Nachrichten Friedrichshafen
Aero: Um die Welt zu fliegen, ist ein (Ehe-)Abenteuer
Von unserer Redakteurin Ruth Auchter
Es brummt und rattert vernehmlich über den Dächern von Friedrichshafen -- woran nicht etwa der Zeppelin Neuer Technologie schuld ist: Vier Tage lang lässt die Aero-Messe von sich hören. Viele Besucher fliegen mit ihren Privatmaschinen ein, manche testen ihr Traumobjekt direkt vor Ort. Und am Samstag und Sonntag werden wieder viele, viele Augenpaare nach oben gucken, um die spektakulären Loops zu bewundern, die Segelflugzeuge und nostalgische Kriegsmaschinen am Himmel ziehen. Das Ehepaar Schwerhoff ist dann freilich schon über alle Berge. Weil der 52-Jährige weniger auf Akrobatik steht, sondern eher den sportlichen Rekord im Blick hat, hob er gestern in Friedrichshafen ab, um mit Gattin Wilma einmal um die Welt zu düsen.
60 000 Kilometer weit ist das, 200 Stunden werden die beiden in der Luft und ingesamt vier Monate unterwegs sein -- ehe sie am 20. August wieder in Friedrichshafen landen wollen. Als deutsches Team Nummer 27: Denn „seitdem die Erdumrunderei ab 1924 sportlich erfasst wird“, haben 26 deutsche und 170 Teams weltweit die Sache in Angriff genommen, weiß Schwerhoff. Warum er‘s nun auch tut? Das Ehepaar guckt sich an, lächelt. „Ein so großes Projekt zu zweit zu machen, ist für eine Ehe eine tolle Sache“, sagt Wilma Schwerhoff. Er hätte auf seinen vielen Geschäftsreisen als IT-Spezialist einfach nie Zeit gehabt, sich all die schönen Orte auf der Welt genauer anzuschauen, fügt der Gatte an.
Jetzt nimmt sich Schwerhoff die Zeit. Zumal er mittlerweile den Job gewechselt hat und als Teilzeit-Fluglehrer arbeitet. Im Gegensatz zu manch anderen Weltumfliegern, die häufig irgendwann irgendwo eine längere Pause einlegen, derweil wieder nach Hause jetten und die Reise um die Welt dann ein paar Wochen später zu Ende bringen, will das Paar aus Rheinland-Pfalz den Trip in einem Rutsch abfeiern. Vorausgesetzt, alles haut hin wie geplant.
Damit es klappt, hat Schwerhoff über ein Jahr rund um den Globus Ein- und Überfluggenehmigungen eingeholt, alle Eventualitäten durchgespielt und sich insbesondere mit der Treibstoff-Logistik herumgeschlagen: Denn das Flugzeugbenzin, nach welchem es die Cessna Centurion verlangt, gibt‘s beispielsweise in Indien, Arabien oder Russland überhaupt nicht. Da galt es, über diverse Firmen zu organisieren, dass ein paar Fässer für Schwerhoffs bereitstehen, wenn ihr Flieger eintrudelt.
Weitere Widrigkeiten, die auf der Weltreise lauern könnten -- Wirbelstürme über Japan etwa, Sandstürme über Arabien oder Gewitter über den Tropen --, will der 52-Jährige elegant umschiffen: „Wir haben den Start auf April gelegt, um Wetterkapriolen möglichst aus dem Weg zu gehen.“ Auch in Sachen Gewicht galt es, genau zu planen: Da allein das Benzin an Bord 400 Kilo wiegt, mussten sich Wilma und Hans-Jürgen Schwerhoff auf je 80 Kilo Gepäck beschränken.
Inklusive Überlebensausrüstung wie Trockenanzüge, Schwimmwesten oder Süßwassergewinnungsanlage -- für den Fall, dass das einmotorige Leichtflugzeug, Baujahr 1981, über einem Ozean den Geist aufgeben sollte. Um das Flugzeug nicht zu überlasten, kommen auch sämtliche Flugpläne und sonstige Daten lediglich digital mit. Selbst ihre geliebten Krimis liest Wilma Schwerhoff als E-Books.
Erste Station auf der Reise rund um die Welt ist Athen, danach geht‘s weiter nach Kairo. Von Luxor nach Dubai sind Schwerhoffs sieben Stunden in der Luft -- eine der längsten Etappen. Für die beiden, die seit 20 Jahren gemeinsam -- meist mit Kindern und Hund -- in Urlaub fliegen, dennoch ein Klacks: „Ich fliege im Jahr etliche 100 Stunden -- und die Maschine hat schon 2000 Flugstunden auf dem Buckel“, meint Hans-Jürgen Schwerhoff, der seit 1988 eine Motorfluglizenz besitzt und entsprechend entspannt bleibt. Schließlich soll die Reise auch ein wunderschöner gemeinsamer Urlaub werden. Mit Übernachtungen in einem unterirdisch, in einer ehemaligen Opalmine gelegenen Hotel in Australien zum Beispiel, mit einem Zwischenstop in Grönland oder Städtetouren auf Bali.
Eigentlich aber ist der Weg das Ziel. Denn (fast) nichts ist schöner als von oben auf die Welt runterzuschauen. Ganz besonders freut sich Wilma Schwerhoff drauf, über Bergmassive zu fliegen, denn: „Das ist wie Wandern in der Luft.“
Das Publikumshighlight der Luftfahrtmesse sind die Air-Shows am Samstag, 10., und Sonntag, 11. April, jeweils von 13.30 bis 15.30 Uhr. Dann sind spektakuläre Flugmanöver von Segelflugzeugen, Helikoptern, Kriegsfliegern und Flugzeug-Oldtimern zu sehen. Infos zur Aero gibt’s im Internet unter www.aero-expo.com.
(Erschienen: 08.04.2010 22:15)
Von unserer Redakteurin Ruth Auchter
Es brummt und rattert vernehmlich über den Dächern von Friedrichshafen -- woran nicht etwa der Zeppelin Neuer Technologie schuld ist: Vier Tage lang lässt die Aero-Messe von sich hören. Viele Besucher fliegen mit ihren Privatmaschinen ein, manche testen ihr Traumobjekt direkt vor Ort. Und am Samstag und Sonntag werden wieder viele, viele Augenpaare nach oben gucken, um die spektakulären Loops zu bewundern, die Segelflugzeuge und nostalgische Kriegsmaschinen am Himmel ziehen. Das Ehepaar Schwerhoff ist dann freilich schon über alle Berge. Weil der 52-Jährige weniger auf Akrobatik steht, sondern eher den sportlichen Rekord im Blick hat, hob er gestern in Friedrichshafen ab, um mit Gattin Wilma einmal um die Welt zu düsen.
60 000 Kilometer weit ist das, 200 Stunden werden die beiden in der Luft und ingesamt vier Monate unterwegs sein -- ehe sie am 20. August wieder in Friedrichshafen landen wollen. Als deutsches Team Nummer 27: Denn „seitdem die Erdumrunderei ab 1924 sportlich erfasst wird“, haben 26 deutsche und 170 Teams weltweit die Sache in Angriff genommen, weiß Schwerhoff. Warum er‘s nun auch tut? Das Ehepaar guckt sich an, lächelt. „Ein so großes Projekt zu zweit zu machen, ist für eine Ehe eine tolle Sache“, sagt Wilma Schwerhoff. Er hätte auf seinen vielen Geschäftsreisen als IT-Spezialist einfach nie Zeit gehabt, sich all die schönen Orte auf der Welt genauer anzuschauen, fügt der Gatte an.
Jetzt nimmt sich Schwerhoff die Zeit. Zumal er mittlerweile den Job gewechselt hat und als Teilzeit-Fluglehrer arbeitet. Im Gegensatz zu manch anderen Weltumfliegern, die häufig irgendwann irgendwo eine längere Pause einlegen, derweil wieder nach Hause jetten und die Reise um die Welt dann ein paar Wochen später zu Ende bringen, will das Paar aus Rheinland-Pfalz den Trip in einem Rutsch abfeiern. Vorausgesetzt, alles haut hin wie geplant.
Damit es klappt, hat Schwerhoff über ein Jahr rund um den Globus Ein- und Überfluggenehmigungen eingeholt, alle Eventualitäten durchgespielt und sich insbesondere mit der Treibstoff-Logistik herumgeschlagen: Denn das Flugzeugbenzin, nach welchem es die Cessna Centurion verlangt, gibt‘s beispielsweise in Indien, Arabien oder Russland überhaupt nicht. Da galt es, über diverse Firmen zu organisieren, dass ein paar Fässer für Schwerhoffs bereitstehen, wenn ihr Flieger eintrudelt.
Weitere Widrigkeiten, die auf der Weltreise lauern könnten -- Wirbelstürme über Japan etwa, Sandstürme über Arabien oder Gewitter über den Tropen --, will der 52-Jährige elegant umschiffen: „Wir haben den Start auf April gelegt, um Wetterkapriolen möglichst aus dem Weg zu gehen.“ Auch in Sachen Gewicht galt es, genau zu planen: Da allein das Benzin an Bord 400 Kilo wiegt, mussten sich Wilma und Hans-Jürgen Schwerhoff auf je 80 Kilo Gepäck beschränken.
Inklusive Überlebensausrüstung wie Trockenanzüge, Schwimmwesten oder Süßwassergewinnungsanlage -- für den Fall, dass das einmotorige Leichtflugzeug, Baujahr 1981, über einem Ozean den Geist aufgeben sollte. Um das Flugzeug nicht zu überlasten, kommen auch sämtliche Flugpläne und sonstige Daten lediglich digital mit. Selbst ihre geliebten Krimis liest Wilma Schwerhoff als E-Books.
Erste Station auf der Reise rund um die Welt ist Athen, danach geht‘s weiter nach Kairo. Von Luxor nach Dubai sind Schwerhoffs sieben Stunden in der Luft -- eine der längsten Etappen. Für die beiden, die seit 20 Jahren gemeinsam -- meist mit Kindern und Hund -- in Urlaub fliegen, dennoch ein Klacks: „Ich fliege im Jahr etliche 100 Stunden -- und die Maschine hat schon 2000 Flugstunden auf dem Buckel“, meint Hans-Jürgen Schwerhoff, der seit 1988 eine Motorfluglizenz besitzt und entsprechend entspannt bleibt. Schließlich soll die Reise auch ein wunderschöner gemeinsamer Urlaub werden. Mit Übernachtungen in einem unterirdisch, in einer ehemaligen Opalmine gelegenen Hotel in Australien zum Beispiel, mit einem Zwischenstop in Grönland oder Städtetouren auf Bali.
Eigentlich aber ist der Weg das Ziel. Denn (fast) nichts ist schöner als von oben auf die Welt runterzuschauen. Ganz besonders freut sich Wilma Schwerhoff drauf, über Bergmassive zu fliegen, denn: „Das ist wie Wandern in der Luft.“
Das Publikumshighlight der Luftfahrtmesse sind die Air-Shows am Samstag, 10., und Sonntag, 11. April, jeweils von 13.30 bis 15.30 Uhr. Dann sind spektakuläre Flugmanöver von Segelflugzeugen, Helikoptern, Kriegsfliegern und Flugzeug-Oldtimern zu sehen. Infos zur Aero gibt’s im Internet unter www.aero-expo.com.
(Erschienen: 08.04.2010 22:15)







































