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In Schongau läuftes derzeit prächtig

Der nächste EVL-Gegner in der Eishockey-Abstiegsrunde steht jetzt obenauf
Robert Kienle
Robert Kienle (Foto: miho)

Von Micha Horling

Schongau Was war das doch für eine gruselige Bilanz für die EA Schongau. Nach dem Sieg am allerersten Spieltag gegen Mitaufsteiger Nürnberg kam der Neuling aus Oberbayern nur noch am 9. Spieltag gegen Dorfen zu einem Dreier, verlor ansonsten seine 28 Hauptrundenpartien und landete mit sieben Zählern Rückstand auf Nürnberg als abgeschlagenes Schlusslicht mit Abstand auf Rang 16 der Tabelle. Im Verlauf der Runde griffen die üblichen Maßnahmen: Trainer Heinz Feilmeier musste gehen (sein Sohn Tobias machte es ihm nach und wechselte nach Pfaffenhofen), mit Mattias Astrén wurde der schwedische Kontingentspieler frühzeitig als zu leicht empfunden und ausgetauscht. Unter Coach Robert Kienle und mit dem Slowaken Julius Sinkovic als Ausländer wurde es jedoch zunächst kaum besser.

Sinkovic, gleichzeitig einer der zehn bösen Buben der Bayernliga, sammelte in 27 Partien zumindest 40 Scorerpunkte, traf dabei 17 Mal und belegte Rang 24 bei den Top-Scorern der Liga. Besser war nur Matthias Schuster als zehntbester Offensivverteidiger mit guten 18 Punkten. Ansonsten fielen Schongauer Spieler kaum positiv auf – wie denn auch: Bei den meisten Gegentreffern (171, Schnitt: 5,7) und den wenigsten geschossenen Toren. 78 waren es knapp mehr als zweieinhalb pro Partie.

Doch war es in der Eishockey-Bayernliga in den vergangenen Jahren fast immer so, dass ein Hauptrunden-Kellerkind als „Favorit“ auf den Abstieg startet, sich dann doch rettet und ein Überaschungsteam nach unten zieht. Pfronten hat es über Jahre vorgemacht: 30 Matches einspielen, um dann so richtig Gas zu geben. Und siehe da: Die Schongauer scheinen auf diesen Zug aufzuspringen. Gegen Lindau und in Buchloe gewanen die Mammuts am ersten Wochenende. Am zweiten gab es zwar in Dorfen einen kleinen Dämpfer, im Rückspiel am Sonntag dafür ein klares 4:0.

Das bedeutet: Schongau führt mit neun Punkten die Tabelle an und könnte sich an sich auf den Sonntag konzentrieren. Denn ein Sieg zu Hause gegen Buchloe würde bereits reichen für den Klassenerhalt auch ohne Play-down-Partien. Wer hätte das noch vor wenigen Wochen gedacht? Klar auch: Mit einem Sieg am kommenden Freitag in Lindau wäre die Sache genauso in trockenen Tüchern.

Warum es jüngst derart aufwärts ging? Ein Blick auf die Torschützen vom Sonntag sagt da fast alles. Sinkovic traf zum 2:0, es war schon sein viertes Tor bei ebenso vielen Vorlagen in der Zwischenrunde. Noch besser sogar lief es mit insgesamt drei Toren und acht Vorlagen bei Matthias Brahmer. Der Zugang vom Vorsommer aus Bayreuth erzielte gegen Dorfen das 3:0. Beide Goalgetter stehen wie auch Kyle Doyle und Mike Dolezal ganz weit vorne in der Scorerliste der Runde. Für das 1:0 sorgte Andreas Saal, für das 4:0 Fabian Sing. Beide sind offensivstarke Verteidiger und kamen erst während der Runde aus Peißenberg (Saal) und Königsbrunn (Sing) von Ligarivalen zur EA, die genau zum richtigen Zeitpunkt in Fahrt kam.

Schongaus Coach Robert Kienle lobte sein seine Jungs natürlich nach dem jüngsten 4:0-Erfolg. „Sie arbeiten seit Wochen im Training und im Spiel vorbildlich.“ Fitness-Coach Wolfgang Filser, der angeschlagene Spieler immer wieder rechtzeitig fit bekommt, war dabei eingeschlossen. Nach dem Triumph am Sonntag war der Übergang von Pressekonferenz zum Faschings-Hausball im Eisstüberl „Puck“ natürlich fließend. Trotz der nur rund 200 Fans, die regelmäßig zu den Heimspielen kommen – weil die Mammuts spüren, dass mit Peißenberg, Peiting oder Kaufbeuren andere Vereine fünf bis maximal 30 Kilometer entfernt spielen –, trotz dieses Mankos ist fast schon so etwas wie eine kleine Euphorie in Schongau ausgebrochen. Der Fanclub „Attacke“ setzt zum Auswärtsspiel nach Lindau einen Bus ein. Bei immerhin rund 150 Kilometern Distanz sicher keine Selbstverständlichkeit.

Kurios freilich: Verliert Schongau in Lindau und gegen Buchloe und gewinnt Dorfen am Freitag in Buchloe sowie am Sonntag gegen Lindau, dann kämen alle vier Mannschaften auf neun von 18 möglichen Punkten. Dann würde das Torverhältnis über die Platzierungen entscheiden. Momentan spricht es eindeutig gegen Dorfen und für Schongau. Und mittendrin zittern der ESV Buchloe – und der EV Lindau.

(Erschienen: 22.02.2012 09:00)

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