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Stadtnachrichten Ulm

Galerist Tobias Schrade lebt im Fischerviertel ein Leben voller Kunst

Ulm / sz Der Ulmer Galerist Tobias Schrade teilt sich sein Wohnhaus mit drei anderen Menschen – und jeder Menge Kunst. In unserer neuen Serie „Meine gute Stube“ blicken wir für Sie durchs Schlüsselloch. Und zwar nicht nur bei Menschen, die man in der Region kennt, sondern auch bei solchen, die ausgefallen oder ganz unkonventionell wohnen.

Die Treppe knarzt auf dem Weg nach oben unter jedem Schritt. Die Kerben und Furchen in den alten Balken erzählen von zahlreichen früheren Bewohnern. Es ist ein altes Haus, in dem Tobias Schrade zu Hause ist. Und angeblich verlässt er es nur selten. „Du kommst ja nie runter von deiner Insel“, spottet regelmäßig der Künstler Thomas Kahl. Warum auch: Viele würden gerne mit Schrade tauschen, der malerisch im Fischerviertel wohnt – und seine Galerie unter dem gleichen Dach hat.

Dieses Leben kennt Schrade seit seiner Kindheit. Seine schon seit längerer Zeit getrennten Eltern sind beide Galeristen, und stets teilte sich die Familie ihr Wohnhaus mit einer Galerie. Dabei stand, so erinnert sich Schrade, immer die Kunst im Zentrum. In dem kleinen Haus im Fischerviertel ist es nicht ganz so. Neben Schrade und seiner Freundin Martina Strilic, die als Fotografin arbeitet, leben noch zwei weitere Mitbewohner dort: die gelernte Modistin Iris Buck und Marian Sedlak, der Antiquitäten und alte Kunst verkauft. Eine kreative WG, auch wenn Schrade das Wort nur ungern benutzt. Denn wenn sich die Tür zum Obergeschoss schließt, wo der Galerist und seine Freundin eine kleine, aber vollständige Wohnung haben, endet das WG-Leben. Dennoch: „Die Menschen in diesem Haus sind für mich wie eine Familie“, sagt Schrade. Und jedes Familienmitglied hinterlässt Spuren.

Nägel bleiben in der Wand

Überall stehen alte Möbel und Einrichtungsgegenstände, die Marian ins Haus gebracht hat, an den Wänden hängen Bilder der Künstler aus dem Galerieprogramm Schrades. Die Nägel in den Wänden bleiben, gewechselt werden nur die Bilder. Das Haus ist ein begehbares Kunstlager. Hier wohnen vier Menschen, hier wird aber auch gearbeitet. Fotografin Martina hat ihren Computer ganz oben aufgebaut, im ersten Stock ist eine kleine Werkstatt, wo sie und die Modistin Buck manchmal gemeinsam an Accessoires ihres Mini-Labels „Tinki Palermo“ arbeiten.

Doch wo ist sie nun, die gute Stube? Unterm Dach ist die Einrichtung karg. Die Wände sind hellgrün, der Fußboden besteht aus Faserplatten, die Schrade hineingelegt hat, um das Dachgeschoss wohnlich zu machen. Eine große Sitzgruppe fehlt, nur ein barocker Sessel aus weiß gestrichenem Holz mit Original-Überzug – benutzen ausdrücklich erlaubt. An der Wand mahnt ein gemaltes Schild „Please help this place clean“ („Bitte helfen Sie, diesen Ort sauber zu halten“) und droht bei Nichtbefolgung gleich mit dem Strick.

Alles hat seinen Platz

Jedenfalls hat in diesem Raum alles seinen Platz. Man merkt dem Zimmer an, dass abgesehen von den zwei Bewohnern nur selten andere zu Besuch kommen. Das Dachgeschoss ist das Rückzugsgebiet von Schrade und seiner Lebensgefährtin. Und natürlich lagert auch hier, unter der Dachschräge, verborgen hinter weißen Vorhängen, Kunst.

Zur gemeinsamen Nutzung gibt es nur ein Zimmer. In der Ecke steht ein antiker Tisch mit zwei Bänken, die Wand daneben ist über und über mit Bildern der jüngsten Ausstellungen behängt. Seine Schätze gibt der Raum erst auf den zweiten Blick preis. Zwischen Couch und Fernseher steht eine Holzkiste, in Frakturlettern beschriftet. In ihr kam einst das zurück, was vom im Krieg gefallenen Großvater geblieben war. Wer sie heute öffnet, sieht ein „Scrabble“-Spiel obenauf.

Feinstes Porzellan

In einem Renaisance-Schränkchen ist das Geschirr versteckt – nur feinstes Hutschenreuther-Porzellan mit Goldrand. Dazu gibt es ehrwürdiges Silberbesteck. Überbleibsel aus einer Zeit, als der heute 37-jährige Tobias Schrade, der mehrere Jahre in Berlin lebte und dort auch seine Galerie gründete, dem bürgerlichen Biedermeier verfallen war. „Bei mir sah es aus wie bei Leuten, die 1940 achtzig Jahre alt waren“, spottet er heute über seinen früheren Wohnstil.

Im Vergleich dazu geht es in der Ulmer Hausgemeinschaft lässig zu. „Aber es gibt im ganzen Haus trotzdem keinen Löffel, der nicht aus Silber wäre“, sagt Martina Strilic. Dass dann auch noch interessante Kunst an den Wänden hängt, ist in solchen Momenten zweitrangig.

(Erschienen: 22.08.2010 20:35)

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