Nachrichten Laichingen
Forscher suchen Höhlen-Verbindungen
Von unserer Mitarbeiterin Claudia Meindl
Was heute der Höhenzug der Schwäbischen Alb ist, war vor 150 Millionen Jahren der Grund eines Meeres – des Jurameeres. Was davon übrig blieb, ist Kalkgestein. Und das ist einerseits „schuld“, dass sich die Niederschläge auf der Alb nicht in Flüssen und Seen, sondern sofort versickern. Andererseits sorgt dieses durchlässige Gestein für die Pracht, die sich unter der Oberfläche bietet und Jahr für Jahr Tausende Touristen anlockt: die Alb-Höhlen.
Diese sind Gegenstand umfangreicher Forschung und faszinieren die Menschen von jeher. Zum Auftakt des Winterprogramms des Laichinger Höhlen- und Heimatvereins hat Professor Wolfgang Ufrecht im Laichinger Höhlenrasthaus die Fragen erläutert, auf die Wissenschaftler nach wie vor Antworten suchen.
100 Höhlen unter der Alb
Was man gemeinhin Verkarstung nennt, ist die Entstehung von unterirdischen Rissen, Rinnen und Klüften bis hin zu weitflächigen Höhlensystemen. Etwa 100 Karsthöhlen sind unter der Schwäbischen Alb entstanden, so wie die Blautopf- und die Vetterhöhle. Diese Höhlen – davon gehen Wissenschaftler heute aus – sind oft miteinander verbunden. Derzeit suchen Höhlenforscher nach möglichen Zugängen zum Blautopfhöhlensystem von der Laichinger Alb aus. Dieser ist bis jetzt jedoch noch nicht gefunden.
„Die Frage ist, warum so große Höhlensysteme gerade in Blaubeuren anzutreffen sind. Sind die Höhlen Zufallsgebilde oder sind günstige geologische Vorbedingungen gegeben? Wie läuft die Entstehung ab und wie alt sind die Höhlen?“, sind Fragen, die Ufrecht seit Jahren beschäftigen. „Verkarstung und Höhlenbildung sind Zeugnisse der landschaftsgeschichtlichen Entwicklung der Alb. Wenn man sich mit den Höhlen befasst und deren Entstehungsgeschichte zu verstehen versucht, können sie auch den Schlüssel zum Gesamtverständnis der geologischen Prozesse darstellen.“
So ist im Wassereinzugsgebiet des Blautopfs ein Forschungsprogramm gestartet worden, an dem Höhlenforscher und Geologen beteiligt sind. „Dass beide Disziplinen Hand in Hand arbeiten, ist mir ganz besonders wichtig. Das gilt vor allem für die Leistungen der zum großen Teil ehrenamtlichen Forscher, die in strapaziöser Vorarbeit die Höhlensysteme erkunden und vermessen“, sagte Ufrecht.
Suche nach Puzzleteilen
Mit Hilfe von Daten aus der Höhle und aus der Landschaft soll ein Modell der Verkarstungsgeschichte entwickelt werden. „Das ist ein weiterer Baustein, um die Entstehungsgeschichte des Blauhöhlensystems zu rekonstruieren.“ Dazu arbeiten die Forscher in einer Art „Spurensuche von Puzzleteilchen, die zu einem Gesamtbild zusammengesetzt werden können“, wie Wolfgang Ufrecht erklärte.
„Auch wenn Teilchen fehlen, entsteht ein Gesamtbild, das uns einen Überblick gibt“, betonte Ufrecht. Durch die geologische Erkundung des Untergrunds, wie zum Beispiel bei einer 69 Meter tiefen Bohrung an der Schimmelmühle in Blaubeuren, kann ein gutes Bild des Aufbaus gezeichnet werden. „Das Blauhöhlensystem und die Vetterhöhle stellen eine einzigartige Gelegenheit dar. Es zeigt, dass das gesamte System innerhalb einer Schicht verläuft.“
Ein durchgängiger tektonischer West-Ost-Versatz und der Verlauf der Urdonau geben laut Ufrecht wohl auch die Richtung des Höhlenverlaufs in den beiden Höhlen vor: „Tropfsteine unter Wasser weisen zusätzlich darauf hin, dass die Höhle über dem Wasserspiegel lag. Eine Datierung dieser Tropfsteine weist auf ein Alter zwischen 4100 und 8900 Jahren hin.“
(Erschienen: 10.03.2010 17:20)
Von unserer Mitarbeiterin Claudia Meindl
Was heute der Höhenzug der Schwäbischen Alb ist, war vor 150 Millionen Jahren der Grund eines Meeres – des Jurameeres. Was davon übrig blieb, ist Kalkgestein. Und das ist einerseits „schuld“, dass sich die Niederschläge auf der Alb nicht in Flüssen und Seen, sondern sofort versickern. Andererseits sorgt dieses durchlässige Gestein für die Pracht, die sich unter der Oberfläche bietet und Jahr für Jahr Tausende Touristen anlockt: die Alb-Höhlen.
Diese sind Gegenstand umfangreicher Forschung und faszinieren die Menschen von jeher. Zum Auftakt des Winterprogramms des Laichinger Höhlen- und Heimatvereins hat Professor Wolfgang Ufrecht im Laichinger Höhlenrasthaus die Fragen erläutert, auf die Wissenschaftler nach wie vor Antworten suchen.
100 Höhlen unter der Alb
Was man gemeinhin Verkarstung nennt, ist die Entstehung von unterirdischen Rissen, Rinnen und Klüften bis hin zu weitflächigen Höhlensystemen. Etwa 100 Karsthöhlen sind unter der Schwäbischen Alb entstanden, so wie die Blautopf- und die Vetterhöhle. Diese Höhlen – davon gehen Wissenschaftler heute aus – sind oft miteinander verbunden. Derzeit suchen Höhlenforscher nach möglichen Zugängen zum Blautopfhöhlensystem von der Laichinger Alb aus. Dieser ist bis jetzt jedoch noch nicht gefunden.
„Die Frage ist, warum so große Höhlensysteme gerade in Blaubeuren anzutreffen sind. Sind die Höhlen Zufallsgebilde oder sind günstige geologische Vorbedingungen gegeben? Wie läuft die Entstehung ab und wie alt sind die Höhlen?“, sind Fragen, die Ufrecht seit Jahren beschäftigen. „Verkarstung und Höhlenbildung sind Zeugnisse der landschaftsgeschichtlichen Entwicklung der Alb. Wenn man sich mit den Höhlen befasst und deren Entstehungsgeschichte zu verstehen versucht, können sie auch den Schlüssel zum Gesamtverständnis der geologischen Prozesse darstellen.“
So ist im Wassereinzugsgebiet des Blautopfs ein Forschungsprogramm gestartet worden, an dem Höhlenforscher und Geologen beteiligt sind. „Dass beide Disziplinen Hand in Hand arbeiten, ist mir ganz besonders wichtig. Das gilt vor allem für die Leistungen der zum großen Teil ehrenamtlichen Forscher, die in strapaziöser Vorarbeit die Höhlensysteme erkunden und vermessen“, sagte Ufrecht.
Suche nach Puzzleteilen
Mit Hilfe von Daten aus der Höhle und aus der Landschaft soll ein Modell der Verkarstungsgeschichte entwickelt werden. „Das ist ein weiterer Baustein, um die Entstehungsgeschichte des Blauhöhlensystems zu rekonstruieren.“ Dazu arbeiten die Forscher in einer Art „Spurensuche von Puzzleteilchen, die zu einem Gesamtbild zusammengesetzt werden können“, wie Wolfgang Ufrecht erklärte.
„Auch wenn Teilchen fehlen, entsteht ein Gesamtbild, das uns einen Überblick gibt“, betonte Ufrecht. Durch die geologische Erkundung des Untergrunds, wie zum Beispiel bei einer 69 Meter tiefen Bohrung an der Schimmelmühle in Blaubeuren, kann ein gutes Bild des Aufbaus gezeichnet werden. „Das Blauhöhlensystem und die Vetterhöhle stellen eine einzigartige Gelegenheit dar. Es zeigt, dass das gesamte System innerhalb einer Schicht verläuft.“
Ein durchgängiger tektonischer West-Ost-Versatz und der Verlauf der Urdonau geben laut Ufrecht wohl auch die Richtung des Höhlenverlaufs in den beiden Höhlen vor: „Tropfsteine unter Wasser weisen zusätzlich darauf hin, dass die Höhle über dem Wasserspiegel lag. Eine Datierung dieser Tropfsteine weist auf ein Alter zwischen 4100 und 8900 Jahren hin.“
(Erschienen: 10.03.2010 17:20)



































