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Rien ne va plus: Mitarbeiter fürchten um Lindauer Spielbank

Personalrat wirft Freistaat vor, keine Ideen gegen den Niedergang des Casinos zu haben
Der Freistaat dürfe die Spielbank nicht länger nur verwalten, sondern müsse wie ein Unternehmer die Geschicke in die Hand nehmen, fordert Roland Boso, Personalratsvorsitzender des Lindauer Casinos.
Der Freistaat dürfe die Spielbank nicht länger nur verwalten, sondern müsse wie ein Unternehmer die Geschicke in die Hand nehmen, fordert Roland Boso, Personalratsvorsitzender des Lindauer Casinos. (Foto: Christian Flemming)

Von Dirk Augustin

Lindau Wenn Lotterieverwaltung und Finanzministerium so weitermachen, werde es in Lindau in ein paar Jahren keine Spielbank mehr geben. So drastisch lassen sich die Sorgen der 71 Mitarbeiter des Lindauer Casinos zusammenfassen, die Personalratsvorsitzender Roland Boso im Gespräch mit der LZ aufzählt. Es sei falsch, zurückgehende Besucherzahlen und sinkende Spielerlöse nur auf das Rauchverbot zurückzuführen. Grundproblem sei vielmehr, dass die Beamten im Ministerium die Spielbanken nur verwalteten und nicht an den geänderten Markt anpassten. Den Lindauer Spielbankchef Nikolaus Bartl nimmt Boso ausdrücklich von der Kritik aus, aber den lasse das Ministerium nicht machen.

Boso ist frustriert. Denn das Problem ist nicht neu. Schon seit dem vergangenen Jahr drängt der Bezirkspersonalrat aller neun bayerischen Spielbanken darauf, dass Lotterieverwaltung und das zuständige Ministerium sich Gedanken machen, wie man den Casinos wieder Auftrieb geben kann. Doch passiert sei nichts. Im März hat die Mitarbeitervertretung deshalb selbst erste Ideen für ein Zukunftskonzept vorgelegt. Vor einer Woche nun wollten Ministerium und Personalrat eigentlich Konzepte austauschen und diskutieren. Doch die Ministeriumsvertreter seien mit leeren Händen gekommen.

Deshalb ist Boso der Kragen geplatzt. Er setzt jetzt auf Hilfe durch die Landtagsabgeordneten, hat Kontakt zu Landrat Elmar Stegmann aufgenommen und mit Oberbürgermeisterin Petra Seidl gesprochen. Immerhin ist die Spielbank nicht nur Brötchengeber für 70 Familien aus Lindau und Umgebung, sondern trägt wesentlich zu den städtischen Finanzen bei. Denn die Spielbank zahlt nicht nur Miete, sondern überweist zusätzlich derzeit gut 900.000 Euro auf die Konten der Stadt. Zum Vergleich: Vor sechs Jahren waren es noch 1,7 Millionen Euro. Hinzu kommt nach wie vor ein großzügiges Sponsoring von Kultur, Vereinen und Initiativen der Stadt.

Vor diesem Hintergrund wirft Boso dem Ministerium zudem vor, es hantiere mit falschen Zahlen. Denn es sei keineswegs so, dass der Freistaat Millionen zuschießen muss, um die Spielbanken am Laufen zu halten. Richtig sei vielmehr, dass die Spielbanken auch im laufenden Krisenjahr voraussichtlich knapp zwölf Millionen Euro für den Haushalt der Städte und des Freistaats erwirtschaften werden. Dieser Betrag sei acht Millionen niedriger als erhofft, aber deshalb könne nicht die Rede vom Zuschussbetrieb sein, rechnet Boso vor.

Politiker sollen helfen

Boso hofft auf einen Neustart nach Bregenzer Vorbild. Denn auf der anderen Seeseite steigert das Casino seit Jahren Besucherzahlen und Einspielerlöse – auch indem es Gäste aus Lindau und Umgebung anlockt. Und das liegt nicht nur daran, dass Gäste dort rauchen dürfen. „Die sind kundenorientierter“, weiß Boso und verweist auf niedriges Eintrittsalter, unkomplizierten Umgang mit Kreditkarten und Eintrittspakete, die Begrüßungsdrinks und Jetons enthalten. Auf mehreren Seiten hat der Personalrat seine Ideen zusammengefasst und hofft nun, dass mit Hilfe der örtlichen Politiker sich im Ministerium endlich was bewegt.

(Erschienen: 22.07.2011 16:10)

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