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Langlois wundert sich über Kraus‘ Hellseherei

Der Riedlinger Werkrealschulrektor verteidigt das Konzept der Gemeinschaftsschule
Langlois wundert sich über Kraus‘ Hellseherei
Langlois wundert sich über Kraus‘ Hellseherei

Riedlingen / sz/mad „Hier entsteht in der Öffentlichkeit ein schiefes Meinungsbild, das ich nicht unwidersprochen stehen lassen will.“ Mit diesen Worten reagiert Otto Langlois, der Rektor der Riedlinger Joseph-Christian-Schule, auf die Thesen von Josef Kraus beim Neujahrsempfang von Junger Union und Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU/CSU (SZ vom 28.1.2012). Langlois weist die von Kraus vorgenommene Gleichsetzung von Gemeinschaftsschule und Gesamtschule zurück. „Die Gesamtschule teilt die Schüler je nach Leistungsniveau in unterschiedliche Kurse ein. In der Gemeinschaftsschule bleiben die Kinder in Klassenverbänden zusammen, aber es wird in Lerngruppen nach dem Niveau differenziert“, erläuterte er. Daher wundert er sich Kraus: „Woher nimmt er die Gewissheit, dass eine Schule, die es noch gar nicht gibt, erfolglos sein wird? Solch hellseherische Kräfte sind schon beeindruckend“, schreibt Langlois in einer Stellungnahme.

Langlois stimmt Kraus zu, dass Leistung wichtig ist und es Bildung nicht ohne Anstrengung gibt. Aber derlei „Allgemeinplätze“ sprächen nicht gegen die Gemeinschaftsschule. Er räumt mit dem Missverständnis auf, dass dort die Noten abgeschafft würden. „Es gibt zusätzlich zu den Noten einen Lernentwicklungsbericht“, stellt Langlois klar: „Die Gemeinschaftsschule ist durchaus eine Leistungsschule, die fordert und fördert. Wir machen da keine Kuschelpädagogik.“

Zwar seien Märchen als Unterrichtsstoff geeignet, aber „an Grundschulen Baden-Württembergs tauchen Märchen ganz anderer Art auf“, schreibt Langlois weiter. Es bestehe wohl Einigkeit, dass die Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten, Neigungen und Wesenszügen ausgestattet seien. All dies schlage sich in unterschiedlichen schulischen Leistungen nieder. Aber warum, fragt er rhetorisch, nehmen dann die Übergangszahlen auf die Realschule und aufs Gymnasium stetig zu, während die Haupt- und die Werkrealschulen auszubluten drohen? „Es gibt Grundschulen, die nicht eine einzige Hauptschulempfehlung aussprechen“, schreibt Langlois und fügt mit einer Portion Sarkasmus hinzu: „Mein Glaube an märchenhafte Wunder hält sich in Grenzen. Ich kann nicht glauben, dass das auch nur zufällig möglich ist.“ Wie manche Grundschullehrer offenbar nur mit Einsen und Zweien auskämen, sei für ihn bei normaler Begabungsverteilung schwer nachvollziebar.

In diesem Zusammenhang macht der Riedlinger Werkrealschulleiter darauf aufmerksam, dass Josef Kraus dem Deutschen Lehrerverband vorstehe. Dabei handle es sich um einen Zusammenschluss verschiedener Einzelverbände der Gymnasiallehrer, Realschullehrer, Lehrer an Wirtschaftsschulen und solcher an beruflichen Schulen. Langlois‘ Fazit: die Mitglieder des DL „sind keinesfalls ein repräsentativer Querschnitt der deutschen Lehrerschaft. Kraus spricht für 160000 der 750000 Lehrerinnen und Lehrer Deutschlands“ – aber eben nicht für die Grund-, Hauptschul- und Werkrealschullehrer.

Und in Langlois Augen sind gerade deren Erfahrungen wertvoll, wenn es darum geht, die Schüler zu fördern. Anders als Kraus ist Langlois der Meinung, dass mehr Lehrer im gegliederten Schulsystem allein nicht die Lösung sind. Kraus‘ Eintreten für instruktiven statt projektorientierten Unterricht charakterisiert Langlois als „Zurück ins 18. Jahrhundert“ und empfiehlt die Lektüre von Pestalozzi. Wenn Kraus seine Zuhörer „für die Debatten munitionieren“ wollte, so hofft Langlois, „dass die zuständigen Herren und Damen sich nicht darauf einlassen, mit der falschen Munition umzugehen“. Die Joseph-Christian-Schule jedenfalls wolle pädagogisch Sinnvolles leisten und dazu brauche es keinen ideologischen Zwist. Daher lädt er alle Interessierten ein, sich selbst ein Urteil zu bilden.

(Erschienen: 30.01.2012 21:35)

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