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Wie sich Wanderschauspieler gegen Napoleon wehren

FRIEDRICHSHAFEN / sz Der Berliner Autor Robert Löhr hat im k42 mit seiner Lesung aus seinem in diesem Jahr veröffentlichten dritten historischen Roman „Das Hamlet-Komplott“ beeindruckt – detailverliebt und erfindungsreich, schockierend und komisch-absurd. Das interessierte Publikum wusste die Darbietung offenbar zu schätzen.

Von unserer Mitarbeiterin  Johanna Walser

Ebenso vielseitig wie Löhrs Ausbildung sind auch seine Tätigkeiten und Fähigkeiten. Der ausgebildete Journalist studierte Fächer wie Nordamerikawissenschaft und Germanistik, lernte das Drehbuch- und Stückeschreiben und absolvierte die Columbia TriStar Master Class, eine Ausbildung in den Filmstudios der USA. Gemeinsam mit seiner Theatertruppe tritt er auch als Schauspieler auf. Engagiert, dramatisch intensiv, trug er seinen Text vor, der immer wieder einem Film oder Theaterstück glich, und das interessierte Publikum wusste die eindringlichen Qualitäten sowohl des Textes, als auch seiner schauspielerisch begabten Darbietung zu schätzen.

Das Genre dieses Romans ist die Unterhaltungsliteratur, allerdings auf hohem Niveau. Der Geschichte der klassisch-romantischen Epoche, in der Deutschland von den Napoleonischen Kriegen erschüttert wurde, wendet der Autor sich zu, aber auch bedeutenden Autoren jener Zeit, deren Werke, Biografien und Briefe er studierte, um sie dann in „detailverliebter Recherche“ als Figuren in seinem Roman neu zu erfinden. Wo es seiner „Story“ dient, ändert er auch historische Fakten. Deutsche Klassiker und Romantiker wie Johann Wolfgang von Goethe, Heinrich von Kleist, Ludwig Tieck und August Wilhelm Schlegel treten dort auf, und die Autorin Madame de Stael, die die deutschen Dichter bewunderte.

Die Romanhandlung ist absurd-komisch und symbolisch zu verstehen: Getarnt als eine Wanderschauspielgruppe tingeln diese Figuren 1806 durch die schwäbische Region und führen das Shakespeare-Stück „Hamlet“ auf. In Wirklichkeit wollen sie die Reichskrone, die Kleist auf der Insel Reichenau ausgegraben hat, die „Krone der Christen“, nach Preußen bringen, um sie vor Napoleon zu verstecken, der sich mit ihr, so mutmaßen sie, zum Kaiser von Europa krönen und dieses ausrauben wolle.

Dem Autor geht es bei der Beschäftigung mit Geschichte um Themen wie Liebe, Ehre, Tod und Rache. Erzählt wird aus der Perspektive eines „allwissenden Erzählers“, der sich urteilend, kommentierend einmischt und von dem vermutet werden könnte, dass er die Sicht angegriffener Preußen vertrete. Durch eingeflochtene Dialoge kommen die Figuren mit ihrer Perspektive zu Wort.

Als Napoleons Heer in Preußen einmarschiert, befindet sich Goethe mitten im grausamen Krieg und wird in ihn schockierend verwickelt. Indem die Scheußlichkeit des Krieges für alle geschildert wird, wirkt der Text wie ein Anti-Kriegstext. Nach der Lesung beantwortete der Autor Fragen aus dem Publikum. Vor allem die Werke und Briefe der historischen Personen, die einander alle gekannt haben, hätten ihm geholfen, diese kennenzulernen. Auch die Bücher und Briefe der Madame de Stael hätten ihn fasziniert. Auf die Frage, warum er die Handlung mit der Reichskrone erfunden habe, nennt der Autor ein literarisches Vorbild. Politisch interessiert habe ihn der Kampf von Deutschen gegen Deutsche. Dass Bayern und Württemberg sich Napoleon anschlossen, sei diesen in Preußen oft übel genommen worden. Der Autor und Stimmen aus dem Publikum meinten dagegen, dass diese keine andere Wahl gehabt hätten.

(Erschienen: 09.03.2010 19:45)

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