Rund um Laichingen
So lustig war eineDepression noch nie
So einige Attacken auf ihre Lachmuskeln mussten sich die Zuschauer in der Auhalle gefallen lassen. Gelacht wurde – nahezu im 30-Sekunden-Takt – in erster Linie über eigentlich traurige Anlässe. Jochimsen gab den chronisch Depressiven, bei dem das „Novembergefühl im März beginnt und das sich bis ins Frühjahr hinzieht“. Seine Medizin: Humor. Der fängt bei Jochimsen dort an, wo der Spaß aufhört.
Gestrickt war sein Programm aus Alltags-Episoden als Familienvater, Trinker (aufgewachsen sei er in einer Kneipe im Osten Münchens) oder Rezipient des täglichen Medienwahnsinns. Jede Gruppe bekam ihr Fett weg: Die Politik (das Heiner-Brüderle-Lied erinnerte schwer an „What shall we do with the drunken sailor“), die Jugend (die neue Spießer-Generation) sowie die Damen und Herren im gesetzten Alter. „Nordic-Walking ist nichts anderes, als am Stock zu gehen“, so Jochimsen, der hie und da sein bajuwarisches Temperament aufblitzen ließ. Vor allem, wenn er seiner Wut über alles, was schief laufe in der Gesellschaft, freien Lauf ließ. „Es kann nicht sein, dass alle Kinder heute heißen wie Ikea-Möbelstücke. Torben oder Benkt“, gab sich Jochimsen, Vater eines Sohnes, verärgert und schob nach: „Noch dazu wenn sie auf solchen gezeugt wurden.“ Ob der schwedische Möbelkonzern auch ein Produkt „Jess“ führt?
Heiraten wie die Fliegen
Grandios entpuppte sich nicht nur sein Spiel mit Gitarre und Akkordeon, sondern auch jenes mit dem Publikum. Von einem Gast wollte er wissen, als dessen Handy klingelte, wer ihn gerade angerufen habe (Sohn Max), um sogleich aus dem Stehgreif eine Abhandlung über die neuen Smartphones zu geben. Jochimsen Kunst bestand darin, solche spontanen Anwandlungen fließend in sein Programm „Durst ins schlimmer als Heimweh“ einzubinden. Ja, ja, die Smartphone-Generation. „Heiraten sich weg wie die Fliegen“, so Jochimsen, der auch noch vorschlug, in Berghülen „ein bisschen randalieren zu gehen“, was jedoch abgelehnt wurde.
Dass seine pubertär-zügellose Show in Berghülen ankam, zeigte die Schlange am Verkaufsstand von Jochimsen-Büchern nach der Vorstellung. Vielleicht hatte er die Zuschauer damit überzeugt: „Das Geld, das sie hier ausgeben, bleibt in Berghülen. Das versauf’ ich im Ochsen.“
(Erschienen: 16.01.2012 15:00)
So einige Attacken auf ihre Lachmuskeln mussten sich die Zuschauer in der Auhalle gefallen lassen. Gelacht wurde – nahezu im 30-Sekunden-Takt – in erster Linie über eigentlich traurige Anlässe. Jochimsen gab den chronisch Depressiven, bei dem das „Novembergefühl im März beginnt und das sich bis ins Frühjahr hinzieht“. Seine Medizin: Humor. Der fängt bei Jochimsen dort an, wo der Spaß aufhört.
Gestrickt war sein Programm aus Alltags-Episoden als Familienvater, Trinker (aufgewachsen sei er in einer Kneipe im Osten Münchens) oder Rezipient des täglichen Medienwahnsinns. Jede Gruppe bekam ihr Fett weg: Die Politik (das Heiner-Brüderle-Lied erinnerte schwer an „What shall we do with the drunken sailor“), die Jugend (die neue Spießer-Generation) sowie die Damen und Herren im gesetzten Alter. „Nordic-Walking ist nichts anderes, als am Stock zu gehen“, so Jochimsen, der hie und da sein bajuwarisches Temperament aufblitzen ließ. Vor allem, wenn er seiner Wut über alles, was schief laufe in der Gesellschaft, freien Lauf ließ. „Es kann nicht sein, dass alle Kinder heute heißen wie Ikea-Möbelstücke. Torben oder Benkt“, gab sich Jochimsen, Vater eines Sohnes, verärgert und schob nach: „Noch dazu wenn sie auf solchen gezeugt wurden.“ Ob der schwedische Möbelkonzern auch ein Produkt „Jess“ führt?
Heiraten wie die Fliegen
Grandios entpuppte sich nicht nur sein Spiel mit Gitarre und Akkordeon, sondern auch jenes mit dem Publikum. Von einem Gast wollte er wissen, als dessen Handy klingelte, wer ihn gerade angerufen habe (Sohn Max), um sogleich aus dem Stehgreif eine Abhandlung über die neuen Smartphones zu geben. Jochimsen Kunst bestand darin, solche spontanen Anwandlungen fließend in sein Programm „Durst ins schlimmer als Heimweh“ einzubinden. Ja, ja, die Smartphone-Generation. „Heiraten sich weg wie die Fliegen“, so Jochimsen, der auch noch vorschlug, in Berghülen „ein bisschen randalieren zu gehen“, was jedoch abgelehnt wurde.
Dass seine pubertär-zügellose Show in Berghülen ankam, zeigte die Schlange am Verkaufsstand von Jochimsen-Büchern nach der Vorstellung. Vielleicht hatte er die Zuschauer damit überzeugt: „Das Geld, das sie hier ausgeben, bleibt in Berghülen. Das versauf’ ich im Ochsen.“
(Erschienen: 16.01.2012 15:00)




































