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Rolf Maier tauscht Kressbronn gegen Indien

Der Pastoralreferent beginnt im Sommer mit einem Sabbat-Jahr und beendet seine Arbeit in den Seegemeinden
Rolf Maier tauscht Kressbronn gegen Indien
Rolf Maier tauscht Kressbronn gegen Indien

Kressbronn / bb Nach gut vier Jahren bricht Rolf Maier seine Zelte als Pastoralreferent der Seegemeinden im Sommer ab und beginnt ein Sabbat-Jahr. SZ-Redakteurin Britta Baier hat sich mit ihm über die Gründe unterhalten.

SZ: Herr Maier, Sie beginnen im Sommer ein Sabbat-Jahr – kehren Sie aus Frust Kressbronn den Rücken?

Rolf Maier: Nein – überhaupt nicht! Das Jahr habe ich schon sehr lange geplant – schon seit meiner Ausbildung träume ich von einem Sabbat-Jahr mitten im Arbeitsleben. Ich wollte nicht erst frei sein, wenn ich in Rente bin, sondern wenn ich eben noch mitten im Leben stehe. Als ich 2007 in Kressbronn angefangen habe, habe ich mit dem Personalreferat alle Weichen gestellt. Seitdem erhalte ich noch 80 Prozent meines Gehalts, so dass ich im nächsten Schuljahr ohne Arbeitsverpflichtung weiterhin 80 Prozent erhalte.

SZ: Was bedeutet das dann für Ihre Stelle in Kressbronn, wenn Sie Ende des Schuljahres aussteigen?

Maier: Im Herbst wird jemand anderes meine Stelle übernehmen. Ich denke, das wird kein Problem sein, denn die Bodenseeregion ist sehr beliebt. Die Voraussetzung für mein Sabbat-Jahr war, dass ich die Stelle danach wechsele. Ich glaube, dass es das Arbeiten in der Zukunft sein wird, dass immer ein Pool von Berufstätigen zeitweise unterwegs ist, sich fortbildet, Angehörige pflegt und der andere Teil arbeitet. Auch in meinem Beruf kommt immer mehr Arbeit hinzu – im Moment habe ich noch die Gesamtverantwortung für 260 jugendliche Firmlinge der Seegemeinden, hinzu kommen einige andere Arbeitsbereiche, Gremien und die Schule.

SZ: Klingt das doch ein bisschen nach Frust?

Maier: Nein, es bleibt alles in allem nur wenig Zeit zum Durchschnaufen. Wie in jedem anderen Beruf heute bin ich sehr eingespannt, und das zehrt an den Kräften. Früher kannte ich jeden Firmling persönlich – heute leider nicht mehr. Manchmal fühle ich mich wie ein Manager. Die Kirche ist für viele Menschen inzwischen am Rande ihres Lebens angesiedelt. Auf der anderen Seite ist der Hunger nach Spiritualität überall groß – viele Menschen zieht es zum Beispiel ins Kloster. Die Kirche hätte ein großes Angebot, aber man kommt nicht zusammen. Können wir heute noch – ganz ohne Naivität – vermitteln, dass Glauben etwas mit Freude zu tun hat, dass Jesus eine Freudenbotschaft verkündet hat, die die Menschen befreien soll?

SZ: Wie sehen Ihre Pläne aus?

Maier: Ich bleibe im Pfarrhaus in Eriskirch wohnen, weil ich meine Mutter mit ihren 86 Jahren nicht allzu lange allein lassen möchte. Ab August habe ich frei, so dass ich bis dahin die Recherchen zu meinem neuen Buch abgeschlossen haben möchte, um gleich losschreiben zu können. Für Oktober ist dann eine Reise nach Indien geplant, wo ich zwei Wochen lang in einem christlichen Ashram mit verschiedenen Religionen zusammenleben und zur Ruhe kommen möchte. Anschließend geht’s auf eine Begegnungsreise, auf der ich in einer Reisegruppe aus der Diözese verschiedene Projekte in Indien besuche. Und 2013 führt mich meine Reise schließlich – auch für vier Wochen – nach Australien zu einer Bekannten, mit der ich zusammen Land und Leute kennenlernen möchte.

SZ: Worum geht es Ihnen – abgesehen von der Freiheit – in Ihrem Sabbat-Jahr?

Maier: Es ist nicht mein Anliegen, mich in Indien selbst zu finden. Ich möchte gerne erfahren, was die Weltreligionen zu einer heileren Welt beitragen können und ich hoffe, dass der Blick für die eigenen Schätze geschärft wird im Austausch mit anderen Religionen. Denn manche Länder wie Afrika oder Indien zeigen, dass für die Menschen weniger oft mehr ist und sie trotzdem glücklich und voller Stolz durchs Leben gehen. Religion und Glaube finden hier im Alltag statt – die Kirche ist näher an den Menschen. Ich möchte keine Jagd nach Glückskicks machen, sondern eher eine Grundhaltung zum Glücklichsein einüben. Vom Glück soll übrigens auch mein neues Buch handeln, was ich jedoch schon vorher beginne zu schreiben. Es soll jeder verstehen können und es soll kein trockenes Büchlein werden – sondern witzig, locker und trotzdem mit Tiefgang.

SZ: Wie stellen Sie sich Ihren Abschied vor? Was werden Sie am meisten vermissen?

Maier: Klein, kein großes Aufheben! Ich würde an einem der letzten Sonntage gerne nochmals in Kressbronn predigen und anschließend auf dem Kirchplatz ein paar Stehtische aufbauen und dort Abschied nehmen. Vermissen werde ich manches, die Schule wird mir sehr fehlen – das Zusammenarbeiten mit den vielen jungen Menschen. Das macht mir riesig viel Spaß und hält mich jung.

(Erschienen: 10.02.2012 19:00)

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