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Stadtnachrichten Lindau

Den Ton etwas runterdrehen

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Den Ton etwas runterdrehen

Von DirkAugustin

Es scheint als hätten die Lindauer am Sonntag die Wahl zwischen dem Spatz in der Hand und der Taube auf dem Dach. Einige verweisen immer wieder auf die großen Chancen, die eine Insel böte, auf der acht Hektar von Schienen frei werden könnten. Sie halten es für möglich, dass Lindau die Schienentrasse kauft, einen Betreiber findet und dass der Freistaat die Rechnung bezahlt. Sie glauben, dass der Verkehr am Berliner Platz entgegen der Vorhersagen der Fachleute trotz Hauptbahnhof in Reutin nicht zusammenbricht, sondern dass all dies der Stadt einen Aufbruch beschert.

Möglicherweise haben die Reutin-Befürworter sogar Recht, wenn sie diese Chancen beschwören. Aber sie sollten dabei nicht die Risiken aus dem Auge verlieren: Wenn nur eine der Hoffnungen zerplatzt, wird es für Lindau so teuer, dass es nicht mehr beherrschbar ist. Deshalb rät die große Mehrheit der Fachleute dazu, den Spatz in der Hand zu nehmen. Denn da sind die Risiken überschaubar, weil fast alles durchgerechnet ist und die Zuschüsse sicher sind – auch wenn diese Lösung Lindau unzweifelhaft ebenfalls sehr viel Geld kosten wird.

Vor diesem Hintergrund erklärt sich der immer lauter werdende Ton der Debatte. Dass in den vergangenen Tagen einzelne Personen zum Teil übel angegangen worden sind, sollte alle politisch aktiven Lindauer veranlassen, den Ton wieder etwas runterzudrehen. Immerhin sind es noch zwei Monate bis zu den OB-Wahlen. Und es wäre Schlimmes zu befürchten, wenn das so weitergeht.

In diesem Zusammenhang seien noch ein paar Worte in eigener Sache erlaubt: Die LZ hat in diesem Streit von Anfang an unabhängig und umfassend berichtet. Wir haben alle Fakten zusammengetragen, wir haben alle Seiten zu Wort kommen lassen, wir haben alle Leserbriefe veröffentlicht, wir haben Minister Zeil geholt und das einzige Podium organisiert, auf dem öffentlich eine inhaltliche Auseinandersetzung über den Bahnhof geführt wurde. Die LZ hat sich in den Kommentaren für die Kombilösung ausgesprochen. Aber das ist Aufgabe des Journalismus und sein Beitrag zur Meinungsbildung. Und dann hat jeder Leser das Recht, den Kommentar gut oder schlecht zu finden. Das ist Demokratie. Und der tut es gut, wenn sich die Gemüter wieder etwas beruhigen.

(Erschienen: 07.12.2011 19:35)

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