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Stadtnachrichten Lindau

Die Bahn hofft auf ein klares Ergebnis

Bayerns Bahnchef Klaus-Dieter Josel und Volker Hentschel von der DB Netz im Gespräch mit der LZ
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Volker Hentschel von der DB Netz AG wartet auf die Entscheidung der Lindauer.
Volker Hentschel von der DB Netz AG wartet auf die Entscheidung der Lindauer. (Foto: privat)

Lindau / sz Nicht nur die Lindauer sind gespannt, wie der Bürgerentscheid am Sonntag ausgeht. Auch die Verantwortlichen der Bahn AG warten dringend auf ein Meinungsbild der Lindauer im Bahnhofstreit. Das machen Klaus-Dieter Josel, der Chef der Bahn in Bayern, und Volker Hentschel, Produktionsleiter der DB Netz AG in Bayern, im Gespräch mit LZ-Redakteur Dirk Augustin klar.

LZ: Was erhoffen Sie sich denn am Sonntag von den Lindauern?

Hentschel: Wir brauchen ein klares Ergebnis. Von unserer Seite wäre uns die Zustimmung zu einem Hauptbahnhof Reutin am liebsten, aber der steht ja nicht zur Abstimmung. Ob die Lindauer dann die Kombilösung mit deutlicher Mehrheit annehmen oder ablehnen, erwarten wir mit Spannung.

Josel: Sie müssen sehen, dass im Hintergrund der Lindauer Bahnhofsentscheidung das Planfeststellungsverfahren für die Elektrifizierung der Strecke Lindau-München steht. Hierfür müssen wir wissen, wie der Knoten Lindau aussieht. Deshalb haben wir im Frühjahr klar gemacht, dass wir bis zum Jahresende eine Entscheidung brauchen. Der Entscheidungsdruck war offensichtlich hilfreich. Jetzt warten wir auf das Ergebnis am Sonntag und sehen dann, wie es weitergeht.

Hentschel: Wir sind froh, dass wir die Diskussion nach 15 Jahren zu einem Ende führen können. Das Jahr 2011 in Schwaben war aus Sicht der DB ein Erfolg. Am Sonntag können wir den viergleisigen Ausbau München-Augsburg mit einer Höchstgeschwindigkeit von 230 Stundenkilometern ebenso in Betrieb nehmen ebenso wie die Neigetechnikstrecke von Buchloe nach Lindau. Zusätzlich haben wir mit dem Freistaat die zweigleisige Sanierung des Tunnels bei Oberstaufen vereinbart. Und wir bekommen hoffentlich in Lindau ein Meinungsbild, das uns in die Lage versetzt, weiterzuplanen.

LZ: Aber endgültig ist dieses Meinungsbild nicht, denn erst im März steht der von der CSU angeschobene Bürgerentscheid zur Abstimmung an …

Josel: Ein neuerlicher Bürgerentscheid muss ja zunächst vom Stadtrat beschlossen werden …

Hentschel: Wir wissen, dass die Stadt nicht verhandeln und keine Verträge unterschreiben darf, sofern ein weiterer Bürgerentscheid zur Abstimmung stehen sollte. Aber wenn die Lindauer am Sonntag eine klare Willensbildung erkennen lassen, dann haben wir eine Grundlage. Dann wissen wir, in welche Richtung es geht. Denn so stark werden sich die Mehrheiten bis März nicht ändern. Außerdem glaube ich, dass sich manches klärt, wenn es am Sonntag eine klare Mehrheit gibt. Denn das Taktieren schätzen die Bürger gar nicht.

Josel: Ich darf nochmal dran erinnern, unter welchem Zeitdruck wir stehen. 2017 sollen die Züge von München nach Lindau elektrisch angetrieben und bogenschnell fahren, und wir müssen für die Planungen wissen, wo dann der Bahnhof stehen soll.

LZ: Ist der Zeitdruck nicht sogar noch größer, wenn tatsächlich 2015 die Südbahn von Lindau nach Ulm unter Strom fahren soll?

Hentschel: Die Südbahn ist zwar in der Planung weiter fortgeschritten als der Ausbau von München nach Lindau, allerdings gibt es bei der Südbahn bis heute keine Finanzierungsvereinbarung mit dem Bund. Diese ist aber Voraussetzung für den Bau. Generell kann ich heute schon sagen: Bis 2015 schaffen wir es aufgrund der erforderlichen Projektschritte nicht, den Lindauer Bahnhof zu elektrifizieren, egal wo er stehen soll.

LZ: Wie schaut denn Ihr Zeitplan für den Lindauer Bahnhof aus?

Hentschel: Er muss zeitgleich mit der Inbetriebnahme der Elektrifizierung fertig sein. Da wollen wir bekanntlich 2015 und 2016 bauen, somit also auch in Lindau. Im kommenden Jahr müssen wir demnach eine Vereinbarung mit der Stadt treffen, und wir müssen planen, denn wir brauchen – je nach Lösung – ein Planfeststellungs- oder Plangenehmigungsverfahren, was auch Zeit kostet. Dann erst können wir bauen. Dabei darf man übrigens auch das Thema Bahnübergänge nicht vergessen. Das Verfahren für die Unterführung Langenweg haben wir eingeleitet, aber auch da gibt es ja in Lindau wohl noch Klärungsbedarf.

LZ: Wie groß ist denn der Zeitdruck durch die angestrebte Elektrifizierung wirklich? Können Sie denn angesichts der Genehmigungsverfahren den Zeitplan überhaupt halten?

Hentschel: Die Dauer von Planfeststellungsverfahren ist immer schwer abzuschätzen. Manche bringt man ganz zügig durch, andere Verfahren dauern mehr als zwei Jahre, ohne dass wir vorher damit gerechnet hätten. Wir haben die Strecke in 15 Planfeststellungsabschnitte aufgeteilt. Sie haben Recht: Der Zeitplan ist sehr ambitioniert und beinhaltet viele Prämissen – nicht nur das Baurecht. Wir haben aber andere Großprojekte schon in solch strengen Zeitplänen durchgebracht.

Josel: Es geht heutzutage darum, die Einwände früh zu erkennen und darauf zu reagieren. Deshalb haben wir die Kommunalpolitiker eingebunden. Wir hatten eine Auftaktveranstaltung im Januar, bei der wir viele wertvolle Anregungen bekommen haben. Und wir haben einen Projektbeirat gegründet.

Hentschel: Wenn wir im Frühjahr die Planung weitgehend abgeschlossen haben, werden wir wieder ins Gespräch kommen. Dann werden wir auch vor Ort gehen. Wir müssen den Betroffenen frühzeitig zeigen, was wir da planen.

LZ: Können Sie in wenigen Worten zusammenfassen, warum aus Ihrer Sicht Nur-Reutin die beste Lösung wäre?

Josel: Wir bekämen eine betrieblich schlanke Infrastruktur und hätten damit langfristig eine neue und moderne Infrastruktur. Der Fernverkehr könnte weiterhin in Lindau halten. Und Lindau bekäme große Entwicklungschancen auf der Insel.

Hentschel: Und Lindau bekäme einen Bahnhof, den man gut erreicht – nicht nur vom Schiff aus.

Josel: Ja, der Bahnhof wäre näher an den Bürgern der Stadt als heute auf der Insel.

LZ: Aber Sie könnten mit der Kombilösung leben, wenn Stadt und Freistaat die Mehrkosten tragen?

Josel: Wir haben schon über den Zeitdruck wegen der Elektrifizierung gesprochen… Wir brauchen jetzt eine Entscheidung. Die Kombilösung-Lindau hätte gegenüber der reinen Insellösung den Vorteil, dass der Fernzughalt für Lindau erhalten bleiben könnte. Auf der Insel geht das nicht, weil wir sonst im Hinblick auf die Fahrzeit die Anschlüsse in den großen Bahnknoten Memmingen, Bregenz und Zürich verlieren.

Hentschel: Das ist doch eine Frage der Durchsetzbarkeit. Wenn man etwas nicht durchsetzen kann, dann geht man eben auf die zweitbeste Lösung. Und aus verkehrlicher Sicht ist die Kombilösung auf jeden Fall besser als der pure Erhalt des Inselbahnhofs, weil auch da die Reutiner einen nahen Zugang zum Bahnverkehr bekommen. Um das ganz klar zu sagen: Wir sind keine Gegner der Kombilösung, die für uns ein Fortschritt ist im Vergleich zum Inselbahnhof, vor allem auch weil die Stadt erstmals bereit ist, einen Teil zur Finanzierung beizutragen.

LZ: Und wie stehen Sie zum Vorschlag der CSU, in Reutin einen Hauptbahnhof zu bauen mit eingleisiger Anbindung der Insel?

Hentschel: Wir haben immer gesagt, dass die DB die Infrastruktur für die Anbindung der Insel nicht betreiben und bezahlen will. Wir werden da nichts investieren. Und in den zwei Jahren Verhandlung ging es von Seiten der Stadt Lindau aus immer nur um eine zweiseitige Inselanbindung, die wir betreiben sollten. Da wäre sehr aufwendige Sicherungstechnik nötig. Wenn die Stadt das selbst macht und sich auf einen einseitigen Anschluss beschließt, kann sie niedrigere, aber ausreichende Standards verwenden, das macht es natürlich billiger.

Josel: Für die DB ist die Verlagerung des Hauptbahnhofes nach Reutin nach wie vor die favorisierte Variante. Wenn ich den Vorschlag der CSU richtig verstehe, dann ähnelt er dem Modell, das wir über zwei Jahre mit der Stadt verhandelt haben. Aber damals wollte sich die Stadt finanziell nicht engagieren. Wenn das Ergebnis des Bürgerentscheids am Sonntag eindeutig gegen die Kombilösung ausfällt, müssten wir uns natürlich damit befassen.

Hentschel: Lassen Sie mich zum Abschluss noch eins sagen: Trotz aller Härte der Diskussion jetzt in Lindau sind die vergangenen sechs Monate aus meiner Sicht doch sehr ergebnisorientiert verlaufen. Denn die Stadt hat sich an die Vereinbarungen gehalten. Ich spreche meine Anerkennung dafür aus, dass Lindau diese sicher nicht einfache Diskussion so gut durchgehalten hat und jetzt zu einem Ergebnis führen will. Egal, wie es dann ausgeht.

(Erschienen: 07.12.2011 19:20)

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