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„Daran muss man erinnern“

Neue Volksbank: Zur Einweihung kommen Nachfahren des von den Nazis ermordeten Direktors Richard Heumann
Ein Porträt von Richard Heumann, gemalt von Dr. Mendler aus Ulm (in Familienbesitz).
Ein Porträt von Richard Heumann, gemalt von Dr. Mendler aus Ulm (in Familienbesitz). (Foto: privat)

Von Roland Ray

LAUPHEIM Mehr als sechs Millionen Euro hat die Volksbank Laupheim in den Neubau am Färbergässle investiert, der am Freitag eingeweiht wird. Für den Vorstandsvorsitzenden Hans Fleschhut war das ein Anlass, die Geschichte des Hauses in den Blick zu nehmen: „An einem Tag der Freude soll man auch auf die Wurzeln schauen.“

Die Materie erwies sich als fesselnd. Viele Kapitel nötigen Fleschhut Respekt und Bewunderung ab, manche jagen ihm kalte Schauer über den Rücken. Da ist zum Einen das „großartige Miteinander“ von christlichen und jüdischen Laupheimern, das die 1868 gegründete Genossenschaftsbank beflügelte. Als ihr in den 1920er-Jahren Wirtschaftskrise und Inflation zusetzen, gibt der Hollywood-Pionier Carl Laemmle einen 50 000-Dollar-Kredit und bürgt für Kunden. Über drei Generationen leitet die jüdische Familie Heumann das operative Geschäft, eine ungewöhnliche Kontinuität, die vom Vertrauen zeugt, das man in sie setzte.

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten ändern sich die Verhältnisse schlagartig. Unter fadenscheinigen Vorwänden nehmen sie den Gewerbebankdirektor Richard Heumann am 1. April 1933 in Schutzhaft und zwingen ihn, seinen Posten zu kündigen. Mitglieder der Generalversammlung loben ihn noch im Juli in höchsten Tönen – doch niemand begehrt auf. Heumann flüchtet sich in die Schweiz, siedelt mit seiner Familie nach Paris um. 1942 wird er deportiert und in Auschwitz ermordet.

„Daran muss man erinnern“, betont Hans Fleschhut. Und so fügt es sich, dass zur Einweihung des Neubaus Nachfahren von Richard Heumann erwartet werden, drei Enkel und zwei Urenkel aus Cincinnati im US-Bundesstaat Ohio. Am heutigen Mittwoch treffen sie als Gäste der Volksbank in Laupheim ein. In den nächsten Tagen wollen sie das Museum und den jüdischen Friedhof besuchen, ebenso das frühere Amtsgerichtsgefängnis, das ein Privatmann von Grund auf restauriert hat. Dort war Richard Heumann 1933 inhaftiert. Auf dem Programm steht auch ein Eintrag ins Goldene Buch der Stadt.

Hans Fleschhut empfindet den Besuch als ein Geschenk, „eine Handreichung, die Kraft gibt und Mut für die Zukunft“.

Am Sonntag, 12. Februar, ist von 13.30 bis 17 Uhr Tag der offenen Tür. Zu diesem Anlass wird die Ausstellung „Volksbank Laupheim im Wandel der Zeit“ eröffnet, die auch das Schicksal von Richard Heumann dokumentiert.

(Erschienen: 07.02.2012 23:30)

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