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Bahnhof: Stadtratsmehrheit will die Kombilösung

Stadt muss für Kombi höhere Investitionen zahlen, dafür sind bei Nur-Reutin die Folgekosten sehr viel höher
Wenn es nach der Mehrheit im Stadtrat geht, fahren weiter Züge auf die Insel.
Wenn es nach der Mehrheit im Stadtrat geht, fahren weiter Züge auf die Insel. (Foto: ja)

Von Dirk Augustin

Lindau Im Stadtrat nichts Neues: Die Klausurtagung hat die Meinungen der Räte in Sachen Bahnhofstreit verfestigt. OB Petra Seidl ist sich mit BL, SPD, FB, FW und ÖDP einig, dass ein Inselbahnhof mit Bahnhalt in Reutin richtig ist, während die CSU weiter einen alleinigen Bahnhofsneubau in Reutin verfolgt. Am Tag nach der Klausur hat die LZ mit Sprechern aller Gruppen geredet.

Demnach haben Vertreter von Bahn AG und Verkehrsministerium zunächst alle Räte auf den gleichen Wissensstand gebracht. Dabei habe es auch einen Kostenvergleich der drei Varianten gegeben. Laut Oberbürgmeisterin müsste die Stadt für den Nur-Inselbahnhof knapp 2,8 Millionen Euro bezahlen, für die Kombilösung 7,8 Millionen Euro. Die Rechnung für Nur-Reutin ist schwieriger, weil vieles von den Detailplänen der Bahn abhängt, die noch nicht vorliegen. Deshalb geht die Stadt von Investitionskosten zwischen 3,8 und 5,8 Millionen Euro aus, hinzu kommen mindestens eine halbe Million Euro pro Jahr Mehrkosten für eine Buslinie zwischen dem neuen Bahnhof und der Insel.

Weitere Kosten entstehen, weil die Stadt bei dem nötigen Umbau des Berliner Platzes etwa ein Viertel der Kosten tragen muss. Weil der Platz von der Automenge eigentlich schon heute überlastet ist, muss dort sowieso was passieren. Erst Detailplanungen mit dem Staatlichen Bauamt Kempten je nach Lage des Reutiner Bahnhalts oder Bahnhofes werden aber Aufschluss über die Kosten geben. Dazu wird es in den nächsten Wochen wahrscheinlich auch keine genaueren Angaben geben.

Verkehrsplaner Dieter Stahl hat die Mehrheit der Räte noch überzeugt mit seinem Bericht zur von der Bahn geplanten Anbindung der Zufahrt zu einem neuen Nur-Reutin-Bahnhof. Demnach ist an der Einmündung Herbergsweg nichtgenug Platz, um den dort notwendigen Kreisverkehr so groß zu bauen, wie er sein müsste. Stahl geht davon aus, dass der zunehmende Verkehr an dieser Stelle zusammenbrechen wird.

Klar ist, dass der Zentrale Umsteigepunkt (ZUP) für den Stadtbus bei jeder der drei Lösungen in der Anheggerstraße bleibt. Eine Verlegung nach Reutin wäre zu teuer, außerdem könnte der Bus in diesem Fall nicht mehr jede halbe Stunde die heutigen Endpunkte in Ober- und Unterreitnau sowie Schachen anfahren. Bei der Kombilösung könnte laut Stadtwerkechef Klaus Steiner alles bleiben wie es ist, während bei Nur-Reutin ein Pendelbus zwischen dem neuen Bahnhof und der Insel nötig wäre. Steiner rechnet mit Mindestkosten von einer halben Million Euro im Jahr, auf 20 Jahre gerechnet wären das bei einer zweiprozentigen Preissteigerung 13,2, Millionen Euro. Das würde Reutin deutlich teurer machen als die Kombilösung.

Karl Schober und Roland Freiberg (CSU) sprachen sich gegenüber der LZ dennoch für Reutin aus. Auch wenn Bahn AG und Ministerium das zuletzt strikt ausgeschlossen hatten, hoffen sie noch auf einen Shuttlezug zwischen Reutin und einem kleinen Inselhalt.

Mehrheit für Bürgerentscheid

OB Seidl, Max Strauß (BL), Angelika Rundel und Uwe Birk (SPD), Günther Brombeiß (FB) und Ursula Krieger (FW) halten dagegen und verweisen auf hohe Kosten und viele Probleme, die ein neuer großer Bahnhof in Reutin mit sich bringe. Seidl will deshalb am kommenden Dienstag im Stadtrat die Kombilösung vorschlagen und kann mit einer deutlichen Mehrheit rechnen. Ebenso groß wird die Mehrheit für einen Bürgerentscheid sein. Die Lindauer sollen demnach am 11. Dezember abstimmen, ob sie die Kombilösung mittragen.

Die CSU will dagegen einen Antrag stellen, dass die Bürger über Reutin abstimmen und die Kombilösung nur zum Tragen kommt, wenn die Mehrheit den Festlandbahnhof ablehnt. Die Aussicht auf eine Mehrheit für diese Pläne sind aber gering. Freiberg und Schober bestätigten deshalb gestern, dass es Überlegungen für ein Bürgerbegehren gibt.

Möglichweise haben die Reutinfreunde dabei nicht so viel Zeitdruck. Denn einzelne Stadträte haben aus den Worten von Bahnmanager Volker Hentschel am Montag herausgehört, dass die Bahn nicht auf einer Entscheidung bis Jahresende besteht, solange sie Chancen sieht, doch noch einen Festlandbahnhof in Reutin zu bekommen wie sie ihn eigentlich seit Jahren will.

Einen Bericht mit ausführlichen Stellungnahmen der OB und der einzelnen Fraktionen sowie des Verkehrsministeriums und der Bahn AG finden Sie in der morgigen Ausgabe.

(Erschienen: 18.10.2011 16:45)

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