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Investorengruppe kauft Lindenmaier

"Lindenmaier hat eine Perspektive", sagt der Insolvenzverwalter Hans-Jörg Derra.
"Lindenmaier hat eine Perspektive", sagt der Insolvenzverwalter Hans-Jörg Derra.

UNTERSULMETINGEN / sz Der insolvente Autozulieferer Lindenmaier wird an eine Investorengruppe unter Führung des Unternehmers Michael Militzer verkauft. Das hat der Gläubigerausschuss am Montag entschieden. Der Insolvenzverwalter Hans-Jörg Derra geht davon aus, dass die 200 fest angestellten Mitarbeiter übernommen werden.

Von unserem Redakteur Roland Ray 

Michael Militzer, Jahrgang 1948, promovierter Ingenieur, hat nach der Wende in den neuen Bundesländern eine Unternehmensgruppe geschaffen, die heute neun Betriebe mit 1100 Mitarbeitern umfasst. Zu den Produkten zählen Werkzeugmaschinen und Antriebstechnik für die Industrie. Die größte Firma im Verbund, Mitec in Eisenach (Umsatz 2009: 105 Millionen Euro), ist ein Autozulieferer von internationalem Rang.

In Untersulmetingen wolle sich Militzer privat engagieren, heißt es in einer gestern verbreiteten Pressemitteilung – „eine Vernetzung in der Militzer Gruppe wird ausgeschlossen“. Zur Investorengruppe, die Lindenmaier übernimmt, gehören die bisherigen Vorstandsmitglieder Robert Stöhr (Produktion) und Peter Rieser (Finanzen). Auf diese Weise sei Kontinuität in der Geschäftsführung gewährleistet.

Trotz der noch andauernden Automobilkrise sehe man eine gute Basis für das Geschäftsjahr 2010 und darüber hinaus, teilten die künftigen Gesellschafter weiter mit. Derzeit würden „abschließende Gespräche“ mit dem Betriebsrat und der IG Metall geführt, „mit dem Ziel, die Arbeitsplätze für den größten Teil der Belegschaft zu sichern und ab 1. Mai 2010 zu übernehmen“.

Der Gläubigerausschuss hatte am Montag in Stuttgart getagt. Das Votum für Militzer und seine Partner sei deutlich ausgefallen, sagt Hans-Jörg Derra. „Ein wichtiges Ziel für uns war, die Arbeitsplätze auf Zeit und Dauer zu erhalten“, betont der Insolvenzverwalter. „Das schien uns bei einem Interessenten mit industriellem Hintergrund am ehesten gewährleistet.“ Militzer habe sich entsprechend geäußert. Derra bestätigte, dass die Familie Lindenmaier nicht mehr beteiligt ist.

Der Ulmer Anwalt hat nach eigenen Angaben seit der Lindenmaier-Insolvenz vor elf Monaten mit 54 Interessenten gesprochen. Zuletzt blieben drei übrig: neben Militzer ein Finanzinvestor aus London und ein Zulieferer aus Deutschland mit chinesischem Hintergrund.

Mit Forderungen wird gerechnet

Die Beschäftigten bei Lindenmaier wurden gestern Vormittag bei einer Betriebsversammlung über den Verkauf der Firma informiert. „Sie haben die Nachricht still aufgenommen“, berichtet Liane Papaioannou von der IG Metall. Sie findet es grundsätzlich positiv, dass ein industrieller Übernehmer den Zuschlag bekommen hat. Nichts deute momentan darauf hin, dass der Standort Untersulmetingen gefährdet sein könnte.

Die Gewerkschafterin rechnet allerdings damit, dass die neuen Eigentümer Forderungen erheben und Einschnitte auf die Belegschaft zukommen. Völlig unklar sei zur Stunde, was mit den mehr als 60 gekündigten Mitarbeitern geschieht, die zwischenzeitlich mit befristeten Verträgen zurückgeholt wurden. Diese Verträge laufen zum 31. März aus.

Eine gewisse Erleichterung sei bei vielen Kolleginnen und Kollegen zu spüren, sagt der Betriebsratsvorsitzende Klaus Sandmaier. Ihm ist ein Industrieller lieber als ein reiner Finanzinvestor, der die Firma womöglich nur aussaugen oder in absehbarer Zeit weiterverkaufen würde. Aber auch Sandmaier geht davon aus: „Es wird wohl eine Forderung an die Belegschaft geben.“

Derra: „Wir sind uns einig“

„Wir sind uns einig“, fasst Hans-Jörg Derra die Verhandlungen mit Militzer und dessen Partnern zusammen. „Das Unternehmen hat ohne Wenn und Aber eine Perspektive.“ Die Investorengruppe erwirbt die Güter des Anlagen- und Umlaufvermögens. Die Liegenschaften gehören nach Derras Angaben nicht zur Insolvenzmasse; über diesen Punkt müsse Militzer mit den seitherigen Leasinggebern – ein US-Finanzinvestor und eine Leasinggesellschaft „mit Sparkassenhintergrund“ – sprechen.

Über den Kaufpreis für Lindenmaier wurde Stillschweigen vereinbart. Die vertraglichen Abmachungen gelten, sobald die neuen Gesellschafter mit der Belegschaft und den Leasinggebern einig sind. Nach SZ-Informationen deutet manches darauf hin, dass das künftige Unternehmen nicht mehr unter dem Namen Lindenmaier am Markt auftreten wird.

Abfindungen: Das Warten beginnt

Für die 227 Mitarbeiter, die im Juli 2009 gekündigt wurden, haben Betriebsrat und Insolvenzverwalter bereits im vergangenen Jahr einen Sozialplan ausgehandelt. Ob aber jemals Abfindungen gezahlt werden, sei offen, sagt Liane Papaioannou – „das ist leider bei Insolvenzen immer so“. Geld werde so schnell nicht fließen, dämpft Hans-Jörg Derra die Erwartungen; erst müsse er die genaue Summe der Verbindlichkeiten kennen und prüfen, ob genügend Masse vorhanden ist.

Noch nicht abgeschlossen ist laut Derra der Verkaufsprozess für die ebenfalls insolvente Lindenmaier-Tochter in der Slowakei. „Wir arbeiten an einer Lösung, innerhalb der nächsten zwei Monate wird sich etwas tun.“ Im Werk in Surany arbeiten derzeit noch 140 Menschen, Derra nennt die Auftragslage „nicht üppig, aber auskömmlich“. Matthias Lindenmaier, Sohn des langjährigen Firmenchefs Walter Lindenmaier, fungiert als Geschäftsführer. „Ich würde ihn ungern missen“, sagt der Insolvenzverwalter.

(Erschienen: 12.03.2010 00:50)

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