Nachrichten Friedrichshafen
Einstein: „Menschen sind schlimmer als Tiere“
Tische stehen zu beiden Seiten auf der Vorbühne, rechts der Arbeitsplatz des FBI, links der Stuhl für den Verhörten. Einsteins Gehirn ist nach dem Sezieren verschwunden, ein Fall für den FBI. Wer könnte ein Interesse daran haben? Platz für wilde Spekulationen. Im Epilog wird der Pathologe Einsteins Gehirn in zwei Einmachgläsern präsentieren.
Wie ein roter Faden zieht sich der Krimistrang durch Thomas Sutters in drei Teile gegliedertes Stück. Auf der Hauptbühne zeigt es Einsteins Leben von der Geburt in Ulm bis zum Tod in Princeton. Ein großer, aufrecht stehender Felsblock in der Mitte ist immer präsent, wenn es um Einstein – ein Stein – geht. Schnell umgedreht, erscheint auf der Rückseite die amerikanische Flagge, wenn die große Politik gefragt ist. Hinter der Bühne spielen acht Musiker Klezmer-Musik.
Regisseur Matthias Witting lässt uns Einstein als kleinen, überaus wissbegierigen Jungen erleben, als Schüler, der den Erziehungsmethoden die Stirn bietet, der es nicht zulässt, dass Juden in Bausch und Bogen verurteilt werden. Erst im zweiten Anlauf schafft er 1895 die Aufnahmeprüfung am Polytechnikum Zürich und lernt ein Mädchen kennen, mit dem ihn die Begeisterung für Mathematik und Physik verbindet – Mileva Maric wird seine erste Frau. Einstein erscheint hier als liebenswerter Egoist, dem es nur um seine Idee geht, der aber wie der junge Mozart über die Stränge schlagen kann. Viele kurze Episoden beleuchten die Etappen seines Lebens, man fühlt sich sehr an eine Schulfunksendung erinnert. Besonders beeindruckend ist, wenn bei einem Vortrag über die Relativitätstheorie plötzlich Nazis mit Hakenkreuzbinde im Saal stehen, wenn einer am zweiten Rednerpult auf der Bühne das Wort ergreift und den Nobelpreisträger Einstein niederredet.
Einstein emigriert, bleibt ein Frauenheld und geht unbeirrt seinen Weg als Wissenschaftler. „Menschen sind schlimmer als Tiere“, fasst er seine Erkenntnisse zusammen. Eine Aussage, die ähnliches Gewicht bekommt wie seine Relativitätstheorie. Insgesamt eine beeindruckende Leistung eines rund 20-köpfigen, engagierten und spielfreudigen Ensembles, das in mehr als 70 Rollen – von der Hebamme bis zum SA-Mann – schlüpft, allen voran der wandlungsfähige Mirko Böttcher als Einstein.
(Erschienen: 07.03.2010 14:40)
Tische stehen zu beiden Seiten auf der Vorbühne, rechts der Arbeitsplatz des FBI, links der Stuhl für den Verhörten. Einsteins Gehirn ist nach dem Sezieren verschwunden, ein Fall für den FBI. Wer könnte ein Interesse daran haben? Platz für wilde Spekulationen. Im Epilog wird der Pathologe Einsteins Gehirn in zwei Einmachgläsern präsentieren.
Wie ein roter Faden zieht sich der Krimistrang durch Thomas Sutters in drei Teile gegliedertes Stück. Auf der Hauptbühne zeigt es Einsteins Leben von der Geburt in Ulm bis zum Tod in Princeton. Ein großer, aufrecht stehender Felsblock in der Mitte ist immer präsent, wenn es um Einstein – ein Stein – geht. Schnell umgedreht, erscheint auf der Rückseite die amerikanische Flagge, wenn die große Politik gefragt ist. Hinter der Bühne spielen acht Musiker Klezmer-Musik.
Regisseur Matthias Witting lässt uns Einstein als kleinen, überaus wissbegierigen Jungen erleben, als Schüler, der den Erziehungsmethoden die Stirn bietet, der es nicht zulässt, dass Juden in Bausch und Bogen verurteilt werden. Erst im zweiten Anlauf schafft er 1895 die Aufnahmeprüfung am Polytechnikum Zürich und lernt ein Mädchen kennen, mit dem ihn die Begeisterung für Mathematik und Physik verbindet – Mileva Maric wird seine erste Frau. Einstein erscheint hier als liebenswerter Egoist, dem es nur um seine Idee geht, der aber wie der junge Mozart über die Stränge schlagen kann. Viele kurze Episoden beleuchten die Etappen seines Lebens, man fühlt sich sehr an eine Schulfunksendung erinnert. Besonders beeindruckend ist, wenn bei einem Vortrag über die Relativitätstheorie plötzlich Nazis mit Hakenkreuzbinde im Saal stehen, wenn einer am zweiten Rednerpult auf der Bühne das Wort ergreift und den Nobelpreisträger Einstein niederredet.
Einstein emigriert, bleibt ein Frauenheld und geht unbeirrt seinen Weg als Wissenschaftler. „Menschen sind schlimmer als Tiere“, fasst er seine Erkenntnisse zusammen. Eine Aussage, die ähnliches Gewicht bekommt wie seine Relativitätstheorie. Insgesamt eine beeindruckende Leistung eines rund 20-köpfigen, engagierten und spielfreudigen Ensembles, das in mehr als 70 Rollen – von der Hebamme bis zum SA-Mann – schlüpft, allen voran der wandlungsfähige Mirko Böttcher als Einstein.
(Erschienen: 07.03.2010 14:40)








































