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Herrlich klingen die Geschichten

Die vier Damen von Salut Salon entführen das Publikum musikalisch in die Unterwasserwelt
Nie ganz ernst, selten ganz Comedy: Trotz Kammerquartettbesetzung unterhielt Salut Salon die Zuhörer in gar nicht klassischer Weise
Nie ganz ernst, selten ganz Comedy: Trotz Kammerquartettbesetzung unterhielt Salut Salon die Zuhörer in gar nicht klassischer Weise (Foto: Hofmann)

Von Diana Hofmann

Laupheim Was macht der Haifisch im Aquarium? Keine Frage: Er will da raus. Geholfen haben ihm dabei am Donnerstagabend im Kulturhaus die vier Damen von Salut Salon – nachdem sie es auch waren, die ihn musikalisch da hinein verfrachtet hatten.

Die vier exzellenten Musikerinnen in klassischer Kammerquartettbesetzung machen auch klassische Musik, meistens jedenfalls. Ihre Arrangements verbinden damit aber oft unversehens Pop- oder Volksmusik, die sie tempo- und einfallsreich präsentieren – nie ganz ernst, selten ganz Comedy.

Die „Introduction und Tarantella“ von Pablo de Sarasate zum Beispiel fängt harmlos-hingebungsvoll als Violinduo von Angelika Bachmann und Iris Siegfried an, artet unvermutet als kleiner Zwist der beiden aus, bei dem böse Blicke das energischer werdende Spiel begleiten – bis sich das Klavier einmischt und Jennifer Rüth dafür gespielt vorwurfsvolle Blicke erntet.

Umgekehrt machen Salut Salon zu allem, was sie erzählen, den entsprechenden musikalischen Klang. Die Haifischzähne aus Kurt Weills berühmter Moritat lässt Jennifer Rüth durch das Zupfen der Klaviersaiten entstehen. Im „Aquarium“ aus dem „Karneval der Tiere“ von Camille Saint-Saëns untermalen durchsichtige Klavierarpeggien die getragene Streichermelodie und versetzen das Publikum in die blaue Unterwasserwelt – in die plötzlich der Hai in Gestalt von Astor Piazollas Tango „Escualo“ einbricht. Mit der Kraft seiner Phantasie (und der der 400 Zuhörer) sowie mit Hilfe des Temperaments der vier Hamburgerinnen sprengt er das enge Glas, um auf seiner Reise durchs Programm im Schwanensee, der schönen blauen Donau und der Moldau immer wieder aufzutauchen, bis ihn die Laupheimer Bürgerinitiative „Pro Hai“ wieder in heimische Gefilde, in diesem Fall das chinesische Meer vor Shang-Hai, bringt.

Belastungstest für die Instrumente

Zwischendurch hat Puppe „Oskar“ ihren Auftritt: Mit Bachmanns Geigenbogen angelt er im Flügel nach Schuberts launischer Forelle, was die Vier vom Warten über das Anbeißen bis zum Zurückspringen in die Tiefen des Flügels pantomimisch und klangmalerisch präzise darstellen. Dabei müssen die Instrumente einiges aushalten: Der Flügel dient als Schlagzeug, die Geigenrückseite wird mit einem Jazzbesen bearbeitet, das Cello von Sonja Lena Schmid wird zum Kontrabass für Oskar, die Streichinstrumente beim letzten Lied „We’ll meet again“ zu Gitarren.

Ob sie nun original Kammermusik spielen, finnische Volkslieder oder chinesische Popsongs singen oder Geräusche imitieren – alles geschieht virtuos auf höchst unterhaltsame Weise. Das Publikum revanchierte sich mit begeistertem Applaus und Bravo-Rufen – und der einen oder anderen Spende für ihr Musikschulprojekt in Chile, dem Bau und Unterhalt der „Escuela Popular de Artes“ in einem Elendsviertel von Viña del Mar.

(Erschienen: 25.11.2011 19:45)

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