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„Demenz aktiv“ hilft Angehörigen

Michael Wissussek, Klara Burger, Gabriele Stümke und Josef Martin haben die neuen Selbsthilfegruppen "Demenz aktiv" für Riedlingen und Bad Buchau ins Leben gerufen.
Michael Wissussek, Klara Burger, Gabriele Stümke und Josef Martin haben die neuen Selbsthilfegruppen "Demenz aktiv" für Riedlingen und Bad Buchau ins Leben gerufen.

Riedlingen / sz Angehörige von Demenzerkrankten brauchen ebenso Hilfe wie der Erkrankte selbst, sagt die Seniorengenossenschaft Riedlingen. Deshalb werden nun zwei Selbsthilfegruppen für Angehörige gegründet – eine für Riedlingen, eine für Bad Buchau. Dort gibt es Hilfe zur Selbsthilfe – und wenn nötig auch fachliche Beratung.

Von unserer Redakteurin  Marion Buck

Die Riedlinger Seniorengenossenschaft beschäftigt sich schon seit sechs Jahren mit dem Thema Demenz. „Lange bevor es in der Politik thematisiert wurde“, sagt Josef Martin, Vorsitzender der Seniorengenossenschaft. Unter deren Dach entstand die „Demenzpflege Riedlingen“ und in der Tagespflege Rösslegasse werden Patienten von erfahrenen Mitarbeitern betreut. Leiter des Demenzbereiches ist Michael Wissussek. Auf seine Anregung hin werden nun für Riedlingen und Bad Buchau zwei Selbsthilfegruppen „Demenz aktiv“ gegründet. Die Gruppen sind für Angehörige von Demenzerkrankten, um sich gegenseitig auszutauschen oder Tipps und Rat zu holen.

Für Riedlingen leitet Gabriele Stümke diese Gruppe. Sie ist Vorstandsmitglied der Seniorengenossenschaft und bringt sich in der Selbsthilfegruppe ehrenamtlich ein. Stümke erlebt immer wieder, dass Demenzerkrankung zu Isolation führt und viele Angehörige versuchten, „das Rad neu zu erfinden“. Zwar habe sich der Umgang mit dem Thema in den vergangenen zwei Jahren etwas gebessert, allerding gebe es immer noch immensen Aufklärungsbedarf. Auch Altentherapeutin Klara Burger kennt sich mit Demenzerkrankten aus und wird die Selbsthilfegruppe für den Federseeraum in Bad Buchau ehrenamtlich leiten. Die beiden sind Ansprechpartner für pflegende Angehörige und beide Gruppen wollen sich einmal im Monat treffen. In Riedlingen kann an eine Angehörigen-Gruppe, die vor sechs Jahren entstanden ist, angeknüpft werden, in Bad Buchau wird mit diesem Thema Neuland betreten.

Das besondere an den beiden Gruppen ist, dass sie fachliche Kompetenz im Rücken haben werden. In Riedlingen steht die Demenzpflege der Seniorengenossenschaft zur Beratung bereit, in Bad Buchau die Federseeklinik. „So eine Konzeption gibt es noch nicht“, erklärt Wissussek. „Da ist Riedlingen Vorreiter.“ In erster Linie sollen sich Angehörige zu einem offenen Gesprächskreis treffen, um sich auszutauschen, zu unterstützen oder „auch einfach nur um einander zuhören“, wie Stümke erklärt. Solidarität untereinander, das gegenseitige Verstehen, wie schwer ein Alltag mit einem Demenzerkrankten ist, und das gemeinsame Suchen nach einer individuellen Lösung stehen im Vordergrund. „Menschlich motivieren und fachlich kooperieren“, fasst Wissussek die Idee des neuen Projektes zusammen.

Und der Bedarf sei da, wissen die Fachleute rund um die Demenzpflege. Angehörigenpflege sei genauso wichtig wie Demenzpflege. Auf lange Sicht müsse man hinbekommen, dass jedem, der einen Demenzerkrankten pflegt, ebenfalls Pflege erhält“, ist die Vision Wissusseks. Allerdings nicht mit Geld vom Staat, sondern durch gegenseitige Hilfe. In zehn Jahren haben wir 50 Prozent mehr Erkrankte“, weiß Martin. Das bringe der demographische Wandel mit sich.

Eingeladen sind in die neuen Gruppen nicht nur Angehörige. Auch am Thema Interessierte sind gerne gesehen. Auch Leute, die so etwas in ihrer eigenen Stadt oder Gemeinde ins Leben rufen wollen, bekommen bei Michael Wissussek Unterstützung. Die Abende sind kostenfrei, eine Anmeldung wäre erwünscht, aber nicht Pflicht. Wer eine Betreuung seines Erkrankten für diesen Zeitraum braucht, kann sich ebenfalls an Michael Wissussek wenden. Unter dem Dach der Riedlinger Demenzpflege gibt es die sogenannte häusliche Ressourcenbetreuung. Erfahrene Mitarbeiter der Demenzpflege betreuen demenzkranke Menschen zu hause. Diese Betreuung kann mit den Krankenkassen abgerechnet werden.

INFO: In Bad Buchau startet die Gruppe am Donnerstag, 18. März, um 18.30 Uhr, im Ergotherapieraum „Kappel“ der Federseeklinik und trifft sich dann zukünftig immer am dritten Mittwoch im Monat. In Riedlingen treffen sich die Angehörigen am Dienstag, 23. März, um 19 Uhr, in der Tagespflege Rösslegasse und haben ihre Termine jeden dritten Dienstag im Monat.

Ansprechpartner für Riedlingen ist Gabriele Stümke, Telefon (07371) 3922, für Bad Buchau, Klara Burger, Telefon (07582) 800 1700. Wer Fragen zur Sozialberatung hat, wendet sich an Michael Wissussek, Telefon (07371) 184726.

(Erschienen: 12.03.2010 12:15)

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