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Braig wirft EBU einen Tonnenklau vor

Braig wirft EBU einen Tonnenklau vor
Braig wirft EBU einen Tonnenklau vor

Ulm / sz - Der Kampf ums Altpapier in Ulm wird mit harten Bandagen geführt. Das Ehinger Entsorgungsunternehmen Braig möchte seine starke Position mit der Blauen Tonne unter allen Umständen verteidigen und geht jetzt juristisch gegen die Entsorgungsbetriebe der Stadt Ulm (EBU) vor. Auslöser ist der Austausch der Braig-Tonnen gegen einen EBU-Container bei einem Wirt in der Friedrichsau.

Von unserem Redakteur

Dietmar Burgmaier

Die Tischtuch zwischen Braig und EBU scheint zerschnitten. Bei der Grüngut-Entsorgung arbeiten sie zwar zusammen, aber beim Altpapier ist ein harter Streit ausgebrochen. Karl-Eberhard Braig, der Unternehmer aus Erbach-Berkach, prangert „Machenschaften“ der stadteigenen Entsorungsbetriebe in Ulm an und macht dies an einem Beispiel aus der Friedrichsau deutlich: „Ein Kunde aus der Gastronomie hat bei uns angerufen und gesagt, dass seine Tonnen ausgetauscht wurden.“

Die Firma Braig ist dieser Sache auf den Grund gegangen und will herausgefunden haben, dass die EBU hinter dem Verschwinden von sechs Blauen Tonnen des gegenüber der SZ nicht namentlich genannten Biergarten-Betreibers steckt. „Wir haben zunächst gar nicht gewusst, wer unserem Kunden unsere Tonnen weggenommen und stattdessen einen Container aufgestellt hat“, sagte Karl-Eberhard Braig.

Der Unternehmer suchte den telefonischen Kontakt zum Betriebsleiter der EBU, Michael Potthast. In diesem Gespräch kam es offenbar zu keiner Klärung, denn schließlich ging bei der Polizei in Ulm eine Strafanzeige von Braig gegen die EBU ein (die SZ berichtete gestern).

Die Ehinger Firma wirft EBU vor, die sechs Blauen Tonnen gestohlen zu haben, weil der Wirt sein Einverständnis zum Austausch gegen den EBU-Container offenbar nicht gegeben hatte. Gegenüber Mitarbeitern des Gastronomen hätten die Tonnen-Austauscher angeblich erklärt, dass „es egal ist, ob hier eine Tonne oder ein Container steht“, erinnert sich der Blaue-Tonne-Sachbearbeiter Sascha Griesinger von der Firma Braig an die Beschwerde des Wirts. EBU-Chef Michael Potthast gab zum Fall in der Friedrichsau gestern gegenüber der SZ folgende Erklärung ab: „Wir respektieren grundsätzlich den Willen der Bürger. Sollte bei diesem Vorfall anders gehandelt worden sein, muss es sich um ein Versehen handeln.“ In diesen Tagen ließe sich dies aber nicht abschließend klären, denn einer der in der Friedrichsau beteiligten EBU-Mitarbeiter sei im Urlaub und können derzeit nicht befragt werden.

Was das Fass zwischen Braig und EBU vollends zum Überlauf brachte, ist, dass die EBU weit mehr als 100 Blaue Tonnen von Braig eingesammelt und bei sich gelagert hatten. Braig war davon nichts bekannt. Der Firmeninhaber zeigte sich gegenüber der SZ von dieser Sammelaktion völlig überrascht: „Davon wussten wir nichts. Die Blauen Tonnen gehören uns. Das Stück kostet 25 Euro.“

„Braig muss es wissen“

Wie eine ganze Masse von Blauen Tonnen in EBU-Hände geraten konnten, erklärte Michael Potthast gestern der SZ: „Möchte jemand unsere Tonnen haben, bieten wir den Bürgern an, die Tonnen von Braig zu diesem zurückzubringen.“

Dieser Rückbring-Service zu Braig sei dem Gemeinderat Ulm im März in einer öffentlichen Sitzung vorgestellt worden, so Potthast: „Bei der Sitzung war auch der Unternehmer Braig anwesend. Er muss also davon gewusst haben.“

Am Dienstag haben die EBU insgesamt 120 Blaue Tonnen nach Berkach gefahren. Eine weitere Lieferung von Tonnen stehe noch aus, sagt Braig.

Wie scharf der Kampf um das im Preis steigende Altpapier mittlerweile in Ulm geführt, zeigt eine Flyer-Aktion von EBU und Braig. Beide werben an den jeweils fremden Behältnissen für ihre eigenen Dienste. Der Privatunternehmer Braig geht sogar soweit, auf diesen Flyern die EBU wegen der Einführung der städtischen Blauen Tonnen der „Steuergeldverschwendung“ zu bezichtigen. Gegenüber der SZ schlägt EBU-Leiter Michael Potthast zurück: „Wir kämpfen mit unserer Blauen Tonne für einen niedrigen Restmüllpreis und damit für die Interessen der Bürger der Stadt Ulm.“

(Erschienen: 29.07.2010 09:30)

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