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Für den Anwalt hat der Täter „sein Pulver verschossen“

Für Hagnauer Bürgermeister kommt Opferschutz zu kurz - Auch Polizisten sind erleichtert
Andrej W. stitzt nach seinem Fluchtversuch wieder hinter Schloss und Riegeln. Mit Sturmhaube auf dem Kopf betrat er vor genau vier Monaten den Saal im Landgericht in Konstanz. Foto: dpa
Andrej W. stitzt nach seinem Fluchtversuch wieder hinter Schloss und Riegeln. Mit Sturmhaube auf dem Kopf betrat er vor genau vier Monaten den Saal im Landgericht in Konstanz. Foto: dpa

Von Anton Fuchloch undMartin Hennings

Friedrichshafen Die Erleichterung am Bodensee ist groß. Andrej W. sitzt wieder hinter Schloss und Riegel. Der Taximörder kam nicht weit. Doch es waren bange eineinhalb Tage, und sie haben manche Wunden wieder aufgerissen.

Der Friedrichshafener Taxiunternehmer Marcel Fuhrmann, bei dem das 32-jährige Opfer von Andrej W. beschäftigt war, konnte es zuerst gar nicht glauben. Nicht mal ein Jahr nach der Tat und wenige Monate nach der Verurteilung ist dem Mörder die Flucht aus einem vermeintlichen Hochsicherheitstrakt gelungen. „Krass, da fehlten mir erstmal die Worte“, sagt Fuhrmann. Seine Fahrerinnen hat er am Samstag nach Hause geschickt. „Sicherheit geht vor.“ Man habe ja nicht wissen können, wohin sich der Entflohene absetzt. Dass man vor ihm Angst haben muss, hätten seine Taten und die jüngsten Einbrüche bewiesen. „Keiner wusste, was in seinem Kopf vorging. Auf jeden Fall hatte er nichts mehr zu verlieren“, so der Unternehmer. Fürs erste ist er froh, dass die Polizei Andrej W. geschnappt hat. Doch sein Vertrauen in den forensischen Strafvollzug hat schwer gelitten.

„Besser kann man Andrej W. nicht unterbringen als in der Forensik in Wiesloch. Das ist das Sicherste, was wir in Baden-Württemberg haben.“ Rechtsanwalt Klaus Frank aus Konstanz steht nach wie vor zu dieser Aussage, die er als Pflichtverteidiger nach dem Urteilsspruch am 9. Februar gemacht hat. Er habe nie befürchtet, dass so etwas passiert. Andrej W. sei erst vor drei bis vier Wochen vom Vollzugskrankenhaus Hohenasperg in die geschlossenen Psychiatrie nach Wiesloch gebracht worden, sagte Frank. Er kann sich aufgrund des freundlichen Umgangs und der eher zurückhaltenden Art von Andrej W. vorstellen, dass ihn das Personal unterschätzt hat. Eine Rolle dürften auch die Bauarbeiten im Hochsicherheitstrakt gespielt haben. Auf jeden Fall müsse wohl menschliches Versagen im Spiel gewesen sein. Frank erwartet deshalb auch personelle Konsequenzen.

Dass Andrej W. erneut ein solcher Coup gelingt, hält der Anwalt für ausgeschlossen. Die Therapieaussichten seien extrem schlecht. „Er hat so viele Schädigungen und Traumata, dass er eigentlich nicht heilbar ist“, sagt Frank, und eine Heilung sei Voraussetzung dafür, dass er überhaupt in einen normalen Vollzug kommt. Für den Anwalt ist klar: „Jetzt hat er sein Pulver verschossen.“ Er werde wohl für immer in der geschlossenen Psychiatrie bleiben, das heiße: kein Kontakt nach außen, kein Fernsehen, nur eine Stunde Hofgang am Tag.

Alle Betroffenen informiert

Die Polizei im Bodenseekreis kann das Thema „Taximörder“ mit der Verhaftung W.'s wieder zu den Akten legen. Das Wochenende über arbeiteten die Beamten auch am See mit Hochdruck an dem Fall. Vor allem die Polizisten, die 2010 an der Überführung des Mörders mitgearbeitet haben, waren wertvolle Ratgeber für die Kollegen der Heidelberger Kripo und des Landeskriminalamtes. Zudem wurden alle, mit denen Andrej W. im Bodenseeraum Kontakt hatte, informiert und zum Teil auch beschützt: Verwandte, Bekannte, Richter und Staatsanwälte, Dolmetscher, sein erstes Opfer, die Taxifahrerin aus Singen.

Natürlich fragen sich auch die Polizisten im Bodenseekreis, wie der Mann fliehen konnte, berichtet Polizeipressesprecher Markus Sauter. Beherrschendes Gefühl nach der Festnahme sei aber „große Erlerichterung“ gewesen.

Irrer erzeugt „mediale Wucht“

(Erschienen: 10.05.2011 07:00)

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