Stadtnachrichten Laupheim
Der die Fackel der Erinnerung trug
Wer ihn im Sommerhalbjahr sprechen wollte, ging viele Jahre lang einfach vormittags auf den jüdischen Friedhof. Dort arbeitete Ernst Schäll, bis zur Pensionierung Produktionsleiter im Maschinenbau, fast täglich in seiner Garagen-Werkstatt. Mehr als 120 Grabsteine, verwittert und vom Zerfall bedroht, hat er restauriert und der Stadt lediglich Materialkosten in Rechnung gestellt. Das nötige Fachwissen eignete er sich selbst an. Von ihm konnten selbst Denkmalschutz-Profis noch etwas lernen.
Kunst und Geschichte – am „guten Ort“ waren Schälls Passionen eins. In den 1970er-Jahren wurde er auf den Jugendstilkünstler Friedrich Adler aufmerksam, der etliche Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof entwarf. Derart gründlich hat Schäll danach Leben und Werk des in Laupheim geborenen, 1942 in Auschwitz ermordeten Kunstprofessors recherchiert, dass er zu einem international gefragten Adler-Experten avancierte. Er konnte diese Arbeit 2004 mit der Publikation eines Adler-Buches krönen. Die Industriellenfamilie Steiner war ebenfalls Thema seiner Forschungen – und viele mehr. Unermüdlich hat er die Früchte seiner Studien öffentlich gemacht und über eine weit verzweigte Korrespondenz mit ehemaligen jüdischen Mitbürgern und deren Nachkommen Quellen und Erinnerungsstücke erschlossen, die er regelmäßig dem Museum zuführte.
Schäll war eine moralische Instanz. Die Glut in diesem bescheidenen Mann konnte Feuer sein, wenn es darum ging, die Erinnerung an die jüdische Gemeinde Laupheims und ihr leidvolles Ende wach zu halten und seine Mitmenschen zu sensibilisieren. Sein Gerechtigkeitssinn war ausgeprägt, sein Urteil über das, was gewesen, ungeschönt. Er wollte, „dass Lehren gezogen werden und so etwas nie wieder passiert“. Er mahnte und war um Versöhnung bemüht. Sein Engagement, vermutete Schäll, rühre wohl von seinem Elternhaus, das den Nationalsozialismus ablehnte. Im Schneideratelier des Vaters in der Ulmer Straße verkehrten viele jüdische Kunden, „anständige Leute allesamt“.
Bundesverdienstkreuz, Staufer-Medaille, Ehrenamtspreis des Landkreises, Bürgermedaille: Schälls Wirken wurde vielfach ausgezeichnet. Zu seinem 80. Geburtstag verlieh ihm die Stadt Laupheim die Ehrenbürgerwürde. Besonders gefreut hat ihn auch der Obermayer-Award, für den er, der Nicht-Jude, von emigrierten jüdischen Laupheimern vorgeschlagen wurde.
Roland Ray
(Erschienen: 29.10.2010 00:00)
Wer ihn im Sommerhalbjahr sprechen wollte, ging viele Jahre lang einfach vormittags auf den jüdischen Friedhof. Dort arbeitete Ernst Schäll, bis zur Pensionierung Produktionsleiter im Maschinenbau, fast täglich in seiner Garagen-Werkstatt. Mehr als 120 Grabsteine, verwittert und vom Zerfall bedroht, hat er restauriert und der Stadt lediglich Materialkosten in Rechnung gestellt. Das nötige Fachwissen eignete er sich selbst an. Von ihm konnten selbst Denkmalschutz-Profis noch etwas lernen.
Kunst und Geschichte – am „guten Ort“ waren Schälls Passionen eins. In den 1970er-Jahren wurde er auf den Jugendstilkünstler Friedrich Adler aufmerksam, der etliche Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof entwarf. Derart gründlich hat Schäll danach Leben und Werk des in Laupheim geborenen, 1942 in Auschwitz ermordeten Kunstprofessors recherchiert, dass er zu einem international gefragten Adler-Experten avancierte. Er konnte diese Arbeit 2004 mit der Publikation eines Adler-Buches krönen. Die Industriellenfamilie Steiner war ebenfalls Thema seiner Forschungen – und viele mehr. Unermüdlich hat er die Früchte seiner Studien öffentlich gemacht und über eine weit verzweigte Korrespondenz mit ehemaligen jüdischen Mitbürgern und deren Nachkommen Quellen und Erinnerungsstücke erschlossen, die er regelmäßig dem Museum zuführte.
Schäll war eine moralische Instanz. Die Glut in diesem bescheidenen Mann konnte Feuer sein, wenn es darum ging, die Erinnerung an die jüdische Gemeinde Laupheims und ihr leidvolles Ende wach zu halten und seine Mitmenschen zu sensibilisieren. Sein Gerechtigkeitssinn war ausgeprägt, sein Urteil über das, was gewesen, ungeschönt. Er wollte, „dass Lehren gezogen werden und so etwas nie wieder passiert“. Er mahnte und war um Versöhnung bemüht. Sein Engagement, vermutete Schäll, rühre wohl von seinem Elternhaus, das den Nationalsozialismus ablehnte. Im Schneideratelier des Vaters in der Ulmer Straße verkehrten viele jüdische Kunden, „anständige Leute allesamt“.
Bundesverdienstkreuz, Staufer-Medaille, Ehrenamtspreis des Landkreises, Bürgermedaille: Schälls Wirken wurde vielfach ausgezeichnet. Zu seinem 80. Geburtstag verlieh ihm die Stadt Laupheim die Ehrenbürgerwürde. Besonders gefreut hat ihn auch der Obermayer-Award, für den er, der Nicht-Jude, von emigrierten jüdischen Laupheimern vorgeschlagen wurde.
Roland Ray
(Erschienen: 29.10.2010 00:00)
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Die Allgäu-Orient-Rallye ist ein Abenteuer für Autofans. Ohne Navi geht es querfeldein von Oberstaufen im Allgäu bis nach Baku, Aserbaidschan vom 28. April bis zum 15. Mai. Unter den 111 Teams ist auch das Team "Kilometermacher" mit Martina Schiller-Rall und Kilian Rall aus Biberach, Uwe Hartwig aus Baustetten, Rainer Kammerer aus Wain, Frank Vögtle aus Hohenfels und Holger Pfefferle aus Sigmaringen. Exklusiv für die SZ berichtet das Team während seiner Reise von seinen Erlebnissen.
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