Nachrichten Friedrichshafen
Shimshal: Eine Reise zurück in die Vergangenheit
Die Yaks, ein robustes, zotteliges Rind, stellt nicht nur sein Mist zur Verfügung, sondern liefert zusammen mit Ziegen und Schafen Milch und Fleisch. Strom gibt es nur für fünf Monate, vom Mai bis September, dann gibt der Gletscher kein Wasser mehr für das Betreiben der Turbine her. Die Häuser werden dann mit Kerosin- oder Gaslampen versorgt.
Fließendes Wasser? Fehlanzeige, die Frauen tragen tagtäglich das Wasser aus einer Quelle heran, die im Winter nicht einfriert.
Draußen im Stall stehen die Ziegen und Schafe, sie sind erst vor kurzem von den Hochweiden im Pamir nach einem Drei-Tages-Marsch aus 5000 Meter Höhe zurückgekehrt. Begleitet von den Frauen und nicht schulpflichtigen Kindern. Dort oben, unweit von der chinesischen Grenze, haben sie mit den Tieren gelebt, sie behütet und aus der gewonnenen Milch Käse zubereitet, der jetzt als Nahrungsdepot dienen soll und deshalb mit ins Tal gebracht wird. Neben den Käse gibt es in erster Linie „Chapatti“ – ein Fladenbrot aus Weizenmehl und Wasser, getrocknete Erbsen und Bohnen.
Jetzt sind wieder alle zusammen – Famlientreffen also. Eigentlich wie jetzt gerade bei uns in der Weihnachtszeit. Doch die Bewohner in Shimshal kennen nicht die Geschichte von der Geburt Jesu, kennen keinen Weihnachtsbaum, keine Weihnachtslieder.
Shimshal gehört zu dem ehemaligen Fürstentum Hunza, das 1974 zu Pakistan eingegliedert wurde und liegt im Zentrum der vier höchsten Bergmassive der Erde: Himalaya, Karakorum, Hindukusch und Pamir. Die Einwohner bekennen sich zu den Ismaeliten mit dem Aga Khan als geistliches Oberhaupt. Es ist die geringste Form des Islam mit weniger strikten Regeln.
Verein verbindet Kulturen
Und trotzdem verbindet die beiden Kulturen etwas, denn erst im Herbst war „Ihre Wilma Rehkugler“ wieder zu Besuch in Shimshal. Wilma Rehkugler ist die Vorsitzende des Vereins „Shimshal“ mit Sitz in Oberteuringen. Seit 2006 besitzt die Gemeinde aufgrund der Initiative des Vereins eine Schule. Kontinuierlich ging seitdem die Entwicklung voran, so dass die Schülerzahlen zwischenzeitlich auf über 200 angewachsen sind und „zu den besten Schulen in den nördlichen Gebieten aufgestiegen ist“, erzählt stolz die Vorsitzende. Und diesen Stolz darf sie auch uneingeschränkt haben, denn nach einem Antrag 2009 an das Bundesministerium für Entwicklungsarbeit, wurde mit den bewilligten Geldern jetzt ein Vorschulkindergarten sowie ein wissenschaftlicher Raum mit Computern fertiggestellt. Die offizielle Eröffnung war deshalb auch Anlass für Rehkuglers Reise nach Shimshal.
Wilma Rehkugler ist wieder in Oberteuringen mit den Gedanken an Shimshal zurückgekehrt, aber auch mit den Gedanken an die zahlreichen Mitmenschen in Deutschland, die „an die Sache geglaubt haben und all dies mit ihren Spenden ermöglicht haben“.
Die Menschen in Shimshal sitzen jetzt eng beisammen und erzählen sich in den langen Winterabenden überlieferte Sagen und Märchen, denn in den hellen Mondnächten unter sternenklarem Himmel glauben sie, das gute und böse Geister die Bergwelt bewohnen, die zu den Menschen herunterkommen.
Bei dieser außergewöhnlichen Stimmung kommt bei Christen vielleicht die Vorstellung auf, dass es vor 2010 Jahren so gewesen sein muss, als ein Engel in so einer Nacht den Hirten die Geburt Christi verkündet hat.
(Erschienen: 24.12.2010 06:00)
Die Yaks, ein robustes, zotteliges Rind, stellt nicht nur sein Mist zur Verfügung, sondern liefert zusammen mit Ziegen und Schafen Milch und Fleisch. Strom gibt es nur für fünf Monate, vom Mai bis September, dann gibt der Gletscher kein Wasser mehr für das Betreiben der Turbine her. Die Häuser werden dann mit Kerosin- oder Gaslampen versorgt.
Fließendes Wasser? Fehlanzeige, die Frauen tragen tagtäglich das Wasser aus einer Quelle heran, die im Winter nicht einfriert.
Draußen im Stall stehen die Ziegen und Schafe, sie sind erst vor kurzem von den Hochweiden im Pamir nach einem Drei-Tages-Marsch aus 5000 Meter Höhe zurückgekehrt. Begleitet von den Frauen und nicht schulpflichtigen Kindern. Dort oben, unweit von der chinesischen Grenze, haben sie mit den Tieren gelebt, sie behütet und aus der gewonnenen Milch Käse zubereitet, der jetzt als Nahrungsdepot dienen soll und deshalb mit ins Tal gebracht wird. Neben den Käse gibt es in erster Linie „Chapatti“ – ein Fladenbrot aus Weizenmehl und Wasser, getrocknete Erbsen und Bohnen.
Jetzt sind wieder alle zusammen – Famlientreffen also. Eigentlich wie jetzt gerade bei uns in der Weihnachtszeit. Doch die Bewohner in Shimshal kennen nicht die Geschichte von der Geburt Jesu, kennen keinen Weihnachtsbaum, keine Weihnachtslieder.
Shimshal gehört zu dem ehemaligen Fürstentum Hunza, das 1974 zu Pakistan eingegliedert wurde und liegt im Zentrum der vier höchsten Bergmassive der Erde: Himalaya, Karakorum, Hindukusch und Pamir. Die Einwohner bekennen sich zu den Ismaeliten mit dem Aga Khan als geistliches Oberhaupt. Es ist die geringste Form des Islam mit weniger strikten Regeln.
Verein verbindet Kulturen
Und trotzdem verbindet die beiden Kulturen etwas, denn erst im Herbst war „Ihre Wilma Rehkugler“ wieder zu Besuch in Shimshal. Wilma Rehkugler ist die Vorsitzende des Vereins „Shimshal“ mit Sitz in Oberteuringen. Seit 2006 besitzt die Gemeinde aufgrund der Initiative des Vereins eine Schule. Kontinuierlich ging seitdem die Entwicklung voran, so dass die Schülerzahlen zwischenzeitlich auf über 200 angewachsen sind und „zu den besten Schulen in den nördlichen Gebieten aufgestiegen ist“, erzählt stolz die Vorsitzende. Und diesen Stolz darf sie auch uneingeschränkt haben, denn nach einem Antrag 2009 an das Bundesministerium für Entwicklungsarbeit, wurde mit den bewilligten Geldern jetzt ein Vorschulkindergarten sowie ein wissenschaftlicher Raum mit Computern fertiggestellt. Die offizielle Eröffnung war deshalb auch Anlass für Rehkuglers Reise nach Shimshal.
Wilma Rehkugler ist wieder in Oberteuringen mit den Gedanken an Shimshal zurückgekehrt, aber auch mit den Gedanken an die zahlreichen Mitmenschen in Deutschland, die „an die Sache geglaubt haben und all dies mit ihren Spenden ermöglicht haben“.
Die Menschen in Shimshal sitzen jetzt eng beisammen und erzählen sich in den langen Winterabenden überlieferte Sagen und Märchen, denn in den hellen Mondnächten unter sternenklarem Himmel glauben sie, das gute und böse Geister die Bergwelt bewohnen, die zu den Menschen herunterkommen.
Bei dieser außergewöhnlichen Stimmung kommt bei Christen vielleicht die Vorstellung auf, dass es vor 2010 Jahren so gewesen sein muss, als ein Engel in so einer Nacht den Hirten die Geburt Christi verkündet hat.
(Erschienen: 24.12.2010 06:00)







































