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Zum Entsetzen vieler Wainer steht ein Mast

WAIN - An einem Werksgebäude der Firma Häwa in Wain ist gestern ein Mast mit einer O2-Mobilfunkantenne angebracht worden, obwohl der Gemeinderat dies Anfang Juni einstimmig abgelehnt hatte. Anwohner zeigten sich entsetzt darüber, dass der Ratsbeschluss und ihre Proteste ignoriert wurden. "Ich dachte, das Thema Funkmast sei vom Tisch - bis mich heute Morgen jemand anrief", erzählt Marie-Luise Schürer, die unweit des Häwa-Gebäudes an der Ortseinfahrt aus Richtung Schwendi wohnt.

"Ich dachte, das Thema Funkmast sei vom Tisch - bis mich heute Morgen jemand anrief", erzählt Marie-Luise Schürer, die unweit des Häwa-Gebäudes an der Ortseinfahrt aus Richtung Schwendi wohnt. Sofort sei sie nach draußen gegangen und habe einen ihrer Schätzung nach knapp zehn Meter langen Mast neben dem Häwa- Gebäude liegen sehen. Männer hätten offenbar Befestigungen am Gebäude vorbereitet. Am späten Vor-mittag sei der Mast dann aufgerichtet gewesen.

Auch Jens Rieso bekam mehrere Anrufe von Bürgern, die besorgt waren über die Aktivitäten bei Häwa. Gemeinsam mit Marie-Luise Schürer versuchte er, von der Häwa-Geschäfts-leitung Auskunft zu bekommen. Doch die Geschäftsführer Arno Müller und Markus Jung weilen im Urlaub. Der Betriebsleiter Rupert Mahle habe sich für die Funkmastangelegenheit nicht verantwortlich gesehen. Auch der Schwäbischen Zeitung gelang es gestern nicht, eine Stellungnahme von Häwa zu bekommen.

"Ratsbeschluss wird ignoriert"

"Es ist einfach unmöglich, dass trotz des ablehnenden Ratsbeschlusses gebaut wird", kritisieren Schürer und Rieso. Bei der Sitzung am 5. Juni sei in Anwesenheit zweier O2-Vertreter ausdrücklich darauf hingewiesen worden, dass das Vorhaben nicht wegen der Masthöhe abgelehnt werde, sondern wegen der Art der Anlage. Der Rat begründete sein "Nein" mit einer nicht auszuschließenden Gefährdung der Bevölkerung - vor allem der Kinder - im angrenzenden Wohngebiet. Gleichzeitig fasste das Gremium den Grundsatzbeschluss, bis zur eindeutigen Klärung der gesundheitlichen Unschädlichkeit dürften zum Schutz der Bevölkerung innerhalb von Wain keine Mobilfunkanlagen genehmigt werden. Dadurch und durch die Proteste der an diesem Abend zahlreich erschienen Bürger sei klar zum Ausdruck gekommen, "dass man in Wain diese Anlage nicht will", sieht Jens Rieso die Lage.

"Das Ding muss wieder runter"

Kein Verständnis haben die beiden Funkmastgegner für die Haltung der Firma Häwa, die dem Anbringen der Antennen offensichtlich zugestimmt hat. Der Geschäftsleitung müsse das Ergebnis der Ratssitzung im Juni bekannt sein. "Jetzt den Ratsbeschluss und den Willen der Bevölkerung zu ignorieren - das entsetzt uns", sagen sie. "Wir erwarten, dass das Ding wieder vom Dach runterkommt und dass man unsere Bedenken respektiert."

Für Bürgermeister Christian Schlenk kam der Mastaufbau gestern "nicht ganz überraschend, aber doch plötzlich". Auf das Ergebnis der Ratssitzung im Juni habe O2 nicht reagiert. Eine Nachfrage des Kreisbauamts vor wenigen Wochen habe ihn zum Nachhaken veranlasst. Dabei habe er erfahren, dass ein Antennenmast bis zu zehn Meter Höhe genehmigungsfrei sei. Bisher sei es ihm nicht gelungen, mit O2 zu sprechen, da der zuständige Bearbeiter im Urlaub sei.

Auch Schlenk geht davon aus, dass Häwa dem Funkmast zugestimmt hat. Von der Vorgehensweise der Firma ist er enttäuscht: "Ich hätte schon erwartet, dass man uns informiert und Gelegenheit für eine Reaktion gibt." Nun wolle er die rechtlichen Möglichkeiten ausloten und versuchen, die Sache einvernehmlich zu klären, so der Bürgermeister.

O2 hatte bereits im Dezember 2007 eine rund 15 Meter messende Anlage beantragt, berichtet Thomas Lichtenberger, Unternehmenssprecher für Umwelt und Mobilfunk. Genehmigungsbehörde ist in diesem Fall das Landratsamt Biberach. Nach dem "Nein" des Wainer Gemeinde-- rats habe man nun aber zunächst eine kleinere, "qualitativ nicht optimale", jedoch verfahrensfreie Lösung gewählt.

"Unser Unternehmen steht in einem harten Wettbewerb, wir wollen ein eigenes Netz aufbauen", sagt Lichtenberger. Das eigentliche Ziel in Wain sei nach wie vor die größere Lösung - "wenn wir die Genehmigung haben, wird erhöht". Ein Bescheid des Landratsamts über den Bauantrag stehe noch aus.

Zu den Ängsten und Protesten der Wainer sagte Lichtenberger der SZ, die öffentliche Diskussion über Mobilfunk werde häufig sehr emotional und weit weg von der Sache geführt. "Wir gehen mit gutem Grund davon aus, dass unsere Sendeanlagen keine Gefahr für die Gesundheit der Menschen sind", verweist der O2-Sprecher auf wissenschaftliche Untersuchungen.

"O2 hat einen Anspruch"

Bernd Schwarzendorfer, Pressesprecher des Landratsamts, sagte auf Anfrage der Schwäbischen Zeitung, dass der Bauantrag für eine 14-Meter-Sendeanlage derzeit ruhe - "wir warten auf ein Signal von O2, ob der Antrag aufrecht erhalten wird". Sollte das der Fall sein, "dann müssten wir die Anlage genehmigen", erklärte Schwarzendorfer gestern. Das Unternehmen habe einen Anspruch darauf, denn der Bereich bei Häwa in Wain sei als Gewerbegebiet ausgewiesen, und dort seien Mobilfunkanlagen "unproblematisch zulässig". Es seien keine Befreiungen vom Bebauungsplan notwendig.

(Erschienen: 03.09.2008 00:07)

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