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Nur-Reutin bringt Berliner Platz zum Stillstand

Staatliches Bauamt bestätigt, dass es bisher keine vernünftige Planung für eine Anbindung des Bahnhofs gibt
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Die DB AG plant den Reutiner Hauptbahnhof mit einer Straße, die parallel zur Bregenzer Straße geführt wird und an diese auf Höhe des Herbergswegs und der Blaukreuzstraße jeweils über Kreisverkehre angeschlossen sein soll.
Die DB AG plant den Reutiner Hauptbahnhof mit einer Straße, die parallel zur Bregenzer Straße geführt wird und an diese auf Höhe des Herbergswegs und der Blaukreuzstraße jeweils über Kreisverkehre angeschlossen sein soll. (Foto: Stadt Lindau)

Von Dirk Augustin

Lindau Der Streit zwischen den Befürworter der Kombilösung und den Freunden von Nur-Reutin nimmt zu. Dabei geht es in erster Linie um Kosten, Umsteigebeziehungen und Entwicklungsmöglichkeiten der Stadt. Außer Acht gerät dabei, dass der neue Bahnhof oder Bahnhalt auch an das heutige Straßennetz angeschlossen werden muss. Und da sieht das Staatliche Bauamt vor allem bei Nur-Reutin enorme Probleme. Die bisher vorgelegten Pläne führten zu einem Stillstand des Verkehrs um den Berliner Platz, sagt Thomas Hanrieder vom Staatlichen Bauamt Kempten. In einem möglichen Planfeststellungsverfahren werde seine Behörde deshalb eine grundlegende Überarbeitung der Zufahrt fordern. Allerdings äußert Hanrieder auch Zweifel an den Plänen für eine Anbindung der Kombilösung.

Als der von der Stadt beauftragt Verkehrsgutachter Dieter Stahl bei der jüngsten Stadtratssitzung vortrug, dass die Pläne der Bahn AG zum Verkehrsstillstand in Reutin führen würde, hielten Kritiker ihm vor, er rede im Auftrag der Kombibefürworter die Nur-Reutin-Pläne schlecht. Deshalb hat die LZ sich an das Staatliche Bauamt gewandt, das als unabhängige Behörde einen genauen Blick auf alle Pläne rund um den neuen Bahnhof hat. Handelt es sich bei Kemptener Straße und Bregenzer Straße in Richtung Österreich doch um Bundesstraßen und bei der Bregenzer Straße in Richtung Insel um eine Staatsstraße, für die das Staatliche Bauamt verantwortlich ist.

Die Behörde hat deshalb schon länger die Pläne der Bahn AG für die Anbindung des in Reutin geplanten Bahnhofs geprüft. Hanrieder zögert ein wenig im Gespräch mit der LZ, weil er sich eigentlich nicht in den Wahlkampf um die Bahnhoflösung einmischen will. Dann räumt er aber ein, dass es so nicht gehen kann, wie sich die Bahn das vorstellt. Dabei unterscheidet Hanrieder die beiden Kreisverkehre. Der Kreisel auf Höhe der Blaukreuzstraße werde wohl keine Probleme machen. Dort sei der Verkehr reibungslos abzuwickeln.

Kreisverkehr funktioniert nicht

Anders sieht es beim Kreisel aus, den die Bahn AG auf Höhe des Limare plant. Dort liege ihm kein Nachweis vor, dass dieser Kreisverkehr den Verkehr abwickeln kann. Und es gebe keinen Nachweis, weil es nicht geht. „Bis heute kenne ich für einen Hauptbahnhof Reutin keine befriedigende Lösung.“ Die nötigen Verkehrsmengen ließen sich dort nicht durch einen Kreisel schleusen. Dabei widerspricht Hanrieder auch dem Verkehrsplaner Stahl, der gemeint hatte, dass dies zur Not bei einer aus beiden Richtungen zweispurigen Zufahrt und in beide Richtungen zweispurigen Ausfahrt möglich wäre. Zweispurige Ausfahrten sind an kleinen bis normalen Kreisverkehren äußerst unfallträchtig und seien somit hier nicht geeignet. Recht gibt Hanrieder Stahl aber hinsichtlich der Angabe, dass für einen Kreisverkehr samt Zufahrten an dieser Stelle wohl alle Plantanen entlang der Bregenzer Straße gefällt werden müssten.

Hanrieder betont ausdrücklich, dass die Absage an den Anschluss per Kreisel nicht zwangsläufig das Aus für einen Hauptbahnhof in Reutin bedeuten muss. Die Bahn AG müsse an dieser Stelle aber komplett neu planen, wenn sie im Planfeststellungsverfahren nicht Schiffbruch erleiden wolle. Alternativen kann Hanrieder nicht aufzeigen, weil es nicht seine Aufgabe ist, die Planung der Bahn zu erstellen. Der Verkehrsfachmann des Staatlichen Bauamts gibt aber zu bedenken, dass wohl alle Lösungen einen aufwendigen und damit teueren Umbau des Berliner Platzes nach sich ziehen, sofern sich die heutigen Verkehrsbeziehungen nicht grundlegend ändern werden.

Zweifel auch am Kombi-Kreisel

Zweifel hat Hanrieder auch noch, ob die von der Stadt vorgesehene Anbindung der Kombilösung mittels einem Kreisverkehr funktioniert. Dabei seien die Berechnungen von Verkehrsplaner Stahl sehr schlüssig. „Da ist sogar noch Luft.“ Und wenn die zu Grunde gelegten Verkehrszahlen stimmen, dann funktioniere das auch. Hanrieder kann aber nicht nachvollziehen, woher diese Grundlagenzahlen kommen. Das sei möglicherweise dem Zeitdruck geschuldet, unter dem die Stadt diese Planung erstellen musste. Wenn die Stadt entsprechend plausible Berechnungen nachreicht, dann könnte das passen. Derzeit hat Hanrieder aber den Eindruck, dass auch die Kombilösung auf die Dauer möglicherweise mehr Verkehr nach Reutin zieht, als von der Stadt bisher erwartet.

Unabhängig von allen Bahnhofsfragen räumt Hanrieder ein, dass Bund, Freistaat, Stadt und Lindaupark als Straßenanlieger des Berliner Platzes sich Gedanken machen müssen, wie man den Kreisverkehr entlastet. Das aber sei erst sinnvoll, wenn die Bahnhoffrage endgültig entschieden ist.

(Erschienen: 17.11.2011 15:05)

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