das Volk zu bringen. Erst werden die Liedzettel verteilt, anschließend die Umstehenden zum Mitsingen animiert. Das ist „Markdorf total verruckt“: Fastnacht zum Mitmachen...

(Erschienen: 20.02.2012 20:00)

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