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Knubbel zaubert Australien ins Hinterdorf

Herbert Dirlewanger, Lydia und der kleine Knubbel. Die Känguru-Truppe zaubert Australiengefühl ins Ertinger Hinterdorf.
Herbert Dirlewanger, Lydia und der kleine Knubbel. Die Känguru-Truppe zaubert Australiengefühl ins Ertinger Hinterdorf.

Ertingen / sz Wie kommt ein Mensch auf die Idee im Schwabenland Kängurus zu züchten? „Ich habe wohl den größten Australienspleen in der nördlichen Hemisphäre“, erklärt Herbert Dirlewanger aus Ertingen. Fünf erwachsene so genannte Rock Wallabys hüpfen bei ihm im Gehege rum. Star der Truppe ist allerdings Knubbel – eine Handaufzucht.

Von unserer Redakteurin  Marion Buck

Herbert Dirlewanger ist Australien-Fan seit Jugendtagen. Bereits fünf Mal reiste er auf den kleinsten Kontinent der Erde, ließ sich von der unendliche Weite und einzigartigen Flora und Fauna anstecken. Irgendwann war er infiziert, fasste den Entschluss dorthin auszuwandern. Weil dies familientechnisch leider nicht klappte, beschloss er „ein kleines Stück Australien nach Oberschwaben zu holen“ und Kängurus zu züchten.

Dirlewanger wälzte Fachbücher, las sich in die Materie ein. Er umzäunte 2000 Quadratmeter Wiese, schippte in der Mitte der Fläche einen „Privat-Ayers Rock“ auf und baute einen Stall. Im Mai vergangenen Jahres kaufte er bei einer holländischen Züchterin fünf Rock Wallabys (Stein- oder Felskängurus). „Das ist eine der 200 verschiedenen Känguru-Rassen“, so der Ertinger. Die Tiere sind handlich und ziemlich robust, kommen überwiegend in Süd-Australien und Tasmanien vor.

Eine der Damen war beim Einzug ins Gehege bereits schwanger. Man sehe nur lange nichts von den Babys, weil sie bei der Geburt so groß wie ein Gummibärchen seien, erklärt Tochter Lydia. Wenn sie geboren sind, kriechen sie, klein und nackt, in den Beutel der Mutter. Dort bleiben sie ungefähr sechs Monate. Als Knubbel etwa drei Monate alt war, verstarb seine Mutter. Tragisch für Knubbel, ohne menschliche Hilfe wäre er gestorben. Lydia sprang als Ersatzmama ein. Sie hatte gerade Sommerferien und wollte mit einem Ferienjob ein bisschen Geld verdienen. Den Job hat sie geopfert – für Knubbel. Sie wickelte das nackte, kleine Würmchen – „er sah ein bisschen aus wie E.T.“ -- in eine Decke, knotete eine alte Jogginghose zusammen und hatte somit einen Ersatzbeutel für ihn. Alle zwei Stunden hatte ihr Pflegekind Hunger – Tag und Nacht – sechs Wochen lang. „Das waren die anstrengendsten Ferien in meinem Leben“, blickt die 17-Jährige zurück. Knubbel wuchs und gedieh, schlief irgendwann im Babybett und bekam weiterhin die Babyflasche, gefüllt mit einer Spezialmilch, die es nur in Holland, USA und Australien gibt.

Heute ist Knubbel fast ein Jahr alt, sitzt im Gehege und nagt an Ästen und Blättern. Er ist zwar immer noch ein flauschiges Fellhäufchen, das man am liebsten auf den Arm nehmen würde, allerdings „sei das kein Streichelzoo“, sagt Dirlewanger, der viel Wert auf artgerechte Haltung legt. Auch Knubbel mag nicht mehr kuscheln. Er ist jetzt ein Känguru-Teenager und Star der Wallaby-Truppe. Die will Dirlewanger noch vergrößern. „Vielleicht auf zehn bis 15 Tiere.“

Neugierige dürfen bei Dirlewangers durchaus auf den Hof kommen und die Kängurus besichtigen. „Nur nicht füttern“, bittet der Tierfreund. Und wer in Känguru-Kot tritt, sollte sich glücklich schätzen. Känguru-Kot bringt Glück. „Altes, australisches Sprichwort“, schmunzelt der Ertinger.

(Erschienen: 07.05.2010 20:05)

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