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Angell-Demmel will Arbeitsplätze erhalten

Angell-Demmel will Arbeitsplätze erhalten
Angell-Demmel will Arbeitsplätze erhalten

LINDAU / sz Bei Angell-Demmel geht die Angst um: 700 Mitarbeiter fürchten, ihren Arbeitsplatz zu verlieren, nachdem die Firma am Mittwoch Insolvenz angemeldet hat. Der plötzliche Auftragsboom sei für das Unternehmen zu viel geworden, und darunter habe die Qualität gelitten, nennt Geschäftsführer Franz-Holger Woitowitz als Grund für die finanzielle Schieflage.

Von unserer Redakteurin  Sandra Pohl

„Auch ich habe Angst davor, meinen Arbeitsplatz zu verlieren“, schildert Betriebsratsvorsitzender Muzaffer Bilkotc. Die Stimmung sei verständlicherweise gedrückt und die Mitglieder des Betriebsrats hätten alle Hände voll zu tun, die Kollegen zu informieren und ihnen Mut zu machen. „Trotzdem glaube ich, dass wir positiv in die Zukunft blicken können“, gibt sich Bilkotc zuversichtlich. Denn die Geschäftsführung und der Insolvenzverwalter seien stark daran interessiert, jeden Arbeitsplatz zu erhalten. Angell-Demmel sei schließlich Marktführer bei der Fertigung von Autoverzierungen und –dekorationen.

„Wir fertigen für die großen Autokonzerne wie BMW, Daimler und VW. Und weil kein anderer diese Teile herstellt, können die Autos ohne uns nicht vom Band laufen“, erklärt der Betriebsratsvorsitzende und stützt damit das Versprechen von Geschäftsführer Franz-Holger Woitowitz, alle Stammarbeitsplätze in Lindau und im österreichischen Kennelbach zu erhalten.

Dass sein Arbeitgeber in Schieflage geraten ist, wundert Bilkotc nicht. Seit Monaten hätten die Mitarbeiter unter Hochdruck gearbeitet, um die große Nachfrage zu befriedigen. Neue Mitarbeiter seien deshalb ohne große Einweisung an die Maschinen gestellt worden. „Natürlich verschlechtert sich damit die Qualität. Darauf haben wir schon vor Monaten hingewiesen“, berichtet Bilkotc, der sich darüber ärgert, dass nun die Mitarbeiter verantwortlich gemacht werden: „Die Chefetage hat sich zwar einsichtig gezeigt, passiert ist aber gar nichts.“ Lediglich der Druck sei von oben nach unten weitergegeben worden. „Der Fisch stinkt also vom Kopf her.“

Diesen Sachverhalt schildert auch Gerhard Stelzer von der IG-Metall. „Bereits vor Monaten ist ein Hinweis an die Geschäftsführung erfolgt.“ Dennoch gehe es im Augenblick nicht darum, einen Schuldigen zu suchen, sondern einen Weg aus der Insolvenz zu finden. „Wir arbeiten mit dem Betriebsrat zusammen und schauen, dass möglichst alle Arbeitsplätze erhalten bleiben“, sagt Stelzer, der die Chancen dafür recht gut einschätzt. „Wichtig ist, dass der menschliche Aspekt im Sanierungskonzept nicht untergeht.“

Insolvenzverwalter ist schon da

Diesen Apell richtet er vor allem an Insolvenzverwalter Marco Liebler, der bereits vorgestern in Lindau eingetroffen ist. Dieser feilt nun gemeinsam mit der Geschäftsführung daran, die Firma zu retten. Wie lange das dauert, kann im Moment noch niemand abschätzen. Um die bangende Belegschaft nicht im Unklaren zu lassen, planen Gewerkschaft und Betriebsrat, in den nächsten Tagen Versammlungen und Sprechstunden abzuhalten. „Wir wollen den Beschäftigten erklären, was auf sie zukommt“, sagt Stelzer.

(Erschienen: 03.09.2010 19:25)

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