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Rothfuß will am zweiten Bürgerbegehren festhalten

Strauß freut sich über eindeutiges Resultat – OB Seidl will Gespräch mit Schober (CSU) suchen
Geballte Enttäuschung: Die CSU mit Rainer Rothfuß, Roland Freiberg und Karl Schober sah sich beim Bürgerentscheid auf der Verliererseite.
Geballte Enttäuschung: Die CSU mit Rainer Rothfuß, Roland Freiberg und Karl Schober sah sich beim Bürgerentscheid auf der Verliererseite. (Foto: Christian Flemming)

Von Jürgen T. Widmer

Lindau In der Politik ist es manchmal wie im Fußballspiel: Einer gewinnt, einer verliert. Roland Freiberg, CSU-Fraktionsvorsitzender im Lindauer Stadtrat, wollte am Sonntagabend zwei Siege eingefahren sehen: Zunächst ein klares „Nein“ zur Kombilösung, dann einen Erfolg des FC Bayern in Stuttgart. Im zweiten Fall wusste er sich mit Kombi-Befürworter Alexander Kiss (Bunte Liste) einig. Dessen Blick ging zwischendurch per Liveticker auch immer nach Stuttgart.

Im Fall von Kiss lag dies auch daran, dass in Sachen Bürgerentscheid die Spannung recht schnell raus war. Schon die erste Ergebnisrechnung ließ die Gesichter in Reihen der CSU lang werden, als alle drei Reutiner Wahlbezirke verloren gingen, wurden sie noch länger.

Gleichzeitig spielten sich bei den Befürwortern der Kombilösung interfraktionelle Jubelszenen ab. Katrin Dorfmüller (SPD) herzte die Bunte Liste einmal rauf und runter. Peter Triloff (Bunte) haute Günther Brombeiß (Freie Bürger) kräftig auf die Schulter. Jürgen Müller (Freie Wähler) wiederum freute sich mit OB-Kandidat Gerhard Ecker. Sogar der eher stille Xaver Fichtl (ÖDP) fühlte sich sichtlich frohgestimmt in dieser Runde.

Strauß ganz entspannt

Den Kombibefürwortern war die Erleichterung deutlich anzumerken. Es war wohl ein kompletter Bahndamm, der dem OB-Kandidaten der Bunten Liste, Max Strauß, vom Herzen fiel. „Ich bin froh über das eindeutige Ergebnis und dass wir das Quorum erreicht haben. Vielleicht hilft dies ja der CSU über ihren schwarzen Schatten zu springen, und auf ein weiteres Bürgerbegehren zu verzichten.“

Oberbürgermeisterin Petra Seidl, die sonntagfrüh noch bis um halb drei auf dem Heimweg von einer privaten Feier in Sachen Kombi argumentiert hatte, freute sich „darüber, dass wir alle Reutiner Bezirke gewonnen haben. Ich hoffe, dass die CSU jetzt mal eine Nacht über das Ergebnis schläft, und dann ihr Bürgerbegehren zurückzieht. Das ist auch die Chance, einen der vielleicht entstandenen Gräben wieder zu schließen.“

Ihr Konkurrent Gerhard Ecker hatte ebenfalls für die Kombilösung geworben und war froh, „dass die Bürger diese technisch richtige und zukunftsträchtige Variante bestätigt haben.“ Brombeiß (Freie Bürger) freute sich als langjähriger Reutin-Befürworter über das eindeutige Ergebnis: „Damit bekommt Reutin einen Bahnhalt.“

Stadträtin Bärbel Heumann (Bunte Liste) hofft, dass sich im Stadtrat jetzt auch neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit ergeben. „Ich denke, die Einigkeit zwischen Bunter Liste, SPD, ÖDP und den Freien Bürgern und Wählern wird auch unseren Umgang ändern.“

Nur Oberreitnau gegen Kombi

Für die CSU war das Ergebnis gestern natürlich eine Enttäuschung. Mit großem Einsatz hatten die Mitglieder Unterschriften für ein Gegen-Bürgerbegehren gesammelt. Karl Schober, der in Oberreitnau wohnt und dort den einzigen Sieg für die Kombi-Gegner verbuchen durfte, gab sich abwartend. „Wir müssen das Ergebnis zur Kenntnis nehmen. Ich habe mir ein eindeutiges Ergebnis gewünscht. Aber natürlich wollte ich es andersrum haben.“

Anders der OB-Kandidat der CSU, Rainer Rothfuß, der an seiner Lösung eines Hauptbahnhofs Reutin mit eingleisiger Schienenanbindung festhielt. „Wir müssen auf jeden Fall die Frage noch einmal andersrum stellen. Es sind ja fast 60 Prozent der Wahlberechtigten daheim geblieben.“ Diese verbuchte er auf Nachfrage als schweigende Mehrheit, die seiner Lösung zustimme.

„Zudem können wir unser Bürgerbegehren gar nicht zurückziehen. Es haben mehr als 2800 Menschen dafür unterschrieben“, gab er zu Protokoll. „In dieser wichtigen Frage, müssen alle jetzt noch die Geduld bis 18. März aufbringen“, forderte er. Dies gelte auch für die Bahn.

Seidl hingegen will nun zügig Verhandlungen mit der Bahn aufnehmen: „Ich habe jetzt eine starke Unterstützung der Bürger im Rücken.“

Freiberg sah derweil immerhin ein Licht am Ende des Tunnels: Der FC Bayern hatte in Stuttgart mit 2:1 gewonnen. In der Politik ist es halt wie im Fußball. Einer muss verlieren. Aber wie sagte schon der legendäre Trainer Dragoslav „Steppi“ Stepanovic: „Läbbe gäht weiter.“

Lindau

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(Erschienen: 11.12.2011 21:05)

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