Stadtnachrichten Ulm
Diskussion: Schwul trifft konservativ
Am Vorabend des Christopher-Street-Days in Ulm erzählten beide im Neu-Ulmer Augustheater von ihrem Leben in Berlin, von der Schwierigkeit einer Lebensphase in Bayreuth, wohin Carlos und Harald wegen einer schweren Erkrankung von Haralds Mutter gezogen waren, von Ausgrenzung und Übergriffen. Überzeugend war ihre Darstellung der unterschiedlichen Wahrnehmung eines Outings: Bedeutet sie für einen Homosexuellen eine soziale Information über seine Identität, wird dies von seiner heterosexuellen Umgebung eher als sexuelle Information verstanden und stößt auf Irritation.
Carlos Fassanelli: „Der Tod der Mutter des Ehemanns beeinflusst beispielsweise die Leistungsfähigkeit im Beruf. Die sexuelle Identität verrät sich überall im Alltag. Wie kommuniziere ich als Mann, dass die Eltern meines Mannes einen Autounfall hatten?“ Während das Berliner homosexuelle Ehepaar intensiv die Problematik eines lebenslangen Outings erläuterte, nahmen Jürgen Filius und Thorsten Freudenberger von politischer Seite Stellung.
Freudenberger, CSU-Kreisvorsitzender und Gymnasiallehrer, wollte mit seiner Zusage zum Diskussionsabend „Neu! Ulm outet sich“ ein Zeichen setzen, „unabhängig davon, was andere Parteimitglieder darüber denken“. Auch wenn die CSU als Vertreterin eines politischen Konservativismus die Mehrheitsmeinung der schwulen Community nicht teile, sagte Freudenberger, tue sie gut daran, sich dem Thema zu öffnen. „Jeder Einzelne ist Teil der Gesellschaft und ist deshalb aufgerufen, in seinem Umfeld dafür zu sorgen, dass sich der Klimawandel dahin vollzieht, dass Menschen sich zutrauen, sich zu outen.“
Freudenberger äußerte sich pro Gleichstellung homosexueller Ehepaare im Beamten- und Erbrecht. Diskussionsbedarf sieht er im Adoptions- und im Steuerrecht, wo Freudenberger auf den im Grundgesetz verankerten besonderen Schutz von Ehe und Familie verwies.
Eine Gleichstellung von homosexuellen Ehen mit Ehen zwischen Mann und Frau werfe die Notwendigkeit einer Definition des Ehebegriffs an sich auf; durch eine solche Öffnung könnte beispielsweise die Diskussion um eine Ausgrenzung der Ehe zu dritt entstehen. „Wenn ich das familienpolitsche Leitbild vertrete, bedeutet das nicht, das ich andere ausgrenze“, so Freudenberger.
Für die Grün-Rote Landesregierung sprach der Ulmer Anwalt Jürgen Filius, der sich für die rechtliche Gleichstellung Homosexueller im Steuerrecht einsetzte. Von den Zuhörern kamen Forderungen nach einem Adoptionsrecht in Deutschland für homosexuelle Paare.
(Erschienen: 15.08.2011 18:55)
Am Vorabend des Christopher-Street-Days in Ulm erzählten beide im Neu-Ulmer Augustheater von ihrem Leben in Berlin, von der Schwierigkeit einer Lebensphase in Bayreuth, wohin Carlos und Harald wegen einer schweren Erkrankung von Haralds Mutter gezogen waren, von Ausgrenzung und Übergriffen. Überzeugend war ihre Darstellung der unterschiedlichen Wahrnehmung eines Outings: Bedeutet sie für einen Homosexuellen eine soziale Information über seine Identität, wird dies von seiner heterosexuellen Umgebung eher als sexuelle Information verstanden und stößt auf Irritation.
Carlos Fassanelli: „Der Tod der Mutter des Ehemanns beeinflusst beispielsweise die Leistungsfähigkeit im Beruf. Die sexuelle Identität verrät sich überall im Alltag. Wie kommuniziere ich als Mann, dass die Eltern meines Mannes einen Autounfall hatten?“ Während das Berliner homosexuelle Ehepaar intensiv die Problematik eines lebenslangen Outings erläuterte, nahmen Jürgen Filius und Thorsten Freudenberger von politischer Seite Stellung.
Freudenberger, CSU-Kreisvorsitzender und Gymnasiallehrer, wollte mit seiner Zusage zum Diskussionsabend „Neu! Ulm outet sich“ ein Zeichen setzen, „unabhängig davon, was andere Parteimitglieder darüber denken“. Auch wenn die CSU als Vertreterin eines politischen Konservativismus die Mehrheitsmeinung der schwulen Community nicht teile, sagte Freudenberger, tue sie gut daran, sich dem Thema zu öffnen. „Jeder Einzelne ist Teil der Gesellschaft und ist deshalb aufgerufen, in seinem Umfeld dafür zu sorgen, dass sich der Klimawandel dahin vollzieht, dass Menschen sich zutrauen, sich zu outen.“
Freudenberger äußerte sich pro Gleichstellung homosexueller Ehepaare im Beamten- und Erbrecht. Diskussionsbedarf sieht er im Adoptions- und im Steuerrecht, wo Freudenberger auf den im Grundgesetz verankerten besonderen Schutz von Ehe und Familie verwies.
Eine Gleichstellung von homosexuellen Ehen mit Ehen zwischen Mann und Frau werfe die Notwendigkeit einer Definition des Ehebegriffs an sich auf; durch eine solche Öffnung könnte beispielsweise die Diskussion um eine Ausgrenzung der Ehe zu dritt entstehen. „Wenn ich das familienpolitsche Leitbild vertrete, bedeutet das nicht, das ich andere ausgrenze“, so Freudenberger.
Für die Grün-Rote Landesregierung sprach der Ulmer Anwalt Jürgen Filius, der sich für die rechtliche Gleichstellung Homosexueller im Steuerrecht einsetzte. Von den Zuhörern kamen Forderungen nach einem Adoptionsrecht in Deutschland für homosexuelle Paare.
(Erschienen: 15.08.2011 18:55)































