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Kurtaxe spaltet das Deggenhausertal

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Deggenhausertal / sz Braucht das Deggenhausertal eine Kurtaxe? Angesichts von rund 50 000 Euro geplanten Ausgaben für die Fremdenverkehrsförderung im Haushaltsplan 2012 stellten sich gleich mehrere Gemeinderäte am Dienstag die Frage, wie die Einnahmeseite gestärkt werden könnte. Bürgermeister Knut Simon will keinen Alleingang im Deggenhausertal, das zum Verbund „Ferienlandschaft Gehrenberg-Bodensee“ gehört. Außerdem sollen verschiedene Modelle – Kurtaxe, Fremdenverkehrsabgabe – erst geprüft werden. Nicht gerade begeistert zeigen sich einige Vermieter.

Schon im Vorfeld der Sitzung hatte die SPD-Fraktion das brenzlige Thema aufs Tapet gebracht und eine Fremdenverkehrsabgabe gefordert. Ein Euro pro Übernachtung sei machbar, forderten Josef Jehle und Heike Fischer. In den vergangenen Jahren gab es rund 100 000 Übernachtungen pro Jahr im „Tal der Liebe“. In der Sitzung am Dienstag war es jedoch Karl Anton Meschenmoser (CDU), der das Thema ansprach. Bürgermeister Knut Simon betonte, dass es zig-Varianten gebe, mit dem Fremdenverkehr Geld in die Gemeindekasse zu spülen. „Fremdenverkehrsabgabe, Kurtaxe, welche Variante ist gerecht?“, stellte Simon die Frage in den Raum. Man müsse sich erst genau informieren, was zur Gemeinde passe. Mit seinem Amtskollegen Karl-Heinz Beck, Bürgermeister von Oberteuringen, habe er schon Vorstöße in Richtung Fremdenverkehrsabgabe gemacht. Einen Alleingang halte er nicht für sinnvoll.

Barbara Reichart, Leiterin der zentralen Tourist-Information der „Ferienlandschaft Gehrenberg-Bodensee“, bestätigte auf Nachfrage der Schwäbischen Zeitung, dass eine Fremdenverkehrsabgabe von Seiten des Deggenhausertals schon angesprochen worden sei. Von den anderen Gemeinden habe man noch nichts gehört, deshalb konnte Reichart keine Aussage dazu machen, wie Markdorf, Bermatingen und Oberteuringen zur Kurtaxe stehen.

Sehr wohl etwas sagen kann Albert Scherer, der in Unterhomberg Ferienwohnungen vermietet. Ihm platzt fast der Kragen, denn für ihn stimmt die Rechnung nicht. „Ich möchte Kämmerer Josef Schweizer bitten, eine Aufstellung zu machen, welche Gelder durch den Fremdenverkehr in die Kasse fließen“, sagt er auf Nachfrage der Schwäbischen Zeitung. Der DEHOGA mache entsprechende Erhebungen. Man müsse unter anderem die Gewerbesteuer einrechnen, die von den Vermietern bezahlt werde. Ebenso die Gewerbesteuer von Betrieben, die durch den Tourismus einen höheren Absatz haben. „Jeder achte Arbeitsplatz hängt am Fremdenverkehr“, gab Scherer zu bedenken. Auch Grundsteuer kassiere die Gemeinde, wenn die Vermieter neue Unterkünfte bauen. Ebenso verdiene die Gemeinde am Wasser, das die Touristen verbrauchen.

Ungerecht findet Albert Scherer, dass die Vermieter sämtliche Mehrarbeit tragen müssten, die durch eine Kurtaxe entstünde. Alle anderen, die durch den Tourismus Einnahmen haben, hätten keine zusätzliche Belastung. Er sieht nicht nur einen finanziellen Aspekt, vielmehr sei auch das Ehrenamt durch die Einführung einer Abgabe gefährdet. Er selbst engagiert sich im Förderverein, der unter anderem den Schaukelweg gestaltet hat. „Alle Ehrenamtlichen würden das Handtuch werfen, wenn die Kurtaxe käme“, meint Scherer.

Ähnlich argumentiert Jürgen Waizenegger vom Naturhotel Mohren in Limpach. „Die Gastronomielandschaft im Deggenhausertal ist sehr gut, die Gastronomen stehen seit Jahrzehnten für den guten Namen der Gastronomie“, betont er. Man gehe sowieso schon in Vorleistung und bringe Gäste ins Tal. Sollte die Kurtaxe kommen, müsse man die Preise anpassen. „Sonst gibt es eine Minusrunde für die Wirte.“ Für eine Abgabe wäre er nur, wenn es durch die Mehreinnahmen einen Extra-Marketing-Topf gibt und somit eine bessere Positionierung der Betriebe.

„Höchsten“-Wirt Hans-Peter Kleemann denkt, dass die Einführung einer Abgabe eine automatische Erwartungshaltung bei den Gästen auslöse. „Der Feriengast erwartet dann einen Mehrwert beim Angebot“, meint er.

(Erschienen: 08.02.2012 22:00)

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