Nachrichten Friedrichshafen
Die Nacht ist zum Morden da

Doch solche Unzulänglichkeiten waren rasch vergessen beim fulminanten Gastspiel der Oper Halle, die den Häflern zuletzt 2010 einen vielfarbig glühenden Don Giovanni beschert hat. Nun also die nachtschwarze, von Mord und Wahnsinn geprägte Verdi-Oper mit ihren dramatischen Arien und Chören. Falls jemand Angst hatte vor der – zum Glück - in der italienischen Originalsprache gesungenen Oper, wurde er gleich beruhigt. Denn zum einen war der deutsche Text in Übertiteln eingeblendet, zum anderen hatte Operndirektor Axel Köhler in seiner Inszenierung zwei pfiffige „Hofnarren“ eingefügt, die in gereimten Versen auf Deutsch das grause Geschehen begleiteten und dabei nicht mit drastischen Worten sparten: „Ohne Kinder, ohne Frau / ist nun Macduff, die arme Sau...“ Man mag über diesen Regieeinfall, der ständig den Fluss unterbricht, verfremdet und eher zur shakespeareschen Vorlage passen würde, unterschiedlicher Meinung sein – witzig und hilfreich ist er allemal.
Opulent in Ton und Bild
Opulent ist die Inszenierung in Ton und Bild. Projektionen malen die Schauplätze auf eine schräg stehende Leinwand: steinerne Mauern, über die bald Ströme von Blut fließen oder auf denen zur Wahnsinnsarie Fackeln flackern. Sehr stark sind die Bilder, wenn Wolken dräuen oder wabern, wann immer der Chor der Hexen einen großen Auftritt hat. Ein Grund zum Schwelgen sind diese eindrucksvollen Verdi-Chöre, wie sie auch das Festbankett begleiten, an dem Macbeth der ermordete Banquo erscheint.
Auf der rechten Seite führt eine Art Halfpipe in die Höhe, mit einer Öffnung für wirkungsvolle Abgänge. Ein Thronstuhl, ein Tisch fürs Bankett – mehr Möblierung braucht es nicht, dafür schwelgt man in üppigen Kostümen, der Renaissance nachempfunden, ein Fest fürs Auge. Die Härte der shakespeareschen Vorlage wird dadurch ebenso gemildert wie durch die Hofnarren und die dramatische Wucht und Melodik der frühen Verdioper, die die Staatskapelle Halle unter der Leitung von Andreas Henning dynamisch herüberbringt. Bei strömendem Belcanto kann auch ein Meuchelmord schön sein. Ein opulentes Fest sind die Stimmen, allen voran Romelia Lichtenstein, die das Abgründige und die Leidenschaft der Lady Macbeth in dämonischer Aggression wie in gefährlich leiser Suggestion herüberbringt. Nicht weniger stark sind Kwang-Keun Lee als schwankender, zuletzt todwunder Macbeth und Nicolai Karnolsky als Banquo, um nur die wichtigsten in einem homogenen Ensemble zu nennen.
(Erschienen: 05.12.2011 11:15)

Doch solche Unzulänglichkeiten waren rasch vergessen beim fulminanten Gastspiel der Oper Halle, die den Häflern zuletzt 2010 einen vielfarbig glühenden Don Giovanni beschert hat. Nun also die nachtschwarze, von Mord und Wahnsinn geprägte Verdi-Oper mit ihren dramatischen Arien und Chören. Falls jemand Angst hatte vor der – zum Glück - in der italienischen Originalsprache gesungenen Oper, wurde er gleich beruhigt. Denn zum einen war der deutsche Text in Übertiteln eingeblendet, zum anderen hatte Operndirektor Axel Köhler in seiner Inszenierung zwei pfiffige „Hofnarren“ eingefügt, die in gereimten Versen auf Deutsch das grause Geschehen begleiteten und dabei nicht mit drastischen Worten sparten: „Ohne Kinder, ohne Frau / ist nun Macduff, die arme Sau...“ Man mag über diesen Regieeinfall, der ständig den Fluss unterbricht, verfremdet und eher zur shakespeareschen Vorlage passen würde, unterschiedlicher Meinung sein – witzig und hilfreich ist er allemal.
Opulent in Ton und Bild
Opulent ist die Inszenierung in Ton und Bild. Projektionen malen die Schauplätze auf eine schräg stehende Leinwand: steinerne Mauern, über die bald Ströme von Blut fließen oder auf denen zur Wahnsinnsarie Fackeln flackern. Sehr stark sind die Bilder, wenn Wolken dräuen oder wabern, wann immer der Chor der Hexen einen großen Auftritt hat. Ein Grund zum Schwelgen sind diese eindrucksvollen Verdi-Chöre, wie sie auch das Festbankett begleiten, an dem Macbeth der ermordete Banquo erscheint.
Auf der rechten Seite führt eine Art Halfpipe in die Höhe, mit einer Öffnung für wirkungsvolle Abgänge. Ein Thronstuhl, ein Tisch fürs Bankett – mehr Möblierung braucht es nicht, dafür schwelgt man in üppigen Kostümen, der Renaissance nachempfunden, ein Fest fürs Auge. Die Härte der shakespeareschen Vorlage wird dadurch ebenso gemildert wie durch die Hofnarren und die dramatische Wucht und Melodik der frühen Verdioper, die die Staatskapelle Halle unter der Leitung von Andreas Henning dynamisch herüberbringt. Bei strömendem Belcanto kann auch ein Meuchelmord schön sein. Ein opulentes Fest sind die Stimmen, allen voran Romelia Lichtenstein, die das Abgründige und die Leidenschaft der Lady Macbeth in dämonischer Aggression wie in gefährlich leiser Suggestion herüberbringt. Nicht weniger stark sind Kwang-Keun Lee als schwankender, zuletzt todwunder Macbeth und Nicolai Karnolsky als Banquo, um nur die wichtigsten in einem homogenen Ensemble zu nennen.
(Erschienen: 05.12.2011 11:15)





































