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Kampfansage an den inneren Schweinehund

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Quält sich: SZ-Redakteur Ilja Siegemund wagt fünf Wochen lang den Selbstversuch bei "Wie fit ist Laichingen?"
Quält sich: SZ-Redakteur Ilja Siegemund wagt fünf Wochen lang den Selbstversuch bei "Wie fit ist Laichingen?" (Foto: Ilja Siegemund)

Laichingen / sie Fünf Wochen lang trainierte SZ-Redakteur Ilja Siegemund im Laichinger Fitness-Studio „LA Gym“ im Rahmen der deutschlandweiten Studie „Wie fit ist Deutschland?“. Im Kampf gegen seinen inneren Schweinehund berichtete er wöchentlich über das Training - von himmelhochjauchzend bis zutiefst betrübt.

15 Jahre jünger in fünf Wochen

5. November

Nein, wie Arnold Schwarzenegger in seinen besten Jahren sehe ich beileibe nicht aus. Fit fühle ich mich aber trotzdem. Regelmäßig gehe ich wandern und Radfahren. Gleichzeitig esse ich aber leidenschaftlich gerne und trage deshalb ein kleines Bäuchlein der Kategorie dritter Schwangerschaftsmonat vor mir her.

Trotzdem will ich es jetzt wissen und stelle mich der Herausforderung, im Laichinger Fitness-Studio „L.A. Gym“ an der Studie „Wie fit ist Deutschland“ teilzunehmen. Bundesweit sind 10 000 Probanden mit von der Partie. 100 untrainierte Menschen aus der Region sollen bei „Wie fit ist Laichingen“ zeigen, wie fit sie innerhalb von fünf Wochen durch wöchentlich zweimaliges Training á 34 Minuten werden.

Eine tolle Sache. Aber die beginnt erstmal mit einem Schlag ins Kontor. Denn zunächst wird mein persönliches Fitness-Alter ermittelt. Dafür haben schlaue Menschen aus Köln und Berlin einen zehn Punkte umfassenden Test ausgearbeitet. Mein prozentualer Fettanteil in meinem Körper gibt mir da schon zu denken: Er liegt bei etwa 26,8 Prozent – im grünen Bereich wären 20,3. Dann soll ich meine Beweglichkeit beweisen. Doch meine Sehnen sind steif wie ein Brett. Bei der Rumpfbeuge versuche ich erfolglos, im Stehen meine Hände zum Boden zu führen. Geht gar nicht mit durchgestreckten Beinen. „Und los geht’s“, treibt mich Sina Juhn an, die im Fitnessstudio arbeitet. Sie hat nicht bemerkt, dass ich schon seit einiger Zeit verzweifelt mitten drin in der Übung bin. Bei den anschließenden Koordinations- und Ausdauertests kann ich mir ein Stück meiner Würde zurückerobern und ich bin eigentlich ganz guter Dinge, was mein Fitness-Alter anbelangt. Mit meinen 27 Jahren dürfte ich so um die 30 Jahre erreichen, schätze ich.

Denkste. „Was deine Fitness angeht, bist du 42 Jahre alt“, sagt Sina – und trifft mich mit voller Wucht. Zum Vergleich: Der 48-jährige Fitness-Studiobesitzer und Kampfsportler Günter Juhn bringt es auf 18 Jahre. 18!! Der Schock über diese Zahl sitzt tief – doch der Ehrgeiz hat mich jetzt vollends gepackt. Von wegen 42 – dem Testergebnis werd‘ ich’s zeigen… Fünf Wochen bleiben ja noch.

Das Schicksal ist mein Folterknecht

12. November:

Zwei Mal in der Woche jeweils nur 34 Minuten Sport treiben – na, das ist doch ein Klacks! Mehr brauche ich mich als Teilnehmer der deutschlandweiten Studie „Wie fit ist Deutschland?“ im Laichinger Fitness-Studio „L. A. Gym“ gar nicht abrackern, freue ich mich.

Also dann – voller Elan und mit breiter Brust marschiere ich zur ersten Trainingseinheit. Im Kraft-Ausdauer-Zirkel soll ich meine Muskeln stählen. Hochmotiviert entere ich das erste Fitness-Gerät, das sich meine Beinmuskeln vorknöpft. Zwar komme ich dabei doch etwas ins Schwitzen, aber ansonsten geht das Ganze locker-flockig über die Bühne. Wer sagt’s denn, denke ich grinsend.

Als nach zwei weiteren Geräten das Fahrrad ansteht, hat mich jedoch schnell die bittere Realität wieder eingeholt: Mein Puls ist von entspannten 90 Schlägen pro Minute auf 120 gestiegen. Nach den ersten Strampeleinheiten merke ich: Vielleicht bin ich doch nicht so fit, wie ich zunächst dachte. Ich schnaufe wie eine Dampflock, die sich eine Steige hinauf quält – und neben mir treten zwei sportliche Damen mühelos in die Pedale. Sie haben sogar noch so viel Puste, um den neuesten Klatsch und Tratsch auszutauschen. Frechheit!

Das Schicksal scheint mein persönlicher Folterknecht zu sein, schießt es mir durch den Kopf, während ich verzweifelt nach Luft ringe. Doch plötzlich werde ich aus meinen Gedanken gerissen: Das Fahrrad, auf dem ich mich vier Minuten lang abstrampeln soll, beginnt in einem schrillen Ton zu piepsen, der mich stark an einen Wecker erinnert. Das Signal bedeutet, dass mein Puls 150 Schläge pro Minute überschritten hat. Das jedoch darf nicht sein, deshalb fährt der Widerstand automatisch zurück – und das Fahrrad piepst so lange, bis mein Puls wieder im grünen Bereich liegt. Doch das dauert und dauert…

Auf Leckereien verzichten?

19. November:

Die dritte Woche meines sportlichen Selbstversuchs als Teilnehmer der Studie „Wie fit ist Deutschland“ im Laichinger Fitness-Studio „LA Gym“ läuft – doch das ewige Zappeln, Strampeln, Strecken, Ziehen, Drücken, Treten und Stoßen an den Sportgeräten wird meine Fitness nicht in die Kategorie eines Arnold Schwarzeneggers zu seinen besten Zeiten katapultieren. Klar, ein so extremer Muskelberg will ich auch nicht werden. Aber wenn doch nur mein Bäuchlein ein klein wenig im Umfang schrumpfen würde...

Ein frommer Wunsch – denn es gibt einen Haken: Ich esse viel zu gerne! Auch der 48-jährige Günter Juhn, der das Laichinger Fitness-Studio betreibt und mich mit seiner enormen Fitness alt aussehen lässt, bestätigt mein Dilemma. „Zucker ist für den Körper hochgiftig“, warnt er. Er lagere sich nämlich im Darm ab, wo er nicht verwertet werde. Und das habe irgendwann einmal bittersüße Folgen: Unter anderem könnten sich Gelenkprobleme einstellen. Doch was heißt das konkret für mich? Auf Zucker im Kaffee verzichten? Keine Schokoriegel mehr verdrücken? Und den köstlichen Kuchen meiner Freundin links liegen lassen? Ein Ding der Unmöglichkeit!

Aber einmal beim Thema gesunde Ernährung angelangt, kommt Günter Juhn so richtig in Fahrt. Auch mit seinem nächsten Ratschlag zieht er mir eins über die Zuckerrübe: Am besten soll ich alle Leckereien meiden, die mit dem hellen Mehl Typ 405 gebacken wurden. Das sind Brezeln, Laugenwecken, normale Wecken, genetztes Brot... – also all das, was schmeckt und glücklich macht.

Günter Juhns Begründung: Das helle Mehl habe kaum Mineralien und verpuffe relativ schnell. „Nach einer Brezel hast du sofort wieder Heißhunger“, warnt der Experte. „Das ist unkontrollierbar und dann nimmt man automatisch zu.“ Die Gesundheitskoryphäe empfiehlt vielmehr Backwaren, die mit Mehl zum Beispiel des Typs 1000 oder gar 2000 zubereitet wurden. Denn diese hielten sich länger im Magen und man sei länger satt.

Zum Glück gehört eine Ernährungsumstellung nicht zwingend zur Studie „Wie fit ist Deutschland“. Aber ich muss mich dennoch entscheiden: Adonis-Körper oder täglich schlemmen nach Herzenslust?

Mein Wille ist hart wie Stahl

26. November:

Eigentlich hätte ich mir keine ungünstigere Jahreszeit aussuchen können, um mich an der bundesweiten Fitness-Studie „Wie fit ist Deutschland?“ zu beteiligen. Das wird mir dieser Tage mehr und mehr bewusst. Denn mit meinem Selbstversuch im Laichinger Fitnessstudio „LA Gym“ rutsche ich nun in die Adventszeit, in der eine süße Leckerei nach der anderen lockt. Lebkuchen, Bratapfel, Stollen, Gutsle... Überall treffe ich auf verführerische Naschereien, die auffordernd zu rufen scheinen: Iss mich! Oh, wie gern würde ich... nur einen kleinen Happen.

Doch ich darf nicht. Denn im Rahmen meines Selbstversuchs, bei dem ich es innerhalb von fünf Wochen schaffen will, meinen Bauchumfang zu reduzieren, bin ich auf die nächste Folterstufe geklettert: Ich treibe nun nicht nur zwei Mal in der Woche jeweils 34 Minuten lang Sport, sondern verzichte bereits seit sieben Tagen auf Zucker. Und zwar freiwillig!

Das jedoch ist leichter gesagt als getan. Denn es winken nicht nur an allen Ecken und Enden die süßesten Leckereien - auch meine Arbeitskollegen stellen meinen Willen auf die Probe. Der eine bietet mir Schokoriegel an, und dem anderen soll ich ein Stück Kuchen mitbringen – vom Bäcker, der Höhle des Löwen.

Wenn aber schon mein Bauch weich ist wie Pudding, dann soll wenigstens mein Wille hart wie Stahl sein. Bis zum 5. Dezember verzichte ich auf Zucker in allen Formen. Allen Zweifeln und Unkenrufen zum Trotz.

Aber danach ist dann kein Gutsle, Stollen oder Lebkuchen auf der ganzen Laichinger Alb mehr vor mir sicher…

Ein letztes Mal strampeln, dann darf ich wieder naschen

3. Dezember:

Seit zwei Wochen sind sämtliche süße Leckereien für mich tabu – und eine Tatsache steht jetzt schon fest: So ganz auf Zucker zu verzichten, ist eine elende Quälerei. Im Rahmen der bundesweiten Gesundheitsstudie „Wie fit ist Deutschland?“, an der ich mich im Laichinger Fitnessstudio „LA Gym“ fünf Wochen beteilige, lasse ich – freiwillig wohlgemerkt – die Finger von allen Naschereien. Hinzu kommt der Sport: Zwei Mal wöchentlich trainiere ich jeweils 34 Minuten lang meine Bein-, Arm-, Rücken- und Bauchmuskulatur. Außerdem stehen Radeln und Crosswalken auf dem Programm.

Nein, als Ex-Schokoladen-Nascher hat man es heutzutage in unserer Gesellschaft wahrlich nicht leicht. Und dann passieren auch noch die seltsamsten Zufälle: Als meine Arbeitskollegin das erste Türchen ihres Adventskalenders öffnete, fehlte doch glatt der süße Inhalt. Ich stand natürlich sofort unter dringendem Tatverdacht. „Du hast doch so lange nix Süßes mehr gegessen“, hieß es da von Seiten der Kollegin. Ich glaube, auch einen Hauch Mitleid in ihrer Stimme vernommen zu haben...

So langsam stelle ich aber auch positive Seiten meiner Fitness-Folter fest: Ich fühle mich körperlich hervorragend. Der Zucker-Verzicht und das Training verfehlen ihre Wirkung nicht. Ich erhielt sogar schon das Kompliment, dass mein Bauchumfang kleiner geworden ist, was mir natürlich sofort ein breites Grinsen ins Gesicht zauberte.

Ob der Selbstversuch aber auch tatsächlich erfolgreich verläuft, erfahre ich in zwei Tagen: Am Montagmorgen steht der Abschlusstest im Laichinger Fitnessstudio „LA Gym“ an. Die Spannung steigt – und damit auch meine Vorfreude auf Gutsle, Lebkuchen und die vielen anderen adventlichen Leckereien, die ich derzeit an allen Ecken und Enden mit sehnsüchtigem Blick erspähe...

Sport ist nicht Mord

10. Dezember:

Jetzt habe ich es schwarz auf weiß: In den vergangenen fünf Wochen, in denen ich mich im Laichinger Fitness-Studio „LA Gym“ an der bundesweiten Studie „Wie fit ist Deutschland?“ beteiligte, habe ich zwei Kilogramm abgenommen. Außerdem ist mein Körperfettanteil von anfangs 26,8 auf nun 18,6 Prozent gesunken. Zur Erinnerung: Beim Anfangstest brachte ich 75 Kilogramm bei einer Größe von 1,76 Metern auf die Waage und kam mit meinen 27 Jahren auf ein Fitnessalter von 42. Jetzt hat der Abschlusstest Erstaunliches zu Tage gefördert: Nach dem fünfwöchigen Training, bei dem ich mich zwei Mal wöchentlich jeweils 34 Minuten lang gequält und sogar 14 Tage freiwillig auf Zucker verzichtet habe, bringe ich es auf ein Fitnessalter von – Trommelwirbel – 32 Jahren!

Das Ergebnis des Abschlusstests, für den mich Sina Juhn vom Laichinger Fitness-Studio genauestens unter die Lupe genommen hat, überraschte mich. Denn ich hätte nie gedacht, dass sich etwa eine Stunde Sport in der Woche derart positiv auswirken würde.

Klar, an die Werte des Fitness-Gurus Günter Juhn komme ich nach wie vor nicht ran. Mit seinen 42 Jahren kann sich der Inhaber des „LA Gym“ über ein Fitnessalter von 18 Jahren freuen. Dennoch hat sich bestätigt, was mir Günter Juhn zu Beginn meines Selbstversuchs versprochen hatte: „Du kommst besser durch den Tag.“ Das stimmt. Ich fühle mich nicht nur körperlich leistungsfähiger, sondern auch geistig wacher. Und mein zweiwöchiger Verzicht auf Zucker führte sogar dazu, dass ich nicht mehr zwingend gesüßten Kaffee benötige. Auch nach Schokolade gelüstet es mich nicht mehr ganz so stark wie früher.

Mein Entschluss jedenfalls steht fest: Obwohl die Fitness-Studie für mich abgeschlossen ist, werde ich weiterhin trainieren. Denn Sport ist keineswegs Mord – das ist die wohl wichtigste Erkenntnis meines Selbstversuchs.

(Erschienen: 09.12.2011 17:25)

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